Es gibt Sätze in der Bibel, die möchte man sich am liebsten einrahmen: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir.“ „Ich will dich nicht verlassen.“ „Ich gebe dir Frieden.“ „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Wunderschöne Zusagen – und sie sind wahr. Aber manchmal übersehen wir einen kleinen, entscheidenden Punkt:
Gottes Zusagen sind keine Glückskekse. Man liest sie nicht, bekommt kurz ein gutes Gefühl und macht danach einfach weiter wie bisher. Die meisten von ihnen enthalten eine Einladung: Vertraue mir. Folge mir nach. Geh den nächsten Schritt.
Als ich das erste Mal im Fitnessstudio war, erklärte mir ein Trainer, was alles möglich sei. Ich sah die durchtrainierten Menschen dort und dachte: So sehe ich bald auch aus! Möglich wäre es gewesen. Aber da gab es einen kleinen Haken: Training. Wenn man Muskeln aufbauen will, muss man regelmäßig trainieren.
Der Apostel Paulus beschreibt im Kolosserbrief etwas ganz Ähnliches für unseren Glauben: „Senkt eure Wurzeln tief in seinen Boden und schöpft aus ihm, dann werdet ihr im Glauben wachsen und in der Wahrheit standfest werden.“ (Kolosser 2,7).
Da ist dieses Wort „dann“. Aber Paulus sagt nicht: Streng dich mehr an, damit Gott dich mehr liebt. Er sagt: Schlag deine Wurzeln tief in Christus. Denn bei einem Baum entscheidet nicht zuerst das, was man oben sieht, über seine Stabilität. Entscheidend ist das, was im Verborgenen liegt: seine Wurzeln.
Ein Baum mit tiefen Wurzeln übersteht einen Sturm, der einen oberflächlich verwurzelten Baum einfach umwirft. Genauso ist es mit unserem Glauben. Wir können christliche Lieder singen, Bibelverse kennen, sonntags im Gottesdienst sitzen und trotzdem innerlich erstaunlich oberflächlich verwurzelt sein.
Wir können unser Leben nämlich auch ganz unbemerkt in andere Dinge hineinverwurzeln: in Erfolg, Geld, Anerkennung, Beziehungen, Leistung oder die eigene Stärke. Solange alles glattläuft, merken wir den Unterschied kaum. Aber dann kommt der Sturm. Eine Enttäuschung. Eine zerbrochene Beziehung. Eine Krankheit. Eine Kündigung. Eine Zukunft, die plötzlich ganz anders aussieht als geplant.
Dann zeigt sich, worauf wir wirklich gebaut haben.
Das bedeutet nicht, dass Menschen mit tiefen Wurzeln keine Stürme erleben. Gott verspricht uns keinen sturmfreien Weg. Aber er verspricht, uns mitten im Sturm tiefer zu verwurzeln. Manchmal verändert Gott nicht sofort unsere Umstände. Aber er verändert uns in unseren Umständen. Unser Vertrauen wächst. Unsere Angst verliert an Macht. Wir lernen, Gott auch dann festzuhalten, wenn wir noch nicht verstehen, was er tut.
Die entscheidende Frage lautet deshalb heute nicht: Wie überzeugend sieht dein Glaube nach außen aus? Sondern: Wie tief sind deine Wurzeln? Woher bekommst du deine Kraft, wenn das Leben schwierig wird?
Aus der Zeit mit Gott. Aus seinem Wort. Im Gebet, in der Anbetung und in der Stille. Nicht, um dir Gottes Liebe zu verdienen – sondern weil genau dort deine Wurzeln tiefer in Christus hineinwachsen.
Vielleicht ist Gottes Einladung für dich heute ganz einfach: Schlag deine Wurzeln tiefer. Und zwar jetzt, nicht erst beim nächsten Unwetter. Denn ein Baum entscheidet im Sturm nicht mehr, ob er tiefe Wurzeln haben möchte. Er kann nur noch von den Wurzeln leben, die er vorher wachsen ließ. Was heute unsichtbar in die Tiefe wächst, trägt dich morgen sichtbar durch den Sturm.
Herausforderung für heute: Nimm dir heute ganz bewusst zehn Minuten Zeit, bevor der Alltag dich wieder einholt. Lies Kolosser 2,7 langsam. Lass das Smartphone liegen und frage Gott ehrlich: „Herr, wo sind meine Wurzeln in letzter Zeit eher oberflächlich geworden?“
Und dann wähle einen kleinen Schritt, der deine Wurzeln heute tiefer wachsen lässt: ein ehrliches Gebet, ein Bibelabschnitt, ein Gespräch oder eine Zeit der Stille.
Sei gesegnet – und tief verwurzelt in Christus!
„Wer einen Baum pflanzt, obwohl er weiß, dass er niemals in seinem Schatten sitzen wird, hat begonnen, den Sinn des Lebens zu verstehen.“ – sinngemäß nach Warren Buffett


