Ich möchte dir heute eine ungewöhnliche Frage stellen: Hast du Gott jemals gefragt, was er an dir liebt? Vielleicht klingt das zunächst seltsam. Vielleicht sogar etwas anmaßend. Mir ging es lange so. Wenn ich an Gott dachte, fragte ich meistens: „Was soll ich tun?“ oder „Wo muss ich mich verändern?“ Aber niemals: „Gott, was liebst du eigentlich an mir?“
David schreibt: „Wie überwältigend sind deine Gedanken für mich, o Gott, es sind so unfassbar viele! Sie sind zahlreicher als der Sand am Meer.“ (Psalm 139,17-18) Früher dachte ich bei solchen Versen automatisch an meine Fehler.
An die Momente, in denen ich versagt habe. An falsche Entscheidungen. An Dinge, die ich besser hätte machen können. Schließlich ist Gott heilig. Und vor seiner Heiligkeit fallen unsere Schwächen besonders auf – so dachte ich zumindest.
Deshalb kam ich oft mit einem leisen schlechten Gewissen zu Gott. Mit hängenden Schultern. Mit dem Gefühl, noch nicht genug zu sein.
Heute glaube ich, dass ich etwas Entscheidendes übersehen habe. Gott sieht meine Fehler. Aber er sieht nicht nur meine Fehler. Er sieht den Menschen, den er geschaffen hat. Er sieht die Gaben, die er hineingelegt hat. Er sieht die Schritte, die ich gehe. Er sieht mein Herz.
Und ich glaube, er freut sich an seinen Kindern viel mehr, als wir es uns vorstellen. Seit ich selbst Kinder habe, verstehe ich das besser. Meine Kinder machen Fehler. Sie bauen Mist. Sie enttäuschen mich manchmal. Und trotzdem denke ich voller Liebe an sie.
Wenn sie kämpfen, kämpfe ich mit ihnen. Wenn sie fallen, helfe ich ihnen auf. Wenn sie scheitern, verlieren sie nicht meinen Wertschätzung. Warum sollte Gott weniger liebevoll sein als ein menschlicher Vater?
Die Wahrheit ist: Deine Fehler überraschen Gott nicht. Aber sie definieren dich auch nicht. Seine Liebe zu dir steht nicht auf dem Spiel, wenn du versagst. Sie stand schon fest, bevor du überhaupt etwas leisten konntest.
Vielleicht ist es deshalb eine der wichtigsten Fragen, die wir Gott stellen können: „Was liebst du an mir?“ Nicht aus Stolz. Sondern weil wir lernen müssen, uns selbst mit seinen Augen zu sehen.
Herausforderung für heute: Nimm dir heute ein paar Minuten Zeit. Suche einen Ort ohne Ablenkung. Kein Handy. Keine Musik. Keine To-do-Liste. Beginne mit einem einfachen Gebet: „Gott, ich möchte heute von dir hören. Hilf mir, mit offenem Herzen zuzuhören.“
Dann frage: „Gott, was liebst du an mir? Woran hast du Freude, wenn du mich ansiehst?“ Bleibe anschließend einige Minuten in der Stille. Achte auf Gedanken (insbesondere solche, die sich freundlich, bestätigend und im Einklang mit der Bibel anfühlen), Erinnerungen, Bibelverse oder Eindrücke, die auftauchen.
Schreibe auf, was dir in den Sinn kommt. Beginne mit „Ich spüre, dass Gott sagt …“ oder „Ich habe das Gefühl, dass Gott mir vielleicht zeigt …“
Und falls du nichts hörst? Dann lass dich nicht entmutigen. Manchmal spricht Gott laut. Manchmal leise. Und manchmal lernen wir zuerst, still zu werden, bevor wir seine Stimme wahrnehmen.
Sei gesegnet!
„Kinder brauchen weniger Kritik und mehr Vorbilder.“ – Joseph Joubert


