Vier Männer und ein Junge

Mitten im Chaos – Wo finde ich Weisheit, wenn alles zu viel wird?

Jürgen Ferrary
8. Dezember 2025

Manchmal merkt man erst, dass um einen herum Chaos herrscht, wenn man schon mitten darin steckt. Termine häufen sich, Aufgaben werden immer mehr – und der Tag hat immer noch „nur“ 24 Stunden. Umstände halten uns fest und Gedanken nehmen uns gefangen. Wir alle kennen diese Zeiten, in denen das Leben laut, unübersichtlich und anstrengend wird.

Bei mir zeigt sich das meistens ganz praktisch: am Zustand meines Zimmers. Ist es aufgeräumt, dann ist auch mein Innenleben relativ im Gleichgewicht. Doch je mehr Dinge herumliegen und je größer die Wahrscheinlichkeit wird, sich irgendwo den Knöchel zu stoßen, desto chaotischer verläuft auch mein Leben. Das Äußere wird zum Spiegel des Inneren.

Der Advent ist oft genau so eine Zeit. Eigentlich soll er eine Einladung zur Besinnung sein – doch in Wirklichkeit wächst vielen alles über den Kopf. Es fängt bei den Geschenken an, hört bei der Weihnachtsplanung nicht auf und endet oft bei Menschen, die diese Tage kaum ertragen können, weil ein schwerer Verlust in ihrem Leben schmerzt. Dazwischen gibt es unzählige Gründe, warum Dinge aus dem Gleichgewicht geraten.

Was tun also, wenn ich merke: Das Chaos übernimmt die Kontrolle?

In der Bibel gibt es eine erstaunliche Geschichte. Der zwölfjährige Jesus geht auf einer Reise mit seinen Eltern plötzlich verloren. Damals reisten die Menschen in großen Karawanen. Es war laut, unübersichtlich und schnell konnte man jemanden aus den Augen verlieren. Erst spät bemerken Maria und Josef, dass Jesus nicht mehr da ist. In ihrer Sorge eilen sie zurück nach Jerusalem und suchen ihn überall.

Und dann heißt es in Lukas 2,46: „Endlich, nach drei Tagen, entdeckten sie Jesus im Tempel. Er saß mitten unter den Gesetzeslehrern, hörte ihnen aufmerksam zu und stellte Fragen.“

Während um ihn herum Aufregung und Verzweiflung herrschten, suchte Jesus einen Ort der Stille und der Weisheit. Er setzte sich zu denen, die mehr Erfahrung hatten. Er hörte zu. Und er stellte Fragen. Genau das brauchen auch wir – besonders in chaotischen Zeiten: Weisheit.

Weisheit fällt nicht einfach vom Himmel, so wie auch unsere Haare nicht von selbst schöner oder gesünder werden. Sie wächst, wenn wir bereit sind zu lernen. Wenn wir uns Menschen suchen, die weiter sind als wir. Wenn wir Fragen stellen. Wenn wir zuhören. Wenn wir demütig genug sind, zuzugeben, dass wir nicht alles alleine schaffen müssen.

Schon ganz am Anfang der Bibel sagt Gott: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“ (1. Mose 2,18).

Wir sind darauf angelegt, voneinander zu lernen. Uns zu ergänzen. Uns gegenseitig zu unterstützen, zu korrigieren und zu stärken. Und während wir das tun, werden wir Gott immer ähnlicher – in unserem Denken, Handeln und Lieben.

Vielleicht steckst du gerade in einem persönlichen Chaos. Vielleicht weißt du nicht, wo oben und unten ist. Vielleicht fühlst du dich verloren, überfordert oder müde. Die gute Nachricht ist: Es gibt einen Ort der Weisheit. Und es gibt Menschen, durch die Gott zu dir sprechen möchte.

Herausforderung für heute: Überlege einmal ganz konkret, wen es in deinem Umfeld gibt, von dem du lernen könntest. Jemanden, der dich im Glauben inspiriert, der weise handelt, der ehrlich, liebevoll und stark ist.

Und dann werde aktiv: Nimm Kontakt mit dieser Person auf. Triff dich mit ihr. Ruf sie an. Schreib ihr. Und dann sei mutig genug, ehrlich zu sein. Sprich über etwas in deinem Leben, bei dem du wirklich Rat gebrauchen könntest.

Denn genau dort, wo du beginnst, dich zu öffnen, beginnt Gottes Ordnung dein Chaos zu durchbrechen.

Sei gesegnet.

„Inmitten der Unordnung liegt oft die Einladung, etwas Neues zu entdecken“ (Deepak Chopra).

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