Gruppe von Menschen

Wenn Schweigen stärker ist

Jürgen Ferrary
4. November 2025

Ich finde, dass seit einigen Jahren – spätestens seit Corona – der Ton in unserer Gesellschaft deutlich rauer geworden ist. Die Spaltung der Gesellschaft hat zugenommen, Menschen wirken, ungeduldiger, aggressiver. Besonders im Internet scheint der Begriff „Höflichkeit“ fast ausgestorben zu sein.

Ein Grund: Viele verstecken sich hinter Bildschirmen und schreiben Dinge, die sie von Angesicht zu Angesicht nie sagen würden. Die Hemmschwelle sinkt..

Ich habe einmal die These gehört: Menschen mit einem kleinen Herzen machen andere klein. Menschen mit einem großen Herzen machen andere groß. Wer andere erniedrigt, hat ein kleines, verhärtetes Herz – und verspottet andere, um sich selbst besser zu fühlen.

Aber wie gehst du damit um, wenn Menschen dich schlechtmachen, über dich lästern oder dich absichtlich in ein falsches Licht stellen? Die beste Antwort – so schwer sie auch fällt – lautet: gar nicht.

Wenn andere dich angreifen, legen sie sich nicht nur mit dir an, sondern – wenn du ein Kind Gottes bist – mit deinem Vater im Himmel. Lass ihn dein Verteidiger sein. David schreibt in Psalm 23,5: „Du deckst mir einen Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein.“

David wusste, was es heißt, angegriffen zu werden. Als junger Mann wurde er zum König gesalbt. Doch bis er den Thron besteigen konnte, dauerte es noch lange Zeit. – und David musste jahrelang vor seinem Vorgänger Saul fliehen, der ihn umbringen wollte. Er hätte sich rächen können. Aber er tat es nicht. Kein böses Wort, kein Vergeltungsschlag. Er vertraute Gott – und überließ ihm die Verteidigung.

Ich wünschte, ich wäre da öfter wie David. Wenn mich jemand angreift, merke ich, wie mein Puls steigt und die Emotionen durch meinen Körper rauschen. Alles in mir will sich rechtfertigen, erklären, wehren. Aber David vergeudete keine Energie auf Selbstverteidigung – weil er wusste: Gott steht zu mir.

Das braucht Demut. Und Vertrauen. Aber genau das macht frei. Wenn wir Gott unser Leben, unsere Ehre und unseren Ruf anvertrauen, müssen wir nicht mehr auf jeden Angriff reagieren. Wir können ruhig bleiben, auch wenn uns jemand verletzt oder falsch darstellt.

Petrus schreibt: „Wenn ihr also leidet, weil Gott es so will, dann hört nicht auf, Gutes zu tun, und vertraut euch Gott an, der euch geschaffen hat. Er wird treu zu euch stehen“ (1. Petrus 4,19).

Das ist leicht gesagt – aber schwer gelebt. Denn alles in uns will sich verteidigen. Doch du bist am meisten wie Christus, wenn du still bleibst, während du angegriffen wirst.

Jesus selbst wurde verleumdet, verspottet, geschlagen. Und trotzdem schwieg er – selbst auf dem Weg zum Kreuz. Nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke. Er wusste: Der Vater sieht, der Vater weiß, der Vater wird handeln.

Herausforderung für heute: Gibt es in deinem Leben einen Bereich, in dem du am liebsten zurückschlagen würdest? Dann leg diesen Kampf heute ans Kreuz. Sag zu Jesus: „Ich überlasse dir meine Verteidigung.“ Tausche deinen Zorn gegen seinen Frieden. Deine Angst gegen sein Vertrauen. Du wirst erleben, wie frei das macht – und wie sehr Gott für dich eintritt, wenn du still bleibst.

Sei gesegnet.

„Manchmal ist Schweigen die lauteste Antwort, die du geben kannst“ (Unbekannt).

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