Mehr als neue Kraft

Jürgen Ferrary
8. August 2026

Es kommt nicht oft vor, dass ein Lied mit einem biblischen Text die deutschen Charts erobert. Umso erstaunlicher war es, als die Band E Nomine Ende 2004 mit „Vater unser Part II (Psalm 23)“ mehrere Wochen in den Top 100 vertreten war. Gregorianische Gesänge, Trance und Techno – und mittendrin Worte aus Psalm 23.

Beim Hören blieb ich an einem Ausdruck hängen, den viele von uns kennen, aber kaum noch benutzen: „Er erquickt meine Seele.“ (Psalm 23,3)

Hand aufs Herz: Wann hast du zuletzt das Wort erquicken verwendet? Also habe ich nachgeschlagen. Moderne Bibelübersetzungen schreiben häufig: „Er gibt mir neue Kraft.“ Das trifft einen Teil der Bedeutung – aber längst nicht alles.

Das hebräische Wort bedeutet viel mehr: wiederherstellen, zurückbringen, erneuern. Plötzlich bekommt dieser Vers eine ungeheure Tiefe.

Genau das tut ein guter Hirte. Wenn ein Schaf sich verirrt, sucht er es und bringt es zurück. Ist es erschöpft, lässt er es nicht einfach liegen, sondern stärkt es. Ist es verletzt, kümmert er sich darum. Der Hirte gibt seine Schafe nicht auf.

Und genauso handelt Gott mit uns.

Nicht nur unser Körper wird müde. Auch unsere Seele kann erschöpfen. Enttäuschungen hinterlassen Spuren. Schuld belastet unser Gewissen. Sorgen rauben uns den Schlaf. Dauerstress nimmt uns die Freude. Manchmal funktionieren wir nach außen noch erstaunlich gut, während wir innerlich längst keine Kraft mehr haben.

Die gute Nachricht von Psalm 23 lautet: Gott erwartet nicht, dass wir uns selbst wieder zusammensetzen. Er ist ein Gott der Wiederherstellung.

Deshalb verheißt Jesaja: „Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ (Jesaja 40,31)

Diese neue Kraft entsteht nicht dadurch, dass wir uns noch mehr anstrengen. Sie wächst dort, wo wir Gott neu vertrauen. Manchmal verändert Gott unsere Umstände. Oft beginnt er damit, unser Herz zu verändern.

Auch Jesus sagt: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Johannes 10,10)

Er möchte nicht, dass wir uns irgendwie durchs Leben schleppen. Er möchte uns Schritt für Schritt zu den Menschen machen, als die Gott uns gedacht hat.

Vielleicht fühlst du dich im Moment innerlich müde. Dann darfst du wissen: Gott sieht nicht zuerst deine Leistung, sondern deine Seele. Und seine Spezialität ist es, wiederherzustellen, was zerbrochen, erschöpft oder verloren scheint.

Ein Schaf weiß genau, wohin es geht, wenn es Schutz, Nahrung oder Ruhe braucht: zu seinem Hirten. Es kennt seine Stimme und unterscheidet sie von allen anderen.

Wie ist das bei dir?

Jeden Tag konkurrieren unzählige Stimmen um unsere Aufmerksamkeit – Nachrichten, soziale Medien, Meinungen, Ängste oder Erwartungen anderer Menschen. Doch zwischen all diesen Stimmen ruft auch der gute Hirte.

Wer lernt, auf seine Stimme zu hören, findet nicht nur Orientierung. Er findet Heilung, Frieden und neue Kraft für seine Seele.

Herausforderung für heute: Welche Stimme bestimmt heute dein Denken? Nimm dir bewusst ein paar Minuten Zeit, Psalm 23 langsam zu lesen. Bitte Jesus, dass seine Stimme lauter wird als die Stimmen deiner Sorgen, deiner Ängste und der Welt um dich herum. Vertraue darauf: Der gute Hirte weiß genau, was deine Seele heute braucht. Hab Mut und höre nicht nur auf die Stimme, sondern folge ihr auch!

Sei gesegnet!

Fast alles wird wieder funktionieren, wenn du es für ein paar Minuten vom Strom nimmst – auch du. – Anne Lamott

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