Ich hatte es schon lange auf dem Herzen, Andachten über die großartige und größte Predigt von Jesus überhaupt zu schreiben, die Bergpredigt. Sie ist bewegend, sie rüttelt auf, sie zeigt deutlich das Herz Gottes. Aber schon beim ersten Satz bin ich gescheitert. Dort heißt es: „Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“
Es tun sich bei weitem mehr Fragen auf, als Aspekte, die ich verstehe. Es beginnt mit dem Wort „selig“. Was bedeutet das? Und was meint Jesus damit, wenn er sagt, dass der, der „geistlich arm“ ist, selig sei? Wie ist man denn „geistlich arm“?
Und dann dieses Wort ganz am Ende: „Himmelreich“. Was bitte schön ist das denn? Und ist das Himmelreich dasselbe, wie das Reich Gottes, von dem Jesus so oft erzählt? Fragen über Fragen.
Also mache ich mich auf die Suche. Aus meiner Zeit, als ich Pastor in der englischsprachigen Gemeinde war, weiß ich noch, dass in der englischen Bibel der Vers mit „blessed“ (= „gesegnet“) beginnt. Auch das hilft mir nicht weiter. Was bedeutet es, gesegnet zu sein?
Wenn im englischsprachigen Raum jemand niest, dann sagen andere gerne„Bless you!“ (sei gesegnet). Im Deutschen wird das Wort immer unbekannter. Vielleicht kennen manche noch das alte Geburtstagslied „Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen“.
Die Bibel sagt, dass es manchmal ein Segen ist, durch Schwierigkeiten hindurchzugehen (z. B. Jakobus 1,2–4). Wünscht man sich nach dem Niesen also, dass der andere Schwierigkeiten bekommt? Oder wenn der Pastor uns am Ende des Gottesdienstes segnet …?
Wenn du also für den Segen für jemanden betest, wie willst du wissen, dass Gott dein Gebet erhört, wenn du noch nicht einmal weißt, was ein Segen ist?
Ich schaue als Erstes in andere Übersetzungen der Worte von Jesus. Die Elberfelder Übersetzung nutzt (wie die Schlachter) das Wort „glückselig“, die Hoffnung für alle sowie die Neues Leben Übersetzung „glücklich“. Einzig die Zürcher Bibel übersetzt – ebenso wie Luther – das Wort mit „selig“. Die Gute Nachricht mit „gesegnet“.
Selig sein, gesegnet sein und glücklich sein, scheinen also miteinander zu tun zu haben. Ein Blick in den Urtext bringt Licht in die Sache. Dort steht das Wort „makarios“. Ursprünglich bedeutet das Wort schlicht „glücklich“, „gesegnet“ oder „beneidenswert“. Wenn man gesegnet ist, dann wird man also dem Wort nach „glücklich“.
Das ist also die erste Erkenntnis aus der Bergpredigt. Wenn Jesus also sagt: Selig sind, die (oder gesegnet sind, die), dann meint er damit: Die dies oder jenes tun oder sind, die sind glücklich. Jesus predigt in seiner Bergpredigt über acht Dinge, wie jemand gesegnet wird, wie jemand glücklich wird. Acht Wege, um glücklich zu werden.
Wenn man die Bibel studiert, dann stellt man schnell fest: Gott liebt es zu segnen, Gott liebt es, glücklich zu machen. Das Problem ist also nicht auf seiner Seite, es liegt bei uns. Wenn wir uns also in der nächsten Zeit die Bergpredigt anschauen, dann ist mein Gebet, dass wir lernen, wie wir empfänglich werden für den Segen Gottes, denn er möchte dein Leben segnen, deine Ehe, deine Beziehungen, deinen Job, …
Und hier im ersten sagt er also: Wer „arm im Geiste ist“, der ist glücklich. Und genau das wollen wir uns morgen anschauen, jetzt, wo wir wissen, was es bedeutet, dass die „selig“ oder „gesegnet“ sind, die arm im Geiste sind.
Für heute habe ich eine kleine Herausforderung für dich: Schau dir dein Leben einmal an. Schau dir an, wo Wege steinig sind, wo Berge hoch sind und Probleme sich auftürmen wie Riesen, schau aber auch einmal, wo du „gesegnet“ bist, wo du glücklich bist im Leben. Es tut gut, zu schauen, wo Gott uns im Leben (trotz aller Probleme und Schwierigkeiten) segnet.
Sei gesegnet!

