Das Beste kommt noch

Jürgen Ferrary
15. August 2026

Wir leben in einer Zeit, in der vieles austauschbar geworden ist. Wenn mir etwas nicht mehr gefällt, wird es ersetzt. Wenn eine Beziehung schwierig wird, suche ich vielleicht eine neue. Wenn ein Hobby langweilig wird, probiere ich etwas anderes. Und auch im Glauben wechseln manche Menschen Gemeinde um Gemeinde.

„Diese Gemeinde bringt mir irgendwie nichts mehr. Ich suche mir eine neue.“ Stell dir einmal vor, eine Gemeinde würde den Spieß umdrehen und sagen: „Dieses Gemeindemitglied bringt uns irgendwie nichts mehr. Wir suchen uns ein neues.“ Plötzlich wäre die Sache gar nicht mehr so lustig.

Beständigkeit beginnt mit einer Entscheidung: Ich bleibe. Das gilt für eine Ehe. Für Freundschaften. Für eine Gemeinde. Und auch für unseren Glauben.

Denn ein Leben mit Jesus bedeutet nicht, dass wir von einem geistlichen Höhepunkt zum nächsten schweben. Es gibt Zeiten, in denen wir Gott ganz nah erleben. Und es gibt Zeiten, in denen wir zweifeln, uns fragen, ob wir überhaupt noch vorankommen, oder uns innerlich trocken fühlen.

Das ist kein Zeichen dafür, dass Gott uns verlassen hat. Vielleicht ist gerade dann Beständigkeit gefragt. Umso bemerkenswerter ist, wie David seinen Psalm 23 beendet: „Und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar“ (Psalm 23,6).

Nach grünen Auen, stillen Wassern, dunklen Tälern und Feinden endet dieser Psalm nicht mit Angst, sondern mit Zukunftshoffnung. David sagt damit: Meine Geschichte endet nicht im Tal. Sie endet bei Gott. Das ist der entscheidende Gedanke.

Gott ist nicht nur mein Hirte für heute. Er begleitet mich nicht nur durch die nächste Krise. Seine Güte und Gnade begleiten mich mein Leben lang. Und danach? David sagt: „Ich werde bleiben im Haus des HERRN immerdar.“

Das Wort „immerdar“ öffnet eine Perspektive, die weit über dieses Leben hinausgeht. Jesus sagt: „Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen“ (Johannes 14,2). Und Paulus schreibt: „Wir sind aber getrost und haben vielmehr Lust, aus dem Leib auszuwandern und daheim zu sein bei dem Herrn“ (2. Korinther 5,8).

Dieses Wort gefällt mir besonders: daheim. Der Himmel ist nicht einfach ein schöner Ort irgendwo über den Wolken. Der Himmel ist Zuhause bei Gott. Und plötzlich bekommt Psalm 23 eine noch tiefere Bedeutung.

Vielleicht lesen wir den Psalm zunächst wie eine Aufzählung dessen, was Gott uns schenkt:

Gott gibt mir Ruhe.
Gott versorgt mich.
Gott führt mich.
Gott schützt mich.
Gott tröstet mich.
Gott segnet mich.

Aber am Ende merken wir: Das größte Geschenk ist nicht das, was Gott gibt. Das größte Geschenk ist Gott selbst. David sagt nicht: „Ich werde für immer auf grünen Auen liegen.“ Er sagt: „Ich werde bleiben im Haus des HERRN.“ Das Ziel ist nicht ein problemloses Leben. Das Ziel ist Gottes Gegenwart.

Deshalb ist die Hoffnung auf den Himmel auch keine Flucht vor dem Leben. Im Gegenteil: Wenn ich weiß, dass mein Leben bei Gott ein Ziel hat, kann ich heute freier und mutiger leben.

Ich muss nicht krampfhaft alles aus diesem Leben herausholen. Ich muss nicht an jedem Erfolg festhalten. Und ich muss nicht glauben, dass ein schwieriger Abschnitt das letzte Kapitel meiner Geschichte ist.

Vielleicht weißt du nicht, was in fünf Jahren sein wird. Vielleicht weißt du nicht, welche Täler noch vor dir liegen. Aber du darfst wissen: Gottes Güte hat kein Ablaufdatum. Seine Gnade kennt kein Verfallsdatum.

Und deshalb lautet meine Hoffnung nicht: „Es wird immer alles gut gehen.“ Sondern: „Was auch kommt – Gott hält mich. Und am Ende bringt er mich nach Hause.“

Herausforderung für heute: Wo bist du gerade versucht, aufzugeben, weil etwas nicht mehr so ist wie früher? Vielleicht in einer Beziehung, einer Gemeinde, einem Dienst – oder sogar in deinem Glauben.
Frag dich heute: Was würde es bedeuten, nicht sofort weiterzuziehen, sondern Gott treu zu bleiben?

Und dann erinnere dich an das Ende von Psalm 23: „Ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.“ Du kennst vielleicht nicht alle Kapitel, die noch vor dir liegen. Aber du kennst das Ende. Nicht das Ende im Sinne von: Alles wird genauso, wie ich es mir wünsche.

Sondern: Am Ende wartet nicht das Nichts. Am Ende wartet Gott. Darum: Mein Leben endet nicht im Tal. Mein Hirte führt mich nach Hause.

Sei gesegnet!

„Der Tod ist nicht das Auslöschen des Lichts, sondern das Ausblasen der Lampe, weil der Morgen gekommen ist.“ – Rabindranath Tagore

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