Manchmal merke ich, dass ich älter werde. Nicht nur an den Jahren, sondern an meiner Reaktion auf den Alltag. Ich lasse mich schneller reizen. Lärm stört mich mehr als früher. Ich brauche mehr Ruhe. Früher lief bei mir ständig Musik. Heute brauche ich beim Arbeiten oft einfach Stille.
Und dann kommt das echte Leben: Kinder, die im Minutentakt etwas wollen. Nachrichten, die im Sekundentakt aufpoppen. Hunde, die draußen gefühlt stundenlang bellen. Und ich spüre, wie sich in mir etwas aufbaut. Unruhe. Druck. Ärger.
Ich will das schnell lösen. Meine Stimme wird schärfer. Meine Worte auch. Innerlich versuche ich, alles um mich herum so zu kontrollieren, dass ich wieder „runterkomme“. Und danach merke ich: Das bin doch eigentlich nicht ich. Oder zumindest nicht der, der ich sein möchte.
Ich habe lange gedacht: Das ist halt mein Charakter. Meine Marotten. Man wird älter, man wird eben auch festgefahrener. Als Christ bist du zwar gerettet – aber innerlich bleibst du, wie du bist.
Doch dann liest man Römer 6, und plötzlich passt dieses Bild nicht mehr. Dort schreibt Paulus: „Denn wie wir seinen Tod mit ihm geteilt haben, so haben wir auch Anteil an seiner Auferstehung. Letztlich geht es doch darum: Unser früheres Leben endete mit Christus am Kreuz. Unser von der Sünde beherrschtes Wesen ist damit vernichtet, und wir müssen nicht länger der Sünde dienen. Denn wer gestorben ist, kann nicht mehr von der Sünde beherrscht werden. Sind wir aber mit Christus gestorben, dann werden wir auch mit ihm leben – davon sind wir überzeugt.“ (Römer 6,5-8)
Das ist herausfordernd. Denn mein Erleben fühlt sich manchmal anders an. Ich reagiere immer noch falsch. Ich werde immer noch ungeduldig. Ich sage Dinge, die mir später leid tun. Ich muss mich entschuldigen, Buße tun, neu anfangen. Aber etwas hat sich grundlegend verändert: Ich bin nicht mehr machtlos.
Der Impuls ist real. Der Ärger auch. Aber er ist nicht mehr mein Herr. Das ist der Unterschied zwischen Kampf und Sklaverei. Sklaverei bedeutet: Du kannst nicht anders. Kampf bedeutet: Du hast eine Wahl.
Derselbe Paulus schreibt an anderer Stelle: „Früher wart ihr gewissermaßen unbeschnitten, denn ihr habt euch von eurer sündigen Natur bestimmen lassen und wart durch eure Schuld von Gott getrennt. In seinen Augen wart ihr tot, aber er hat euch mit Christus lebendig gemacht und alle Schuld vergeben.“ Gott hat den Schuldschein, der uns mit seinen Forderungen so schwer belastete, für ungültig erklärt. Ja, er hat ihn zusammen mit Jesus ans Kreuz genagelt und somit auf ewig vernichtet“ (Kolosser 2,13-14)
Die alte Herrschaft ist beendet. Als Jesus starb, wurde die Macht der Sünde gebrochen. Als er auferstand, begann ein neues Leben – auch für uns. Das heißt nicht, dass Versuchung verschwindet. Aber sie hat kein letztes Wort mehr.
Wenn also Wut, Ungeduld oder Frust in dir aufsteigen, kämpfst du nicht mehr um Freiheit. Du kämpfst aus Freiheit heraus. Und das verändert alles.
Denn jetzt geht es nicht mehr darum, dich zusammenzureißen oder dich irgendwie besser zu verhalten. Es geht darum, dich neu auszurichten. Dich erinnern zu lassen, wer du bist. Und dich von Jesus mit dem zu füllen, was dir gerade fehlt: Frieden, Geduld, Liebe.
Das passiert selten mitten im Lärm. Es beginnt oft mit einem kurzen Innehalten. Einem Moment, in dem du nicht sofort reagierst, sondern bewusst wahrnimmst: Ich muss diesem Impuls nicht folgen.
Herausforderung für heute: Wenn dich heute etwas triggert – und das wird passieren – dann drück nicht sofort auf „Reaktion“. Halt kurz inne. Atme. Und erinnere dich: Ich bin nicht mehr gefangen. Ich habe eine Wahl. Bitte Jesus in diesem Moment ganz konkret um seinen Frieden – und triff dann bewusst eine andere Entscheidung als sonst.
Vielleicht ist genau dieser kleine Moment der Anfang von echter Veränderung.
Sei gesegnet!
„Zwischen dem, was geschieht, und dem, was wir daraus machen, liegt unsere Freiheit.“ – Alfred Adler


