Frau wandert durch den Wald

Gerecht ist keiner

Jürgen Ferrary
27. Juni 2026

„Das ist voll unfair!“ Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört – von meinen Kindern, von Schülerinnen und Schülern oder auch von Erwachsenen. Vor ein paar Tagen sagte ein Fünftklässler genau das zu mir. Ich antwortete: „Weißt du, nirgends steht, dass das Leben immer gerecht ist. In keinem Gesetz und auch nicht in der Bibel.“ Er schaute mich überrascht an.

Tatsächlich wünschen wir uns Gerechtigkeit – besonders dann, wenn wir selbst benachteiligt werden. Deshalb verstehen viele Jesu Worte so: „Selig sind, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden“ (Matthäus 5,6).

Doch Jesus meint noch mehr. In Sprüche 12,28 lesen wir: „Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben, auf seinem Pfad gibt es keinen Tod.“ Offensichtlich gibt es also einen Weg, der zum Leben führt – und einen anderen, der davon wegführt.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie kann ich vor Gott gerecht werden? Die Antwort beginnt überraschend. 

Erstens: Ich kann mich nicht selbst gerecht machen.

Das fällt uns schwer zu akzeptieren. Wir alle möchten glauben, dass wir eigentlich ganz gute Menschen sind. Doch wenn wir ehrlich sind, merken wir schnell: Keiner von uns lebt so, wie er eigentlich leben sollte. Wir verletzen Menschen, handeln egoistisch, sagen Dinge, die wir später bereuen, oder lassen das Gute einfach bleiben.

Die Bibel bringt es mit einem eindrücklichen Bild auf den Punkt: „Kann ein Leopard seine Flecken ändern?“ (Jeremia 13,23) Natürlich nicht. Genauso wenig können wir unsere Schuld einfach selbst entfernen.

Warum ist das so wichtig?

Weil Gott vollkommen heilig ist. Der Himmel ist ein Ort ohne Sünde, ohne Leid, ohne Ungerechtigkeit und ohne Tod. Würde Gott unsere Schuld einfach ignorieren, wäre der Himmel irgendwann nicht anders als die Welt, in der wir heute leben.

Genau deshalb brauchte es einen Rettungsplan. Und den hatte Gott längst.

Jesus kam, um das zu tun, was wir niemals schaffen könnten: Er trug unsere Schuld und bezahlte den Preis für unsere Sünde. Deshalb beginnt das Evangelium nicht mit dem Satz: „Streng dich mehr an“, sondern mit der befreienden Wahrheit: Du musst dich nicht selbst retten.

Wie wir Gottes Gerechtigkeit ganz persönlich empfangen können, schauen wir uns morgen an.

Kleine Herausforderung für heute: Sei heute einmal ehrlich zu dir selbst und frage dich: An welcher Stelle versuche ich immer noch, mir Gottes Liebe oder Anerkennung durch meine Leistung zu verdienen?

Sei gesegnet!

„Der erste Schritt zur Veränderung ist Ehrlichkeit.“— John C. Maxwell

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