Im vergangenen Jahr durfte ich bei einem Weihnachtsmusical mitspielen. Meine Rolle? Ein Pharisäer. Einer, der sich über alles und jeden aufregte. Eine Szene erzählte die Geschichte aus Matthäus 9. Jesus begegnet dem Zolleinnehmer Matthäus und sagt nur zwei Worte: „Folge mir nach.“
Matthäus steht auf und folgt ihm. Noch am selben Abend lädt Matthäus Jesus zum Essen ein. Mit am Tisch sitzen viele Zolleinnehmer und stadtbekannte Sünder. Menschen, um die andere lieber einen Bogen machten.
Die Pharisäer sind entsetzt. „Wie kommt euer Meister dazu, mit solchem Abschaum zu essen?“ (Matthäus 9,11). Jesus antwortet: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich will, dass ihr barmherzig seid und nicht, dass ihr Opfer bringt“ (Matthäus 9,12–13).
Damit greift Jesus die Worte des Propheten Hosea auf: „Ich will Liebe und Barmherzigkeit – keine Opfer“ (Hosea 6,6). Jesus macht deutlich: Gott sucht keine perfekte Fassade. Er sucht Herzen, die lieben.
Die Menschen am Tisch von Matthäus waren keine Vorzeigemenschen. Es waren Menschen mit einer Vergangenheit. Menschen, die ausgegrenzt wurden. Menschen, die viele längst abgeschrieben hatten.
Und ganz ehrlich? Solche Menschen gibt es heute genauso. Sie wohnen in deiner Straße. Sie arbeiten mit dir. Sie sitzen im Bus neben dir. Sie sehen vielleicht anders aus, leben anders oder glauben etwas völlig anderes.
Vielleicht sind sie sogar genau die Menschen, denen wir am liebsten aus dem Weg gehen würden. Als ich diese Geschichte im Musical spielte, musste ich an mein eigenes Leben denken. Bevor ich Christ wurde, war ich – wenn ich ehrlich bin – nicht gerade ein einfacher Mensch.
Später erzählte mir eine ehemalige Klassenkameradin, dass sie jahrelang für mich gebetet hatte. Andere luden mich in ihre Jugendgruppe ein. Sie bauten eine Brücke zu mir, obwohl ich mit Glauben eigentlich nichts anfangen konnte.
Ohne diese Menschen wäre ich heute nicht der, der ich bin. Genau das hat Jesus getan. Er wartete nicht darauf, dass Menschen ihr Leben in Ordnung brachten. Er ging auf sie zu. Er wurde ihr Freund.
Und dadurch konnten sie Gottes Liebe kennenlernen. Deshalb werden wir Menschen kaum für Jesus gewinnen, wenn wir sie verachten oder ihnen aus dem Weg gehen. Barmherzigkeit baut Brücken.
Vielleicht besteht eine der größten Gefahren für uns Christen darin, dass wir uns irgendwann nur noch in unserer christlichen Blase bewegen. Doch Jesus sendet uns genau zu den Menschen, die ihn noch nicht kennen.
Dorthin ging er selbst. Und genau dorthin schickt er auch uns.
Herausforderung für heute: Überlege heute: Wer ist in deinem Umfeld der Mensch, den andere eher meiden? Lade ihn auf einen Kaffee ein, beginne ein Gespräch oder biete ganz praktisch deine Hilfe an. Vielleicht baust du heute genau die Brücke, über die jemand Jesus begegnet.
Sei gesegnet!
„Die größte Distanz zwischen zwei Menschen ist oft nur ein erster freundlicher Schritt.“ – Bob Goff


