Du kannst vor Gott davonlaufen – aber nicht vor seiner Liebe

Jürgen Ferrary
23. Oktober 2026

Kennst du das? Du weißt eigentlich, was dran wäre. Du solltest dich entschuldigen, ein schwieriges Gespräch führen oder endlich einen Schritt wagen, vor dem du dich schon lange drückst. Aber du findest tausend Gründe, warum gerade jetzt der falsche Zeitpunkt ist. Also machst du etwas anderes und hoffst, dass sich die Sache irgendwie erledigt. Manchmal laufen wir nicht mit den Füßen davon, sondern mit unseren Ausreden.

Jona machte es ganz praktisch. Gott schickte ihn nach Ninive, damit er den Menschen dort eine unbequeme Botschaft überbrachte. Doch Jona wollte nicht. Die Bibel erzählt: „Jona machte sich auf den Weg, um vor dem HERRN nach Tarsis zu fliehen“ (Jona 1,3). Er nahm ein Schiff in die entgegengesetzte Richtung und hoffte, dem Auftrag Gottes entkommen zu können. Er wollte selbst bestimmen, wohin sein Weg führte. Doch Gott ließ ihn nicht einfach laufen. Ein gewaltiger Sturm brachte seine Flucht zum Stillstand, und ein großer Fisch wurde schließlich zum ungewöhnlichen Wendepunkt seiner Geschichte.

Das klingt zunächst ziemlich dramatisch. Aber dahinter steckt eine wichtige Wahrheit: Gott gibt dich nicht auf, nur weil du vor ihm davonläufst. Er lässt dich nicht immer einfach deinen eigenen Weg gehen. Manchmal stellt er sich dir entgegen, weil er dich zurückführen möchte. Nicht jede Schwierigkeit ist automatisch ein Zeichen für Gottes Eingreifen. Aber manche Hindernisse können uns helfen, innezuhalten und unsere Richtung zu überprüfen.

Vielleicht kennst du das aus deinem eigenen Leben. Du weißt, dass eine Versöhnung dran wäre, aber dein Stolz hält dich zurück. Du spürst, dass du etwas verändern solltest, doch du schiebst es immer wieder auf. Oder Gott fordert dich heraus, einem Menschen zu begegnen, den du am liebsten meiden würdest. Du findest gute Gründe, warum du gerade nicht handeln kannst. Doch tief in dir weißt du, dass du dich eigentlich nur drückst.

Jona bekam eine zweite Chance. Nachdem der Fisch ihn an Land ausgespuckt hatte, sprach Gott erneut zu ihm. In Jona 3,1–2 heißt es: „Da erging das Wort des HERRN zum zweiten Mal an Jona: Mach dich auf, geh nach Ninive, der großen Stadt, und predige ihr, was ich dir sage!“ Gott gab ihm denselben Auftrag noch einmal. Was für eine Gnade! Jona hatte versagt, aber Gott war noch nicht fertig mit ihm. Gottes Gnade bedeutet nicht, dass dein Ungehorsam keine Folgen hat. Sie bedeutet, dass dein Versagen nicht das letzte Wort behalten muss.

Und dann kommt der vielleicht überraschendste Teil: Die Menschen in Ninive kehrten um, und Gott erbarmte sich ihrer. Jona dagegen ärgerte sich darüber, dass Gott gnädig war (Jona 4,1–2). Er wollte selbst bestimmen, wem Gottes Liebe zusteht. Damit zeigt die Geschichte, dass wir manchmal nicht nur vor einem Auftrag davonlaufen, sondern auch vor Gottes Art, Menschen zu lieben, die wir schwierig finden.

Vielleicht ruft Gott dich heute nicht nach Ninive. Vielleicht ruft er dich zu einem ehrlichen Gespräch, zu einem Schritt der Versöhnung oder dazu, deine eigene Haltung zu überdenken. Du musst nicht alles verstehen, bevor du Gott gehorchst. Du darfst den nächsten Schritt wagen und darauf vertrauen, dass seine Gnade größer ist als dein Widerstand.

Deine Herausforderung für heute: Wo weichst du gerade etwas aus, von dem du weißt, dass es dran ist? Sprich ehrlich mit Gott darüber. Und dann tu heute einen kleinen, konkreten Schritt in die richtige Richtung.

Sei gesegnet!

„Das Geheimnis des Vorankommens ist anzufangen.“ – Mark Twain

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