Es passiert nicht oft, dass ich mir bei einem Konzert einen Merchandise-Hoodie kaufe. Aber beim letzten Konzert der O’Bros war es so weit: Ich habe mir ein Sweatshirt gegönnt, auf dem in großen Lettern steht: W.W.J.D. – What would Jesus do? Was würde Jesus tun?
Eigentlich eine simple Frage. Und gleichzeitig eine der kraftvollsten Fragen für unseren Alltag.
Denn es gibt so viele Momente, in denen wir kurz innehalten sollten, einmal tief durchatmen – und uns genau diese Frage stellen.
Würde Jesus die Bedienung anschnauzen, die heute überfordert wirkt?
Würde er dem Autofahrer hinterherrufen, der dir frech die Vorfahrt genommen hat?
Würde er die halbe Nacht wachliegen, weil Sorgen und Ängste ihm den Schlaf rauben?
Wohl kaum.
Nicht, weil Jesus keine Gefühle hätte – er hatte Emotionen, und die Bibel verschweigt das nicht. Aber er ließ sich nicht von ihnen beherrschen. Und genau das ist oft unser Problem: Manche Gefühle werden so laut, so zerstörerisch, so verletzend, dass sie uns zu Reaktionen treiben, die uns hinterher leidtun.
Paulus bringt es in Philipper 2,5 auf den Punkt: „Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war.“
Und da stehen wir wieder vor der Frage: Was würde Jesus tun – und was würde er definitiv nicht tun?
Wenn Jesus deine Ehepartnerin oder deinen Ehepartner nicht in einem scharfen Ton ansprechen würde, sollten wir es auch nicht tun.
Wenn Jesus seine Kinder nicht aus Wut heraus erziehen würde, ist das vielleicht ein gutes Zeichen, dass wir es ebenso lernen müssen.
Wenn Jesus sich nicht von verletzten Emotionen treiben lassen würde, sollten wir anfangen, sie zu prüfen, bevor wir handeln.
Es geht nicht darum, Gefühle zu unterdrücken. Es geht darum, sie zu managen, bevor sie uns manipulieren. Jesus lebte nicht gefühllos – aber er lebte geführt.
Manchmal bedeutet das auch, Gefühle umzulenken.
Ich erinnere mich an eine Geschichte über Rick Warren, der den Tod seines Sohnes betrauern musste. Ein Schmerz, der kaum vorstellbar ist. Doch Warren schrieb später: „Meine Frau und ich haben noch am selben Tag entschieden: Wir werden diesen Schmerz nicht vergeuden.“
Was taten sie? Sie gründeten eine jährliche Konferenz über psychische Gesundheit in ihrer Gemeinde, um anderen zu helfen. Sie benutzten ihren Schmerz, um Licht zu bringen.
Das hat mich tief beeindruckt. Denn das ist gelebtes W.W.J.D. Es ist die Frage:
Was würde Jesus mit meinem Schmerz tun?
Würde er ihn verdrängen?
Ignorieren?
Oder würde er ihn – so unvorstellbar das klingt – zum Guten gebrauchen?
Und hier komme ich zurück zu dir und zu mir: Welchen Schmerz tragen wir vielleicht schon viel zu lange mit uns herum, ohne ihn zu benennen oder zu verarbeiten? Welches Gefühl kontrolliert uns, anstatt dass wir es prüfen, einordnen und in eine heilsame Richtung lenken?
Denn genau das ist der Startpunkt für emotionales Wachstum:
Gefühle benennen.
Gefühle hinterfragen.
Gefühle kanalisieren – vor allem, wenn sie sich nicht sofort verändern lassen.
Vielleicht beginnt geistliche Reife genau dort: An dem Punkt, an dem wir Jesus erlauben, unsere tiefsten Emotionen zu berühren und zu verwandeln.
W.W.J.D. ist kein Spruch für ein Hoodie. Es ist ein Lebensstil, der uns freier, klarer und liebevoller macht.
Sei gesegnet!
„Zwischen Gefühl und Handlung liegt immer eine Entscheidung“ (Unbekannt).


