Wenn Gott wirklich mein Vater ist und auf mich aufpasst – warum passiert mir dann überhaupt etwas? Diese Frage haben sich wahrscheinlich schon viele Christen gestellt. Manche sind sogar mit der Vorstellung in den Glauben gestartet: Wenn ich Jesus nachfolge, dann wird mein Leben irgendwie sicherer. Gott ist doch mein Papa – der wird schon aufpassen.
Ja. Gott passt auf seine Kinder auf. Aber das bedeutet nicht, dass uns niemals etwas passiert. Kein guter Vater kann verhindern, dass sein Kind sich das Knie aufschlägt, enttäuscht wird oder durch schwierige Zeiten gehen muss. Und auch unser himmlischer Vater hat uns nie ein Leben ohne Schmerzen versprochen.
David benutzt im Psalm 23 ein starkes Bild dafür. Er schreibt: „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde“ (Psalm 23,5). Was für ein ungewöhnliches Bild! Die Feinde sind noch da. Die Gefahr ist nicht verschwunden. Und trotzdem deckt Gott den Tisch.
David sagt nicht: „Es gibt keine Feinde mehr.“ Er sagt: „Du bist bei mir – trotz meiner Feinde.“ Das ist ein wichtiger Unterschied.
Gottes Schutz bedeutet nicht unbedingt, dass er jedes Problem aus unserem Leben entfernt. Manchmal tut er das. Manchmal bewahrt er uns vor einer Gefahr, manchmal führt er uns aus einer schwierigen Situation heraus.
Aber manchmal tut er etwas anderes: Er lässt uns mitten in der schwierigen Situation seine Gegenwart erfahren. David selbst wusste, was Bedrohung bedeutet. Er wurde verfolgt, musste um sein Leben fürchten und kannte Unsicherheit. Trotzdem konnte er sagen: „Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln“ (Psalm 23,1).
Seine Sicherheit beruhte nicht darauf, dass sein Leben problemlos war. Sie beruhte darauf, wem er gehörte. Das wird schon wenige Verse vorher deutlich: „Ich fürchte kein Unglück; denn du bist bei mir“ (Psalm 23,4).
David sagt nicht:„Mir kann nichts passieren.“ Er sagt: „Ich muss mich nicht von der Angst beherrschen lassen, weil Gott bei mir ist.“
Auch Jesus macht keine falschen Versprechungen. Er sagt seinen Jüngern: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Johannes 16,33). Christlicher Glaube bedeutet also nicht, dass wir niemals Angst haben. Es bedeutet, dass Angst nicht das letzte Wort bekommt.
Und das sehen wir am deutlichsten am Kreuz.
Gott bewahrte Jesus nicht davor, leiden zu müssen. Er nahm ihm den Weg durch das Leiden nicht ab. Aber das Kreuz war nicht das Ende. Die Auferstehung zeigt: Gottes Fürsorge und sein Sieg reichen weiter, als wir im Augenblick sehen können.
Vielleicht wünschst du dir gerade: „Gott, nimm dieses Problem endlich weg!“ Und vielleicht tut er genau das. Aber vielleicht lautet seine Antwort auch: „Ich nehme dich nicht sofort aus dieser Situation heraus. Aber ich lasse dich darin nicht allein.“
Das ist keine kleine Zusage. Das ist Gottes Gegenwart. Meine Probleme sind real. Aber Gottes Gegenwart ist realer. Darum muss ich nicht alles unter Kontrolle haben. Wenn Gott mein Hirte ist, darf ich meine Kontrolle loslassen und mich seiner Fürsorge anvertrauen.
Der Psalm verspricht uns kein Leben ohne Feinde, Gefahren oder Täler. Er verspricht uns etwas Besseres: Einen Hirten, der uns nicht verlässt.
Herausforderung für heute: Was macht dir gerade Angst? Wo fühlst du dich ungeschützt oder ausgeliefert?
Bring genau diesen Bereich heute zu Gott. Bitte ihn nicht nur darum, die Situation zu verändern. Bitte ihn auch darum, dass du seine Gegenwart mitten in dieser Situation wahrnimmst. Und dann sage ihm: „Jesus, ich weiß nicht, was als Nächstes passiert. Aber ich weiß, dass du bei mir bist. Ich vertraue dir.“
Vielleicht nimmt Gott die Gefahr weg. Vielleicht gibt er dir Kraft, hindurchzugehen. Aber egal, wie er handelt: Du bist nicht schutzlos. Dein Hirte ist da.
Sei gesegnet!
„Das Leben ist wie Fahrradfahren. Um das Gleichgewicht zu halten, musst du in Bewegung bleiben.“ – Albert Einstein


