Männer in Aufruhr

Der Preis der Nachfolge

Jürgen Ferrary
25. Juli 2026

Wann hast du das letzte Mal bewusst verschwiegen, dass du Christ bist? Vielleicht beim Grillabend. Vielleicht im Büro. Vielleicht im Sportverein. Nicht, weil du dich für Jesus schämst. Sondern weil du genau wusstest: Wenn ich das jetzt sage, wird die Stimmung kippen. Plötzlich kommen dumme Sprüche. Vielleicht wirst du belächelt oder in eine Schublade gesteckt. Also schweigst du lieber. Ich glaube, diese Situation kennen viele von uns.

Und doch ist das nichts im Vergleich zu dem, was Millionen Christen weltweit erleben. Nach Angaben des Weltverfolgungsindex 2026 von Open Doors sind rund 380 Millionen Christen einem hohen bis extremen Maß an Verfolgung ausgesetzt. Für viele bedeutet ein Bekenntnis zu Jesus nicht nur Spott oder Ablehnung, sondern Gefängnis, Folter oder sogar den Tod.

Eigentlich überrascht das nicht. Jesus beendet die Seligpreisungen mit den Worten: „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden“ (Matthäus 5,10). Er sagt nicht: Vielleicht werdet ihr Gegenwind erleben. Er sagt: Wenn ihr nach meinen Maßstäben lebt, wird es Menschen geben, denen das nicht gefällt.

Paulus formuliert es noch deutlicher: „Jeder, der in der Gemeinschaft mit Christus Jesus ein Leben zur Ehre Gottes führen will, wird Verfolgung erleben“ (2. Timotheus 3,12). Das klingt nicht gerade nach einem Werbeslogan für den christlichen Glauben.

Und doch gehört es zur Nachfolge. Natürlich erleben wir in Deutschland meist keine Verfolgung wie Christen in Nordkorea, Afghanistan oder Nigeria. Niemand bringt uns ins Gefängnis, weil wir sonntags einen Gottesdienst besuchen.

Aber Ablehnung kennen viele von uns trotzdem. Ich erinnere mich an Einladungen, bei denen ich mich mit Menschen wunderbar unterhalten habe. Wir haben gelacht, ein Bier zusammen getrunken und uns gut verstanden. Dann kam irgendwann die Frage: „Und was machst du beruflich?“ „Ich bin Pastor.“ Manchmal war das Gespräch in genau diesem Moment beendet.

Nicht immer. Manche reagierten ehrlich interessiert. Einer sagte einmal schmunzelnd: „Du bist der erste Pastor, mit dem ich ein Bier trinke.“ Aber andere wandten sich einfach ab. Früher hat mich das verletzt. Heute nicht mehr so sehr.

Nicht, weil Ablehnung angenehm geworden wäre. Sondern weil ich verstanden habe, dass sie manchmal einfach dazugehört. Dabei ist eines wichtig: Nicht jede Kritik ist Verfolgung.

Wenn Christen rechthaberisch, verletzend oder lieblos auftreten, hat das nichts mit Matthäus 5,10 zu tun. Jesus spricht ausdrücklich von Menschen, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden. Das bedeutet: weil sie ehrlich bleiben, weil sie Jesus treu sind, weil sie sich weigern, bei Unrecht mitzumachen und weil sie die Wahrheit in Liebe leben.

Der Unterschied ist entscheidend. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich eines Tages wegen meines Glaubens wirklich verfolgt würde. Ich hoffe, mein Glaube wäre stark genug.

Aber vielleicht beginnt Standhaftigkeit gar nicht erst im Gefängnis. Vielleicht beginnt sie morgen. Bei der ehrlichen Antwort auf die Frage: „Glaubst du eigentlich wirklich an Gott?“

Große Treue wächst meistens in kleinen Entscheidungen.

Herausforderung für heute: Überlege einmal: Gibt es Situationen, in denen du deinen Glauben lieber verschweigst, weil du Angst vor Ablehnung hast? Bitte Gott heute um den Mut, freundlich, liebevoll und respektvoll zu bleiben – und trotzdem klar zu ihm zu stehen.

Denn der Glaube zeigt sich nicht erst dann, wenn er nichts kostet. Er zeigt sich dann, wenn er etwas kostet.

Sei gesegnet!

„Wer für nichts einsteht, wird für alles umfallen.“ — Alexander Hamilton (zugeschrieben)

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