Eine schön gedeckte Tafel

Wenn Gott einlädt – und wir „keine Zeit“ haben

Jürgen Ferrary
8. Februar 2026

Vor einigen Jahren war ich zu einem Seder-Abend eingeladen. Ein besonderer Abend. Mit festen Abläufen, alten Gebeten, symbolischen Speisen. Bittere Kräuter. Ungesäuertes Brot. Vier Becher Wein. Jede Geste erzählt Geschichte – vom Auszug aus Ägypten, von Befreiung, von Gottes Eingreifen.

Und am Ende: ein großes Festmahl. Ich mag solche Abende. Überhaupt: Wer liebt es nicht, zu einem guten Essen eingeladen zu werden? Gemeinschaft. Lachen. Gespräche, die bleiben. Und doch sagen wir manchmal ab. Arbeit. Termine. Verpflichtungen. Niemand für die Kinder. Manches ist nachvollziehbar. Manches klingt eher nach: Ausreden. Ausreden. Noch mehr Ausreden.

Jesus greift genau dieses Bild auf. Er erzählt: „Ein Mann bereitete ein großes Festmahl vor und lud viele Gäste ein. Als alles fertig war, schickte er seinen Diener und ließ sagen: Kommt, alles ist bereit! Doch einer nach dem anderen begann sich zu entschuldigen.“ (Lukas 14,16–18)

Ein Fest. Alles vorbereitet. Die Einladung ausgesprochen. Und dann: Absagen. Wenn dieses Fest – wie Jesus es meint – für Gottes Reich steht, für seine Einladung ins Leben mit ihm, dann wird es plötzlich sehr persönlich. Und die drei Absagen sind erstaunlich nüchtern:

Der Erste sagte: „Ich habe ein Grundstück gekauft, das muss ich unbedingt besichtigen. Bitte entschuldige mich!“ (V.18) – Arbeit.

Der Zweite: „Es geht leider nicht. Ich habe mir fünf Gespanne Ochsen angeschafft. Die muss ich mir jetzt genauer ansehen!“ (V.19) – Besitz.

Der Dritte: „Ich habe gerade erst geheiratet und kann deshalb nicht kommen.“ (V.20) –Beziehungen.

Nichts davon ist schlecht. Im Gegenteil. Arbeit ist sinnvoll. Besitz kann Segen sein. Beziehungen sind Geschenk. Die Pointe des Gleichnisses ist nicht: Diese Dinge sind böse. Sondern: Selbst gute Dinge können zum Hindernis werden.

Sie sagen nicht „Nein“ zur Einladung. Sie sagen nur: „Jetzt gerade nicht.“ Und vielleicht ist genau das das Problem. Denn wer würde schon offen sagen: „Ich will Gott nicht“? Viel häufiger sagen wir: „Später. Wenn es ruhiger wird. Wenn dieses Projekt abgeschlossen ist. Wenn die Kinder größer sind. Wenn ich weniger Stress habe.“

Doch Gottes Einladung ist keine Randnotiz im Kalender. Sie ist zentral. Im Kontext von Lukas 14 spricht Jesus zu Menschen, die religiös waren, die glaubten, auf der richtigen Seite zu stehen. Und doch verpassten sie das Entscheidende, weil anderes wichtiger erschien.

Theologisch ist das Gleichnis klar: Gottes Gnade ist vorbereitet. Der Festtisch ist gedeckt. Rettung ist kein Verdienst, sondern Einladung. Aber eine Einladung verlangt Antwort. Nicht Aktivismus. Nicht Perfektion. Sondern ein schlichtes: Ja.

Ich frage mich: Was wären heute meine drei Ausreden? Womit fülle ich meine Tage so sehr, dass kaum Raum bleibt für Gottes Stimme? Vielleicht ist es nicht offene Ablehnung, sondern schlichte Prioritätensetzung.

Die Tragik der Geschichte ist nicht, dass die Gäste Böses tun. Sondern dass sie Besseres verpassen. Denn am Ende wird das Fest trotzdem gefeiert. Nur eben mit anderen Gästen.

Kleine Herausforderung: Nimm dir in den nächsten sieben Tagen bewusst einen festen Termin mit Gott – nicht als Lückenfüller, sondern als Priorität. Ein paar Minuten. Kein Handy. Kein Multitasking. Und dann frage ihn ehrlich: !Was hält mich davon ab, ganz Ja zu sagen?!

Die Einladung steht. Alles ist bereit. Wie lautet deine Antwort?

Sei gesegnet.

„Die größte Gefahr ist nicht, dass wir Gott ablehnen, sondern dass wir uns mit etwas anderem zufriedengeben“ (C. S. Lewis).

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