Als ich vor vielen Jahren mit meiner Band in Gottesdiensten und auf Konzerten unterwegs war, gab es ein Lied, das mich jedes Mal tief berührte: „Kyrie (Lord, Have Mercy)“. Immer wieder sangen wir: „Herr, erbarme dich.“ Oft standen mir dabei Tränen in den Augen. Eigentlich hat sich daran bis heute nichts geändert.
Wie oft bete ich: „Herr, erbarm dich. Hilf mir. Greif ein. Trag mich.“ Und dann lese ich Jesu Worte: „Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ (Matthäus 5,7) Plötzlich hält Gott mir einen Spiegel vor. Ich bitte ihn um Erbarmen. Aber wie barmherzig bin ich eigentlich selbst?
Ich bitte ihn um Hilfe. Doch wie oft helfe ich anderen? Wie oft sehe ich die Not eines Menschen – und gehe einfach weiter? Gestern haben wir gesehen, dass Barmherzigkeit dort beginnt, wo wir die Eigenheiten und Schwächen anderer geduldig tragen.
Heute kommt ein zweiter Gedanke hinzu: Barmherzigkeit hilft.
Jesus macht das in der Geschichte vom barmherzigen Samariter deutlich. Jemand fragt Jesus, was das wichtigste Gebot überhaupt sei. Jesus antwortet: Liebe Gott von ganzem Herzen, und liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Als der Fremde fragt, wer denn der nächste sei, erzählt Jesus eine Geschichte: Ein Mann wird auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho von Räubern überfallen, ausgeraubt und schwer verletzt zurückgelassen.
Ein Priester und ein Levit kommen vorbei, sehen den Verletzten, gehen aber weiter, ohne zu helfen. Schließlich kommt ein Samariter – ein Mann aus einem Volk, das von den Juden verachtet wurde. Er hat Mitleid, versorgt die Wunden des Verletzten, bringt ihn in eine Herberge und bezahlt für seine weitere Pflege. Jesus erzählt diese Geschichte, um zu zeigen:
Ein echter Nächster ist der, der barmherzig handelt und Menschen in Not hilft – unabhängig von Herkunft oder Ansehen. Man kann seinen Nächsten nicht wie sich selbst lieben, ohne barmherzig zu sein.
In Sprüche 3,27 heißt es: „Versäume nicht, denen Gutes zu tun, die darauf angewiesen sind, wenn es in deiner Macht steht.“ Wenn wir mit offenen Augen durch unseren Alltag gehen, entdecken wir überall Menschen, die Hilfe brauchen.
Nicht jeder braucht Geld. Manche brauchen Zeit. Andere ein offenes Ohr. Ein ermutigendes Wort. Eine helfende Hand. Oder einfach jemanden, der sie nicht übersieht. Dabei geht es Gott nicht nur darum, dass wir helfen.
Es geht ihm auch darum, wie wir helfen. Wenn Gott auf uns schaut, dann sieht er unser Herz an! Paulus schreibt: „… wer Barmherzigkeit übt, soll es mit fröhlichem Herzen tun.“ (Römer 12,8). Das gefällt mir. Gott sucht keine widerwilligen Helfer. Er sucht Menschen, deren Herz von seiner eigenen Barmherzigkeit geprägt wurde.
Wer Gottes Erbarmen erfahren hat, wird es nach und nach weitergeben. Mit Geduld. Mit offenen Augen. Mit offenen Händen. Und mit einem Herzen, das sich freut, anderen Gutes zu tun. Vielleicht ist genau das der schönste Ausdruck eines Glaubens, der im Alltag sichtbar wird.
Deine Herausforderung für heute: Bitte Gott heute: „Öffne mir die Augen für einen Menschen, dem ich heute ganz praktisch helfen kann.“ Und wenn dir jemand begegnet, der deine Zeit, deine Aufmerksamkeit oder deine Unterstützung braucht – geh nicht vorbei.
Sei gesegnet!
„Die kleinste gute Tat ist mehr wert als die größte gute Absicht.“ — John Burroughs


