Menschen schauen auf das Reich Gottes

Nicht jeder wird dich mögen

Jürgen Ferrary
24. Juli 2026

Mal ehrlich: Wer wird schon gerne kritisiert? Ich jedenfalls nicht. Ich freue mich, wenn Menschen mich mögen. Wenn sie über mich lachen statt über mich lästern. Wenn sie meine Meinung teilen und ich nicht anecke. Wahrscheinlich geht es dir ähnlich.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir manchmal schweigen, obwohl wir etwas sagen müssten. Warum wir mitlachen, obwohl wir den Witz eigentlich daneben finden. Warum wir uns anpassen, obwohl unser Gewissen Alarm schlägt.

An meinem Handgelenk trage ich seit vielen Jahren ein Armband mit vier Buchstaben: WWJD – What Would Jesus Do? Was würde Jesus tun? Diese vier Buchstaben bringen mich immer wieder ins Nachdenken.

Denn wenn ich ehrlich bin, wünsche ich mir manchmal, Jesus ähnlicher zu werden – mit einem kleinen Hintergedanken: Dann müssten mich doch eigentlich alle mögen. Schließlich war Jesus freundlich. Barmherzig. Geduldig. Liebevoll.

Wer könnte so jemanden ablehnen? Die Antwort der Bibel überrascht. Jesus beendet die Seligpreisungen mit den Worten: „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden.“ (Matthäus 5,10)

Er sagt nicht: Falls ihr Gegenwind bekommt. Er sagt: Wenn ihr nach meinen Maßstäben lebt, wird es Menschen geben, denen das nicht gefällt.

Eigentlich ist das erstaunlich. Jesus heilte Kranke. Er tröstete Trauernde. Er speiste Hungrige. Er vergab Schuldigen. Und trotzdem wurde er verspottet, verleumdet und schließlich gekreuzigt. Warum?

Weil sein Leben sichtbar machte, was Menschen lieber verborgen gehalten hätten. Und genau das geschieht bis heute. Wer ehrlich bleibt, obwohl andere mogeln, fällt auf. Wer nicht über Kollegen lästert, macht sich manchmal unbeliebt.

Wer seinem Ehepartner treu bleibt, obwohl Untreue gesellschaftlich längst normalisiert wird, schwimmt gegen den Strom. Wer Barmherzigkeit lebt, wo andere nach Vergeltung rufen, wird nicht immer Applaus bekommen.

Ich habe das selbst erlebt. Manchmal habe ich den Mund aufgemacht, wenn Unrecht geschah. Hinterher kamen Menschen zu mir und sagten leise: „Du hast völlig recht.“ Doch öffentlich? Da wollten viele plötzlich nichts mehr damit zu tun haben. Das tat weh.

Irgendwann hörte ich einen Satz, der mich bis heute begleitet: „Wenn niemand etwas gegen deinen Glauben hat, solltest du dich fragen, ob dein Glaube überhaupt sichtbar ist.“ Der hat gesessen.

Versteh mich bitte nicht falsch. Jesus fordert uns nicht dazu auf, Streit zu suchen oder andere absichtlich zu provozieren. Christen sollen freundlich, demütig und liebevoll sein. Aber Liebe bedeutet nicht Beliebtheit.

Wenn unser Leben wirklich von Jesus geprägt wird, werden wir manchmal anecken. Nicht weil wir besser wären als andere. Sondern weil Gottes Werte nicht immer mit den Werten unserer Zeit übereinstimmen.

Deshalb ist Gegenwind nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass du etwas falsch machst. Manchmal ist er ein Zeichen dafür, dass dein Glaube sichtbar geworden ist. Und das ist letztlich wichtiger als die Zustimmung von Menschen. Denn am Ende zählt nicht, ob jeder dich mag. Sondern ob Jesus sich in deinem Leben wiederfindet.

Herausforderung für heute: Gibt es einen Bereich, in dem du deinen Glauben lieber versteckst, um keinen Gegenwind zu bekommen? Bitte Gott heute um den Mut, freundlich und liebevoll zu bleiben – aber gleichzeitig klar zu seinen Werten zu stehen. Es geht nicht darum, anzuecken. Es geht darum, treu zu sein.

Sei gesegnet!

„Wer nach allen Seiten hin offen ist, der kann nicht ganz dicht sein!“ — Ulrich Parzany

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