Manchmal stolpert man über Bibelverse. So einer steht ziemlich unscheinbar in Epheser 4: „Wer bisher ein Dieb gewesen ist, soll aufhören zu stehlen…“ (Epheser 4,28 NGÜ). Klar. Haken dran. Nächster Vers. Oder?
Wenn wir ehrlich sind, wirkt das erstmal weit weg. Die wenigsten von uns würden sich als Diebe bezeichnen. Aber Paulus geht es – wie so oft – um viel mehr als nur die offensichtliche Tat. Es geht ums Herz.
Ephesus war damals eine pulsierende Großstadt. Reich. Laut. Religiös. Voller Möglichkeiten – und genauso voller Grauzonen. Und ja, Diebstahl gab es. Aber oft subtiler, als wir denken: Ausnutzen statt dienen. Nehmen statt geben. Sich Vorteile verschaffen – auf Kosten anderer. Kommt dir das bekannt vor? Das gibt es heutzutage auch noch zur Genüge.
Paulus spricht genau in diese Realität hinein. Und er bleibt nicht beim „Hör auf damit“ stehen. Er beschreibt eine komplette Veränderung – in drei Schritten:
Zuerst: Stoppen.
„Wer bisher ein Dieb gewesen ist, soll aufhören zu stehlen.“ Veränderung beginnt damit, ehrlich hinzusehen. Zu erkennen: Wo nehme ich mir etwas, das mir nicht zusteht? Vielleicht keine Geldbörse – aber Aufmerksamkeit, Anerkennung, Vorteile?
Dann: Ersetzen.
„…und soll stattdessen einer nützlichen Beschäftigung nachgehen, bei der er seinen Lebensunterhalt mit Fleiß und Anstrengung durch eigene Arbeit verdient“ Das ist spannend: Es reicht nicht, das Falsche zu lassen. Du brauchst etwas Neues an seiner Stelle. Aus Nehmen wird Arbeiten. Aus Ausnutzen wird Verantwortung.
Und schließlich: Neu ausrichten.
„… dann kann er sogar noch denen etwas abgeben, die in Not sind.“ Das ist der eigentliche Hammer. Du arbeitest nicht nur für dich. Nicht nur für Sicherheit. Nicht nur für ein gutes Leben. Sondern damit du geben kannst.
Das ist ein komplett anderes Denken. Der alte Mensch fragt: Was kann ich bekommen?
Der neue Mensch fragt: Was kann ich geben? Drastisch ausgedrückt wird der Mensch vom Parasiten zum Geber.
Und genau hier wird deutlich: Es geht Paulus nicht um Moral. Es geht um Identität. Ein Dieb zerstört. Ein Nachfolger Jesu baut auf. Ein Dieb nimmt Leben. Ein Nachfolger Jesu gibt Leben weiter.
Und plötzlich bekommt Besitz eine neue Bedeutung: Nicht mehr Beute. Nicht mehr Absicherung. Sondern Möglichkeit. Möglichkeit, Gottes Herz sichtbar zu machen. Denn Gott selbst ist ein gebender Gott: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er gab …“ (Johannes 3,16).
Wenn sein Geist in uns lebt, wird aus einem Leben des Nehmens ein Leben des Gebens. Und jetzt wird es unbequem – und konkret: Wo lebst du noch im „Nehmen“? Vielleicht ganz subtil: Du hältst fest, obwohl du teilen könntest. Du sicherst dich ab, obwohl Gott dich ruft zu vertrauen. Du denkst zuerst an dich – und dann vielleicht an andere.
Paulus lädt dich ein, einen Schritt weiterzugehen: Nicht nur korrekt zu leben. Sondern großzügig. Nicht nur nichts Falsches zu tun. Sondern aktiv Gutes zu tun. Nicht nur zu verzichten. Sondern zu investieren.
Herausforderung für heute: Stell dir heute eine einfache Frage: Wo kann ich ganz konkret vom Nehmen ins Geben kommen? Vielleicht Geld. Vielleicht Zeit. Vielleicht Aufmerksamkeit. Such dir eine konkrete Sache.
Und tu sie bewusst. Nicht aus Pflicht. Sondern als Ausdruck eines neuen Lebens. Du wirst merken: Geben verändert nicht nur andere. Es verändert dich.
Sei gesegnet!
„Der Sinn des Lebens besteht nicht darin, zu bekommen. Es geht darum, etwas zu werden und etwas zu geben“ (Albert Einstein).


