Männerumarmung

Das Schwerste, was Jesus von dir verlangt

Jürgen Ferrary
7. Juli 2026

Mit 18 Jahren wollte ich mich konfirmieren lassen – obwohl ich rückblickend sagen muss, dass ich damals noch kein Christ war. Irgendetwas zog mich zu Gott. Eine Sehnsucht war da. Aber wirklich gekannt hatte ich ihn noch nicht. Der Pfarrer suchte damals meinen Konfirmationsspruch aus. Als ich ihn las, war ich ehrlich gesagt ziemlich verärgert:

Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. (Lukas 6,27–28) Im Klartext: Jesus fordert uns auf, gerade denen Gutes zu tun, die uns verletzen, ablehnen oder uns das Leben schwer machen.

Damals fand ich das ehrlich gesagt ziemlich empörend. Aus Respekt sagte ich nichts.

Heute bin ich unglaublich dankbar für diesen Vers. Denn ich glaube, Gott wollte mir schon viele Jahre vorher etwas mitgeben: Wer einen Lebensstil der Barmherzigkeit führen will, kommt an diesem Punkt nicht vorbei.

Die US-amerikanische Predigerin Joyce Meyer sagte einmal: Seine Feinde zu lieben ist der Weg zur Freiheit. Ich glaube, sie hat recht. Barmherzigkeit bedeutet, Menschen nicht das zu geben, was sie verdient hätten, sondern das, was sie brauchen. Genau so handelt Gott mit dir.

Er begegnet dir nicht nach dem Maß deiner Schuld, sondern nach dem Maß seiner Gnade. Kennst du den Satz: Verletzte Menschen verletzen Menschen? Natürlich entschuldigt das kein falsches Verhalten. Aber es hilft manchmal zu verstehen, warum Menschen so handeln, wie sie handeln.

Die Menschen, mit denen wir am meisten kämpfen, sind oft selbst innerlich verwundet. Gerade sie brauchen Gottes Barmherzigkeit – und manchmal möchte Gott sie durch uns erfahren lassen. Jetzt wird es persönlich.

Wer hat dich in deinem Leben am meisten verletzt? Vielleicht rebelliert gerade alles in dir. Mir geht es oft genauso. Warum sollte ich ausgerechnet dieser Person Gutes tun?

Dann erinnere ich mich an vier Wahrheiten:

  • Gott hat mir Barmherzigkeit erwiesen.
  • Gott fordert mich auf, barmherzig zu sein.
  • Auch ich werde immer wieder Barmherzigkeit brauchen.
  • Barmherzigkeit macht glücklich.

Jedes Mal, wenn wir an unserem Groll festhalten, tragen wir ihn mit uns herum. Der andere lebt oft längst weiter – aber wir bleiben innerlich gefangen. Vergebung bedeutet nicht, Unrecht kleinzureden. Sie bedeutet auch nicht, alles gutzuheißen oder Vertrauen sofort wiederherzustellen.

Vergebung bedeutet, auf Rache zu verzichten und die Sache Gott zu überlassen. Das macht frei. Jesus ergänzt seine Aufforderung noch mit einem erstaunlichen Vers: Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein. Denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. (Lukas 6,35)

Warum sollen wir unsere Feinde lieben? Weil Gott genau das mit uns getan hat. Als wir ihn noch gar nicht kannten, war er bereits gut zu uns. Als wir noch Sünder waren, starb Christus für uns. Wir vergeben nicht, um Gottes Liebe zu verdienen.

Wir vergeben, weil wir sie längst empfangen haben. Genau deshalb sagt Jesus: Geh hinaus und liebe so, wie ich dich geliebt habe. Die Welt braucht Menschen, die nicht zurückschlagen, sondern Barmherzigkeit leben.

Herausforderung für heute: Denke heute bewusst an einen Menschen, auf den du Groll hast. Bitte Gott für diese Person um seinen Segen – auch wenn es sich zunächst ungewohnt anfühlt.  Und wenn du ganz viel Kraft hast, überlege, wie du ihnen etwas Gates tun kannst! Das könnte der erste Schritt in deine und ihre Freiheit sein.

Sei gesegnet!

„Vergebung befreit nicht nur den anderen. Sie befreit vor allem dich selbst.“ – Nelson Mandela

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