Ich stand einmal an Deck eines Schiffes und sah einem Künstler zu. Vor ihm lag ein unförmiger Eisblock. Ehrlich gesagt: Für mich war es einfach nur ein Klotz aus eEs. Kalt. Schwer. Wertlos. Der Künstler aber lächelte und sagte: „Warte ab. Ich sehe schon, was darin steckt.“
Ein paar Schläge später war da noch immer nicht viel zu sehen. Noch mehr Schläge. Eisstücke flogen. Und ich dachte: Das wird doch nichts. Und dann, noch ein paar Minuten später traute ich meinen Augen kaum. Aus dem Eisklotz war eine Figur geworden. Ausdrucksstark. Fein gearbeitet. Ein Meisterstück.
Der Unterschied zwischen mir und dem Künstler? Ich sah den Eisblock. Er sah das Potenzial.
Paulus schreibt im Epheserbrief 2,10: „Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir darin wandeln sollen.“
Ein gewaltiger Satz.
Die erste Entdeckung: Du bist sein Werk.
Im Griechischen steht dort „ποίημα“ (poiema) – ein Kunstwerk, ein Meisterstück. Du bist kein Zufallsprodukt, kein Massenartikel. Gott hat dich nicht lieblos vom Fließband geschoben. Du bist gewollt, gedacht, gestaltet.
Zweite Entdeckung: In Christus erkennen wir, wozu wir geschaffen sind.
Paulus selbst ist das beste Beispiel. Vom Christenverfolger zum Gemeindegründer. Vom Zerstörer zum Ermutiger. Gemeinsam mit Christus entdeckt er seine eigentliche Bestimmung. Nicht in eigener Anstrengung. Nicht durch Selbstoptimierung. Sondern in Beziehung.
Berufung beginnt nicht mit „Was kann ich?“ Sondern mit „Mit wem lebe ich?“
Dritte Entdeckung: Die guten Werke sind längst vorbereitet.
Das ist befreiend. Gott schaut nicht vom Himmel und denkt: „Na hoffentlich fällt dir etwas Sinnvolles ein.“ Nein. Er hat bereits Werke vorbereitet und zwar welche, die zu dir passen. Er hat Anlagen in dich hineingelegt. Gaben. Leidenschaften. Erfahrungen – sogar Brüche –, die er gebrauchen will.
Manchmal suchen wir verzweifelt nach unserer Berufung, während Gott sie längst in uns hineingelegt hat. Vielleicht ist es dein offenes Ohr. Dein Organisationstalent. Dein Humor. Deine Geduld. Dein Mut. Gott pflanzt nichts zufällig ein.
Und dann kommt die vierte Entdeckung. Und sie ist unbequem: „… damit wir darin wandeln sollen.“
Nicht: darüber nachdenken.
Nicht: bewundern.
Nicht: irgendwann anfangen.
Wandeln.
Das klingt nach Bewegung. Nach Entscheidung. Nach Alltag. Es reicht nicht zu wissen, dass ich ein Meisterstück bin. Es reicht nicht zu ahnen, dass Gott etwas vorbereitet hat.
Ich muss losgehen.
Manche von uns bleiben beim Staunen stehen. „Wow, Gott hat einen guten Plan.“ Und dann setzen wir uns wieder hin. Aber ein vorbereiteter Weg entfaltet sich nur im Gehen. Vielleicht fühlt es sich unsicher an. Vielleicht unvollkommen. Vielleicht nicht spektakulär. Aber Gott erwartet keine Perfektion – aber Exzellenz – und Vertrauen.
Ein Meisterstück im Atelier erfüllt nicht seinen Zweck. Es muss ans Licht. Du bist geschaffen mit Absicht. In Christus berufen. Mit vorbereiteten Werken ausgestattet.
Jetzt bleibt die Frage: Wirst du gehen?
Kleine Herausforderung: Frag Gott heute konkret: „Welchen vorbereiteten Schritt soll ich diese Woche gehen?“ Und dann tu genau diesen einen Schritt. Vielleicht kein Riesensprung. Ein Schritt.
Sei gesegnet!
„Der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen, ist, sie zu gestalten“ (Peter Drucker).


