Mann liest die Bibel und schaut zu Gott

Mit leeren Händen

Jürgen Ferrary
11. Juni 2026

Die Bergpredigt von Jesus gehört zu den bekanntesten Texten der Bibel. Und gleichzeitig zu de herausforderndsten. Schon der Anfang überrascht. Jesus setzt sich auf einen Berg, seine Jünger versammeln sich um ihn und stehen (so fände ich das in einem Gottesdienst auch mal gut). Und ohne lange Vorrede beginnt er: „Selig sind, die geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.“ (Matthäus 5,3)

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich lange gefragt, was das eigentlich bedeuten soll. Geistlich arm? Ist es etwas Gutes, arm zu sein? Natürlich spricht Jesus hier nicht von materieller Armut. Andere Übersetzungen helfen weiter:

„Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind.“ (Hoffnung für alle)
Oder:
„Glücklich sind die, die erkennen, dass sie Gott brauchen.“ (Neues Leben)

Damit wird deutlich, worum es Jesus geht. Geistlich arm sind Menschen, die mit leeren Händen vor Gott stehen.Menschen, die nicht so tun, als hätten sie alles im Griff. Menschen, die wissen: „Ich brauche Gott.“

Das klingt zunächst selbstverständlich. Doch in Wahrheit fällt uns genau das oft schwer. Wir leben in einer Zeit, in der Selbstständigkeit als Tugend gilt. Wir sollen stark sein. Unabhängig. Selbstbewusst. Problemlöser unseres eigenen Lebens.

Und doch stoßen wir immer wieder an Grenzen. Eine Krankheit. Eine Krise in der Ehe. Eine Sorge um die Kinder. Ein Konflikt, den wir nicht lösen können. Plötzlich merken wir: Ich habe längst nicht alles unter Kontrolle.

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem geistlicher Reichtum beginnt. Nämlich dort, wo wir unsere Bedürftigkeit vor Gott erkennen. Wo wir aufhören, alles allein tragen zu wollen.

Wo wir sagen: „Herr, ich brauche deine Weisheit.“ „Ich brauche deine Kraft.“ „Ich brauche deine Führung.“´

Jesus nennt solche Menschen glücklich. Nicht weil sie schwach sind. Sondern weil sie wissen, an wen sie sich wenden können. Denn wer seine Hoffnung auf Gott setzt, steht nicht mit leeren Händen da. Er empfängt.

Psalm 146 drückt es so aus: „Glücklich ist der, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung auf den HERRN setzt“ (Psalm 146,5). Vielleicht besteht geistliche Reife nicht darin, immer stärker zu werden. Vielleicht besteht sie darin, immer ehrlicher zuzugeben, wie sehr wir Gott brauchen.

Arm im Geist zu sein bedeutet: ch verlasse mich demütig auf Gott statt auf mich selbst. Und genau dort beginnt das Leben, das Jesus „selig“ nennt.

Herausforderung für heute: Bevor du heute die nächste Entscheidung triffst oder die nächste Aufgabe anpackst, halte kurz inne und bete: „Herr, ich brauche dich.“ Nicht erst in der Krise. Nicht erst, wenn nichts anderes mehr hilft. Sondern mitten im Alltag. Lerne, mit leeren Händen zu Gott zu kommen – und erlebe, wie er sie füllt.

Sei gesegnet!

„Der Mensch wird nicht dadurch groß, dass er alles kann, sondern dadurch, dass er weiß, was er braucht.“ – Friedrich Löchner

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