Baum mit starken Wurzeln

Wovon lebt deine Seele?

Jürgen Ferrary
30. Juni 2026

Wusstest du, dass Ärzte sagen, dass ein Verlust deines Appetits ein Zeichen dafür ist, dass du krank bist? Wahrscheinlich hast du das schon erlebt. Du fühlst dich nicht gut, jemand fragt dich, ob du etwas essen möchtest, aber du verneinst, eben weil es dir nicht gutgeht. Da mag das Essen noch so lecker sein.

Ich kann dies auch auf unsere „spirituelle Gesundheit“ heruntenbrechen. Wenn ich keinen Hunger habe nach Gottes Wirken in meinem Leben, nach seiner Führung und Weisung, nach seiner Gerechtigkeit, dann kann es sein, dass ich geistlich gesehen nicht gesund bin. Wenn ich keinen Hunger und keinen Durst danach habe, Gottes Wirken in meinem Leben zu erleben, dann bin ich geistlich nicht gesund.

In vielen Gesprächen habe ich immer wieder gehört: „Ich fühle mich Gott gar nicht nahe. Ich spüre Gott in meinem Leben gar nicht.“ Ich frage dann gerne zurück: „Möchtest du Gott denn nahe sein? Möchtest du ihn denn spüren?“ Denn Hunger und Durst nach Gottes Gerechtigkeit sind die Voraussetzung dafür, dass wir Gottes Liebe und seinen Segen im Leben erfahren.

Nach einem Gottesdienst sagte mir ein junger Mann einmal: „Ihr singt so viel davon, dass ihr Gott liebt. Das könnte ich gar nicht so sagen!“ Meine Antwort klang vielleicht auf den ersten Blick etwas arrogant, aber ich meinte alles, was ich sagte, aus tiefstem Herzen. Ich sagte zu ihm: „Nein, das ist nicht dein Problem. Dein Problem ist nicht, dass du Gott nicht genug liebst. Dein Problem ist, dass du nicht begreifst, wie sehr er dich liebt – denn wenn du das tätest, könntest du gar nicht anders, als ihn zu lieben.“

Paulus schreibt dazu: „Ihr sollt in der Liebe verwurzelt und fest auf ihr gegründet bleiben. So könnt ihr sie zusammen mit allen Heiligen in ihrer Breite, Länge, Höhe und Tiefe erfassen“ (Epheser 3,17-18). Ich glaube, wenn wir die Dimension von Gottes Liebe erfassen, bekommen wir fast automatisch einen echten Hunger nach seiner Nähe.

Das Problem ist, dass wir uns im Leben zu viel von „Junkfood“ ernähren, von Dingen, die auf den ersten Blick lecker erscheinen, aber weder nahrhaft sind, noch wirklich satt machen. Jesus sagt in seiner Bergpredigt, dass die satt werden, die Hunger nach Gottes Gerechtigkeit haben. Stell dir vor, du bist zu einem richtig guten Essen eingeladen, aber auf dem Weg zum Restaurant hältst du noch bei einem Fastfood-Laden an und haust dir einen Burger mit Pommes in den Magen. Dann kommst du am Restaurant an, siehst all das leckere Essen – hast aber keinen Hunger mehr.

Auf unser geistliches Leben übertragen bedeutet das: Füll dein Herz nicht ständig mit Dingen, von denen du weißt, dass sie dich nicht satt machen, und erwarte dann, dass Gott dich noch erfüllt. Und das ist mein dritter Punkt nach den zwei vergangenen Aspekten (Ich kann mich selbst nicht gerecht machen. Und zweitens: Ich muss Gottes Angebot der Liebe und Vergebung annehmen): Fang an, dich gesund zu ernähren!

Wir wissen alle, dass es Lebensmittel gibt, die einen scheinbar schnell satt machen, aber kaum Nährstoffe beinhalten. Vieles schmeckt gut. Aber wenn ich eine Weißbrotscheibe mit Erdnussbutter und Marmelade zum Frühstück esse, dann tue ich meinem Körper nichts Gutes. Mal ist es lecker, aber 30 Minuten später ist mein Hunger wieder da. Oft genug versuchen wir uns geistlich mit einfachen, lecker aussehenden Dingen zu füllen: Der schnelle Erfolg, ein paar Euro mehr am Ende des Monats, ein bisschen mehr Macht oder mehr Sicherheit – und merken, dass das nicht lange vorhält.

Es mag sein, dass ein Vollkornbrot mit Frischkäse auf den ersten Blick nicht so attraktiv klingt, aber es ist bei Weitem besser für unseren Körper – und es hält länger satt. Das heißt ja nicht, dass ich mich nicht auch mal ungesund ernähren darf – ich muss mir aber darüber im Klaren sein, dass das eigentlich nicht gut ist und nicht lange anhält.

Die Frage ist also: Wonach hungerst du in deinem Leben? Womit füllst du deine Seele? Und wie bleibst du bei der Stange?

Wir hatten über Jahre hinweg eine kleine Tradition. Der Keyboarder meiner Band kam jeden Mittwoch vor der Bandprobe zu uns nach Hause und gab meinen Kindern Musikunterricht. Und jeden Mittwoch habe ich mir etwas Besonderes zum Kochen ausgedacht, womit ich ihn verwöhnen wollte. Jetzt ist der junge Mann seit ein paar Monaten auf einer riesigen Wanderung – aber jeden Mittwoch denke ich: Was kochst du heute Schönes?

Geistlichen Appetit erhältst du dir, indem du anfängst, Rituale in dein Leben einzubauen.

Hier ist deine Herausforderung: Such dir feste Zeiten für die stille Zeit mit Gott und lass sie Teil deines Kalenders werden. Auch unsere Kalender sind oft zu voll mit Junkfood. Lies in seinem Wort und nimm dir Zeit, mit ihm zu reden. Suche dir eine Kleingruppe, mit der du dich regelmäßig triffst, um geistlich zu wachsen. Dazu gehört neben dem geistlichen Austausch auch, einfach nur schöne Zeiten zu verbringen. Zusammen zu essen, Unternehmungen, Feiern. 

Du wirst sehen, dass du dich auch auf geistliche Zeiten freuen kannst und immer wieder Hunger bekommst – geistlichen Hunger – wenn die Umstände gut sind.

Sei gesegnet!

„Wir sind das, was wir Tag für Tag tun. Vorzüglichkeit ist daher keine Handlung, sondern eine Gewohnheit.“— Aristoteles

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