Ein Herz, das überfließt

Jürgen Ferrary
17. August 2026

Manchmal haben wir eine erstaunliche Begabung: Wir können hundert gute Dinge bekommen – und uns trotzdem über das eine beschweren, das nicht funktioniert. Wir erhalten eine gute Nachricht und denken sofort an die schlechte. Wir haben Menschen, die uns lieben – und ärgern uns über den einen, der uns enttäuscht. Wir erleben Gottes Hilfe – und machen uns kurz darauf wieder Sorgen über das nächste Problem.

Unser Blick wandert erstaunlich schnell von dem, was wir haben, zu dem, was uns fehlt. Paulus zeigt uns einen anderen Weg: „Und dann wird euer Leben überfließen von Dankbarkeit für alles, was er getan hat.“ (Kolosser 2,7b)

Auffällig ist: Paulus sagt nicht einfach: „Seid dankbar!“ Er sagt: „Euer Leben wird überfließen.“ Das ist das Bild von etwas, das aus dem Inneren kommt. Ein Glas, das voll ist und überläuft, muss nicht angestrengt versuchen, Wasser abzugeben. Es ist einfach voll.

Genau darum geht es: Dankbarkeit beginnt mit dem richtigen Blick! Wir denken oft, Dankbarkeit bedeute, sich dazu zwingen zu müssen, positiver zu denken. Aber biblische Dankbarkeit beginnt tiefer. Sie beginnt damit, Gott und sein Handeln wieder bewusst wahrzunehmen.

Paulus sagt: „Dankbarkeit für alles, was er getan hat.“ Nicht für alles, was in meinem Leben passiert. Das ist ein wichtiger Unterschied! Die Bibel fordert uns nicht auf, für Leid, Ungerechtigkeit oder Enttäuschungen dankbar zu sein. Aber mitten in all dem dürfen wir fragen: Was hat Gott getan?

Er hat mich nicht verlassen. Er hat mir vergeben. Er trägt mich. Er schenkt mir Menschen. Er gibt mir neue Chancen. Er hört mein Gebet – selbst dann, wenn ich ihn gerade nicht spüre.

Dankbarkeit verändert deshalb nicht zuerst meine Umstände. Sie verändert meinen Blick auf meine Umstände und schützt unser Herz. Ein undankbares Herz sagt: „Ich brauche mehr.“ Dankbarkeit sagt: „Schau einmal, was du schon hast.“ Wir hören auf, unser Leben ständig mit dem Leben anderer zu vergleichen. Wir müssen nicht mehr jedem Trend hinterherlaufen. Wir merken: Ich bin nicht das, was mir fehlt. Ich bin reich beschenkt.

Paulus schreibt: „Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch“ (1. Thessalonicher 5,18). Nicht: „Für alles.“ Sondern: „In allen Dingen.“ Selbst in schwierigen Zeiten kann ich etwas finden, wofür ich Gott danken kann.

Dankbarkeit macht aus Mangel einen Blick auf Fülle. Du kennst das vielleicht: Du stehst vor einem vollen Kühlschrank und denkst trotzdem: „Wir haben nichts zu essen.“ Oder vor einem vollen Kleiderschrank und denkst: „Ich habe nichts anzuziehen.“ Warum? Weil dein Blick nicht auf das gerichtet ist, was da ist, sondern auf das, was du gerade gerne hättest. Genauso können wir geistlich leben. Gott hat uns so viel geschenkt – aber wir beschäftigen uns ständig mit dem, was noch fehlt.

Paulus lädt uns ein: Schau auf Christus und auf das, was er getan hat. Schau auf das Kreuz, die Vergebung, die Hoffnung und seine Treue. Je mehr wir darauf schauen, desto mehr verändert sich unser Herz. Dankbarkeit wächst dort, wo wir Gottes Handeln nicht übersehen.

Herausforderung für heute: Nimm dir heute fünf Minuten Zeit. Schreibe fünf Dinge auf, für die du Gott danken kannst – für einen Menschen, ein Gespräch, Gesundheit oder eine Tür, die sich geöffnet hat. Sag dann nicht nur: „Danke für das, was ich habe.“ Sondern: „Danke, Gott, für das, was DU getan hast.“

Vielleicht stellst du fest: Du musst dein Leben gar nicht erst voller bekommen. Du musst nur anfangen zu sehen, wie voll es bereits ist.

Sei gesegnet – und lass heute deine Dankbarkeit überfließen!

„Nicht weil unser Leben perfekt ist, können wir dankbar sein – sondern weil Gott treu ist.“ – Jürgen Ferrarÿ

Mehr Gedanken

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner
Warning