In vielen Gemeinden gibt es zwei Sorten Menschen. Die einen stehen am Rand und denken: „Was soll ich schon beitragen? Die anderen können das viel besser.“ Und dann gibt es die anderen, die gefühlt alles machen: Sie organisieren, helfen, springen ein, lösen Probleme und sind ständig erreichbar. Fragt man sie, wie es ihnen geht, kommt meistens ein tapferes: „Alles gut, ich kriege das schon hin!“ Beide Gruppen haben etwas gemeinsam: Sie haben möglicherweise vergessen, wie Gott sich Gemeinschaft eigentlich gedacht hat.
Paulus beschreibt die Gemeinde in 1. Korinther 12 mit einem ziemlich anschaulichen Vergleich. Er schreibt in den Versen 12 und 14: „Ein Körper besteht aus vielen verschiedenen Teilen, nicht aus einem einzigen. […] So ist es auch mit dem Leib Christi. Er besteht aus vielen Gliedern, und jedes einzelne gehört dazu.“
Das ist mehr als ein schönes Bild. Paulus macht deutlich: Jeder wird gebraucht, aber niemand ist für alles zuständig. Das Auge kann nicht zum Ohr sagen: „Dich brauchen wir nicht!“ Und die Hand kann auch nicht beschließen, künftig allein den ganzen Körper zu versorgen. In Vers 21 wird Paulus sogar noch deutlicher: „Das Auge kann nicht zur Hand sagen: ‚Ich brauche dich nicht!‘ Und der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: ‚Ich brauche euch nicht!‘“
Vielleicht erkennst du dich in einer dieser beiden Gruppen wieder. Du hältst dich zurück, weil du glaubst, nicht begabt, erfahren oder geistlich genug zu sein. Dann möchte ich dir sagen: Du musst nicht erst perfekt werden, um einen Platz in Gottes Familie zu haben. Oder du gehörst zu denen, die kaum noch Nein sagen können, weil sie überzeugt sind, dass ohne sie alles zusammenbricht. Dann ist es vielleicht an der Zeit, Verantwortung abzugeben und anderen etwas zuzutrauen.
Du musst nicht unersetzlich sein, um unendlich wertvoll zu sein.
Das gilt übrigens auch für deinen Umgang mit deinen eigenen Grenzen. Manche Christen haben den Eindruck, sie müssten immer stark, belastbar und voller Glauben sein. Doch Gott erwartet keine Superhelden. Paulus hat das auf besondere Weise erfahren. Er berichtet in 2. Korinther 12,9 von Gottes Antwort auf seine eigene Schwachheit: „Meine Gnade ist alles, was du brauchst. Meine Kraft zeigt sich in deiner Schwäche.“
Was für eine befreiende Botschaft! Gott wartet nicht darauf, dass du endlich stark genug wirst. Er möchte gerade dort wirken, wo du deine Grenzen erkennst und dich auf ihn verlässt. Du darfst sagen: „Ich schaffe das nicht allein.“ Du darfst um Hilfe bitten. Und du darfst anderen zutrauen, etwas zu übernehmen.
Vielleicht ist genau das ein wichtiger Schritt im Glauben: nicht noch mehr leisten, sondern lernen, gemeinsam unterwegs zu sein. Denn Gottes Gemeinde ist keine Bühne für Einzelkämpfer, sondern eine Familie, in der Menschen einander brauchen.
Gott hat dich nicht berufen, alles allein zu schaffen. Er hat dich berufen, deinen Teil einzubringen und andere ihren Teil tun zu lassen.
Herausforderung für heute: Biete jemandem ganz konkret deine Hilfe an. Oder tue das Gegenteil: Bitte selbst jemanden um Unterstützung, statt wieder alles allein erledigen zu wollen. Mach einen Schritt weg vom Einzelkämpfer und hin zur Gemeinschaft.
Sei gesegnet!
„Allein können wir so wenig tun; gemeinsam können wir so viel erreichen.“ – Helen Keller


