Bei einem Weihnachtsmusical spielte ich jüngst einen Gesetzeslehrer, einen Pharisäer. In einer Szene wollten wir Jesus eine Falle stellen. Wir brachten eine Frau zu ihm, die beim Ehebruch ertappt worden war. Unser Plan war einfach – und grausam zugleich.
Jesus predigte Barmherzigkeit. Wenn er barmherzig war, musste er das Gesetz brechen. Wenn er aber dem Gesetz folgte, musste er die Frau steinigen – und wäre alles andere als barmherzig. Ein perfektes Dilemma. So dachten wir jedenfalls.
Diese Geschichte steht im Johannesevangelium, Kapitel 8.
Jesus reagiert zunächst gar nicht. Er bückt sich und schreibt mit dem Finger in den Staub. Eine unerträgliche Spannung liegt in der Luft. Während ich als Schauspieler auf die Frau vor mir blicke, schießen mir Gedanken durch den Kopf.
Was muss diese echte Frau damals empfunden haben? Angst, Scham, Ohnmacht. Vielleicht Wut. Vielleicht der Gedanke: Lieber sterben, als diese öffentliche Demütigung ertragen. Sie liegt da – ausgeliefert, ohne Stimme, ohne Verteidiger.
Im Stück mache ich mich noch über Jesus lustig. Doch dann richtet er sich auf und sagt – wie im biblischen Original: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Und dann schreibt er weiter in den Staub (Johannes 8,7–8).
Kein Stein fliegt. Keiner. Einer nach dem anderen lässt los – und geht. Denn sie wissen: Sie sind selbst nicht ohne Schuld. Sie haben selbst versagt. Vielleicht anders. Aber nicht weniger.
Am Ende stehen nur noch zwei da: Jesus und die Frau.
„Wo sind sie? Hat dich keiner verurteilt?“
„Niemand, Herr.“
„Dann verurteile ich dich auch nicht. Geh – und sündige nicht mehr“ (Johannes 8,10–11).
Was für ein Moment. Die Männer wollten sie töten. Jesus schenkt ihr Leben. Mehr noch: Er schenkt ihr einen Neuanfang.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Dein Leben ist fertig mit dir – und du bist fertig mit deinem Leben. Zu viele falsche Entscheidungen. Zu oft falsch abgebogen. Und plötzlich stehst du vor den Trümmern deiner eigenen Geschichte.
Die Wahrheit ist: Gott ist mit dir noch nicht fertig.
Auch nach all dem Chaos. Auch nach Schuld, Scheitern, Selbstvorwürfen. Gott sieht dich. Er kennt dich. Und er sehnt sich trotzdem nach dir. Seine Liebe hängt nicht an deiner Fehlerlosigkeit.
Jesus sagt nicht: „Ist schon egal.“
Er sagt: „Ich verurteile dich nicht.“
Und dann: „Geh – und sündige nicht mehr.“
Das ist kein moralischer Zeigefinger. Das ist eine Einladung. Ein neuer Weg. Ein Leben mit ihm an deiner Seite. Halt dich an mich. Vertrau mir. Geh nicht mehr Wege, die dich zerstören. Und wenn du wieder fällst – dann steht seine Hand immer noch ausgestreckt da.
Die Frage ist nur: Lässt du dich weiter verurteilen – von anderen oder von deinem eigenen Gewissen?
Oder lässt du dich von Jesus neu aufrichten?
Herausforderung für heute: Nimm dir einen Moment Stille und lies Johannes 8.11 langsam. Sprich den Satz Jesu ganz persönlich für dich – und bitte Gott um einen konkreten Schritt in Richtung Neuanfang.
Sei gesegnet!
„Jeder Mensch verdient eine zweite Chance – manchmal auch eine dritte oder vierte“ (Albert Camus)


