Geborgen trotz Sturm

Jürgen Ferrary
7. August 2026

Es ist schon erstaunlich, wie wenig ein Mensch manchmal braucht, um sich sicher zu fühlen. Als ich früher bei den Pfadfindern war, habe ich das immer wieder erlebt. Egal, wo wir unser Zelt aufschlugen – auf einem einsamen Berg, mitten im Wald oder auf einem belebten Campingplatz –, sobald das Zelt stand, der Schlafsack ausgerollt war und ich mich hineinlegte, stellte sich ein merkwürdiges Gefühl ein: Ich war zu Hause.

Dabei war zwischen mir und der Welt da draußen nur eine dünne Stoffwand. Draußen hörte man fremde Stimmen, unbekannte Tiere, manchmal peitschte der Regen gegen das Zeltdach oder der Wind rüttelte an den Leinen. Und trotzdem schlief ich ein. Nicht, weil das Zelt jede Gefahr beseitigte, sondern weil es ein Ort war, an dem ich mich geborgen fühlte.

Dieses Gefühl greift David im Psalm 23 auf. Er beschreibt Gott als den guten Hirten und schreibt: „Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern“ (Psalm 23,2).

Für ein Schaf ist dieses Bild alles andere als selbstverständlich. Schafe gehören zu den schreckhaftesten Tieren überhaupt. Sie legen sich nur dann hin, wenn sie sich vollkommen sicher fühlen. Sobald sie Gefahr wittern, bleiben sie stehen, beobachten ihre Umgebung und kommen nicht zur Ruhe.

Ist das bei uns nicht ganz ähnlich?

Unsere Termine werden mehr, die Nachrichten beunruhigen uns, Konflikte belasten unser Herz und nachts drehen sich die Gedanken oft im Kreis. Unser Körper liegt zwar im Bett, aber unsere Seele ist noch unterwegs.

Interessanterweise macht uns häufig gar nicht die Arbeit am meisten müde, sondern die Sorge. Der ständige Versuch, alles unter Kontrolle zu behalten, hält unser Herz in dauernder Alarmbereitschaft. Kontrolle kostet Kraft. Vertrauen schenkt Frieden.

Deshalb lädt Jesus uns ein: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch Ruhe geben“ (Matthäus 11,28).

Jesus verspricht uns kein Leben ohne Schwierigkeiten. Krankheit, Enttäuschungen oder Krisen gehören leider zu dieser gefallenen Welt. Aber er verspricht etwas viel Tieferes: Seine Gegenwart mitten darin.

Darum schreibt auch Petrus: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7).

Der Friede Gottes entsteht nicht erst dann, wenn alle Probleme verschwunden sind. Er wächst dort, wo wir dem guten Hirten zutrauen, dass er den Überblick hat, auch wenn wir ihn verloren haben. Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft von Psalm 23: Nicht die grünen Auen geben den Schafen Sicherheit. Nicht die stillen Wasser schenken ihnen Ruhe. Der Hirte tut es.

Und genauso ist es bei uns. Unsere Sicherheit hängt nicht zuerst von unseren Umständen ab, sondern davon, wer mit uns durch diese Umstände geht.

Unser Pfadfinderzelt konnte den Sturm nicht verhindern. Aber es vermittelte mir Geborgenheit. Gottes Gegenwart kann manchmal den Sturm ebenfalls nicht sofort beenden. Doch sie schenkt einen Frieden, den kein Sturm dieser Welt rauben kann.

Herausforderung für heute: Welche Sorge hält dein Herz gerade in Alarmbereitschaft? Nenne sie heute ganz bewusst Gott. Höre auf, alles allein tragen zu wollen. Vertraue deinem guten Hirten einen Bereich an, den du bisher krampfhaft kontrollieren wolltest – und erlebe, wie Vertrauen eine Ruhe schenkt, die Kontrolle niemals hervorbringen kann.

Sei gesegnet!

„Nicht weil es leicht ist, finden wir Frieden, sondern weil wir gelernt haben, loszulassen.“ – Unbekannt

Mehr Gedanken

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner
Warning