„Liebt eure Feinde! Tut wohl denen, die euch hassen! Segnet, die euch verfluchen! Betet für die, die euch misshandeln!“ (Lukas 6,27–28) Ganz ehrlich? Dieser Satz gehört zu den schwersten Aussagen von Jesus. Freundlich zu Menschen sein, die nett zu mir sind? Kein Problem.
Aber freundlich zu denen, die mich verletzen, schlecht über mich reden oder mich bewusst provozieren? Das fühlt sich völlig unnatürlich an. Und doch genau darin zeigt sich Barmherzigkeit.
In den vergangenen Tagen haben wir verschiedene Seiten der Barmherzigkeit kennengelernt: Sie erträgt die Eigenarten anderer, sie hilft, sie schenkt zweite Chancen und sie tut Gutes – sogar denen, die uns das Leben schwer machen.
Heute kommt ein weiterer Schritt hinzu: Barmherzigkeit bleibt freundlich.
Freundlichkeit ist keine Schwäche. Sie ist eine Stärke. Gerade in einer Zeit, in der Diskussionen immer schneller eskalieren, Menschen sofort abgestempelt werden und jeder zurückschießt, fällt christliche Freundlichkeit auf.
Auch Christen erleben heute immer wieder Gegenwind, Spott oder Ablehnung, wenn sie ihren Glauben ernst nehmen. Dann stellt sich eine entscheidende Frage: Will ich die Diskussion gewinnen – oder den Menschen für Christus gewinnen?
Natürlich kann ich scharf zurückschlagen. Vielleicht habe ich sogar die besseren Argumente. Aber wenn mein Gegenüber am Ende nur denkt: „Christen sind genauso aggressiv wie alle anderen“, habe ich zwar vielleicht eine Debatte gewonnen, aber keinen Menschen näher zu Jesus gebracht.
Paulus wusste genau, wovon er sprach. Er schreibt: „Ich war früher ein Gotteslästerer, ein Verfolger und Gewalttäter. Doch Gott hat sich über mich erbarmt.“ (1. Timotheus 1,13)
Paulus wurde nicht durch Härte verändert. Er wurde durch Gottes Barmherzigkeit verändert. Und genau deshalb fordert uns die Bibel auf: „Erbarmt euch derer, die zweifeln.“ (Judas 22)
Menschen, die den Glauben ablehnen oder hinterfragen, brauchen nicht zuerst unseren Zorn. Sie brauchen unsere Geduld. Unsere Freundlichkeit. Unsere Liebe. Das bedeutet nicht, dass wir Gottes Maßstäbe aufgeben oder Sünde kleinreden.
Aber wir dürfen nie vergessen: Jesus liebte Menschen, bevor sie sich veränderten. Genau so hat Gott auch uns behandelt. Er wartete nicht darauf, dass wir alles richtig machten. Er begegnete uns mit Gnade.
Darum dürfen wir heute anderen dieselbe Barmherzigkeit schenken. Denn manchmal öffnet nicht das bessere Argument ein Herz – sondern echte Freundlichkeit.
Herausforderung für heute: Begegne heute ganz bewusst einem Menschen freundlich, der dir unsympathisch ist oder anderer Meinung als du. Ein freundliches Wort, ein ehrliches Lächeln oder eine wertschätzende Antwort kann mehr bewirken als die beste Diskussion.
Sei gesegnet!
„Sei freundlich, denn jeder Mensch, dem du begegnest, kämpft einen harten Kampf.“ – Ian Maclaren


