Was wäre, wenn dein Leben gerade Winter ist? Während draußen die Sonne scheint, kann es in einem Menscheninneren ganz anders aussehen. Sorgen, Krankheit, Enttäuschungen, Verlust oder Unsicherheit können sich anfühlen wie ein langer, dunkler Winter. Aber kein Winter dauert ewig. Und genau das gilt auch für die Täler unseres Lebens.
David schreibt im Psalm 23: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich“ (Psalm 23,4).
Beachte, was David nicht sagt. Er sagt nicht: „Ich werde niemals durch ein dunkles Tal gehen.“ Im Gegenteil: David rechnet damit, dass es Täler geben wird. Zeiten der Angst, des Verlustes, der Enttäuschung, Krankheit, Überforderung oder Unsicherheit gehören zu unserem Leben.
Aber dann kommt das Entscheidende: „Denn du bist bei mir.“ David sagt nicht: „Ich habe keine Angst, weil das Tal ungefährlich ist.“ Er sagt: „Ich fürchte kein Unglück, denn du bist bei mir.“ Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Gott verspricht uns kein Leben ohne dunkle Täler. Aber er verspricht uns seine Gegenwart mitten im Tal. Und noch etwas fällt auf: David sagt „ob ich schon wanderte“. Er bleibt nicht im Tal. Er geht hindurch. Das Tal ist ein Durchgangsort – nicht das Ziel.
Auch Jesus hat seinen Jüngern kein problemloses Leben versprochen. Aber am Ende des Matthäusevangeliums gibt er ihnen diese Zusage: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20),
Was für ein Versprechen! Nicht: Ich werde dafür sorgen, dass ihr niemals Schwierigkeiten habt. Sondern: „Ich bin bei euch.“ Und genau hier steckt vielleicht eine der schönsten Beobachtungen in Psalm 23.
Bis zu diesem Punkt spricht David über Gott:
„Er weidet mich …“
„Er führt mich …“
„Er erquickt meine Seele …“
Doch plötzlich, mitten im dunklen Tal, spricht David mit Gott: „Du bist bei mir.“ Das Tal verändert nicht Gott. Aber es verändert manchmal unsere Wahrnehmung von Gott.
In schwierigen Zeiten erfahren wir seine Nähe manchmal auf eine ganz neue, tiefere Weise. Nicht weil Gott uns im Tal näher wäre als auf den grünen Auen, sondern weil wir dort vielleicht viel bewusster merken, wie sehr wir ihn brauchen.
David erwähnt auch den Stecken und Stab des Hirten. Sie stehen für Schutz und Führung. David weiß nicht, was hinter der nächsten Kurve kommt. Er kennt den Weg nicht vollständig. Aber er weiß, wer mit ihm geht.
Und vielleicht ist genau das Vertrauen: Ich muss nicht wissen, was hinter der nächsten Kurve liegt. Ich darf wissen, wer dort mit mir sein wird. Vielleicht bist du gerade selbst in einem dunklen Tal. Dann möchte ich dir heute eines zusprechen:
Dein Tal ist nicht dein Zuhause. Dein Tal ist nicht das Ende deiner Geschichte. Du gehst hindurch. Und der Hirte geht mit.
Herausforderung für heute: Welches „Tal“ beschäftigt dich gerade? Benenne es heute vor Gott. Du musst ihm nichts schönreden. Sag ihm ehrlich, was dir Angst macht, was dich erschöpft oder wo du keinen Ausweg siehst.
Und dann sage ihm ganz bewusst: „Jesus, ich weiß nicht, was hinter der nächsten Kurve kommt. Aber ich weiß: Du bist bei mir.“ Vielleicht verändert Gott heute deine Situation. Vielleicht verändert er zunächst deinen Blick auf die Situation.
Aber eines darfst du wissen: Gott verspricht nicht, dass du keine Täler durchquerst. Er verspricht, dass du sie nicht allein durchquerst. Der Weg ist nicht das Ziel. Der Hirte ist das Entscheidende.
Sei gesegnet!
„Auch die längste Nacht geht irgendwann in den Morgen über.“ – Khalil Gibran


