Ein Mann kommt an die Himmelstür und bittet um Einlass. Petrus fragt ihn: „Hast du jemals eine gute Tat vollbracht?“ Der Mann überlegt kurz und sagt: „Ja. Ich sah eine Gruppe Rocker, die eine ältere Frau bedrängten. Ich trat dem Anführer gegen das Schienbein, verscheuchte die anderen und rief: ‚Lasst sie in Ruhe!’“ Petrus schaut ihn beeindruckt an und fragt: „Wann ist das passiert?“ Der Mann blickt auf seine Uhr. „Vor ungefähr zwei Minuten.“
Manchmal kostet Barmherzigkeit Mut.
In den vergangenen Tagen haben wir vier Gründe entdeckt, warum Jesus sagt: „Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“ (Matthäus 5,7). Der erste Grund lautet: Gott ist barmherzig. Der zweite: Gott fordert uns auf, barmherzig zu leben. Der dritte: Auch wir werden Gottes Barmherzigkeit immer wieder brauchen.
Heute kommt der vierte dazu: Barmherzigkeit macht glücklich.
Erinnerst du dich? Das griechische Wort makarios, das Jesus in den Seligpreisungen verwendet, lässt sich mit „selig“ bzw. „gesegnet“ aber eben auch mit „glücklich“ oder „von Gott beschenkt“ übersetzen.
Jesus sagt also: „Glücklich sind die Barmherzigen.“
Warum?
Weil Barmherzigkeit nicht nur den anderen verändert. Sie verändert auch uns. In Sprüche 14,21 lesen wir: „Glücklich ist, wer sich über die Schwachen erbarmt.“ Und dann heißt es aber auch: „Es ist eine Sünde, jemanden zu verachten.“
Und in Sprüche 11,17 heißt es: „Wer barmherzig ist, tut sich selbst Gutes; wer aber grausam ist, schadet sich selbst.“ Die englische Bibelübersetzung Living Bible formuliert sogar: „Der Barmherzige nährt seine eigene Seele.“
Ich mag dieses Bild.
Immer dann, wenn wir vergeben, helfen, geduldig bleiben oder großzügig handeln, geschieht nicht nur etwas im Leben des anderen. Auch unser eigenes Herz wird verändert. Deshalb ist Barmherzigkeit kein Verlustgeschäft.
Sie ist ein Gewinn. Nicht immer sofort. Nicht immer sichtbar. Aber sie macht unser Herz freier, weicher und ähnlicher dem Herzen Gottes. Vielleicht fasst genau das die vergangenen Tage am besten zusammen:
Gott war barmherzig mit mir. Deshalb möchte ich barmherzig mit anderen sein. Nicht, um mir Gottes Liebe zu verdienen. Sondern weil ich sie längst geschenkt bekommen habe.
Und vielleicht ist genau das eines der schönsten Geheimnisse eines erfüllten Lebens: Je mehr Gottes Barmherzigkeit durch mich hindurchfließt, desto mehr verändert sie auch mich selbst.
Herausforderung für heute: Tu heute ganz bewusst eine barmherzige Tat (leg dich aber bitte nicht mit einer Horde Rocker an), ohne dass jemand davon erfährt oder sich dafür bedanken kann. Vergib jemandem innerlich. Hilf einem Menschen. Sei großzügig mit deiner Zeit oder deinem Geld. Lass Gottes Barmherzigkeit durch dich hindurchfließen.
Sei gesegnet!
„Kein Akt der Freundlichkeit, und sei er noch so klein, ist jemals vergeblich.“— Aesop


