Mann mit zwei Ochsen

Geteilte Last – geteilte Kraft

Jürgen Ferrary
4. November 2025

Gestern habe ich darüber gesprochen, wie wir reagieren sollen, wenn Menschen uns angreifen, beleidigen oder verleumden. Die Antwort war einfach – aber herausfordernd: Gar nicht. Lass Gott dein Verteidiger sein. Er ist dein Vater im Himmel, und er wird dich nicht im Stich lassen.

Aber eine wichtige Frage bleibt: Wohin mit meinen Gefühlen? Wohin mit der Wut, der Verletzung, der Enttäuschung – wenn mir alles zu viel wird und ich eigentlich nur zurückschlagen will?

Jesus gibt uns eine Antwort, die auf den ersten Blick fast überfordernd klingt: „Kommt alle zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen“(Matthäus 11,28–29).

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber dieser Vers hat mich lange irritiert. Ich dachte: Herr, ich trage doch schon genug! Jetzt soll ich auch noch dein Joch nehmen?“

Bis ich verstanden habe, was ein Joch wirklich ist. Ein Joch ist ein Holzgestell mit zwei Bögen, das man zwei Ochsen gemeinsam über die Schultern legt, damit sie zusammen ziehen können.
Das Joch verdoppelt also nicht die Last – es halbiert sie. Ohne Joch trägt einer die ganze Last allein. Mit Joch teilen sich zwei die Arbeit.

Wenn Jesus also sagt: „Nehmt mein Joch auf euch“, dann bedeutet das: „Ich will deine Last mit dir teilen. Ich will dir helfen, das Leben zu tragen.“

Das verändert alles. Jesus lädt dich nicht ein, mehr zu tragen, sondern weniger. Er sagt: Komm, geh mit mir. Ich will dir zeigen, wie man leicht lebt.“

Drei Worte verwendet er: Kommt. Nehmt. Lernt. Das ist ein geistlicher Prozess:

  • Komm zu mir: Such meine Nähe, bring mir deine Sorgen, deinen Frust, deine Verletzungen.
  • Nimm mein Joch: Lass mich Teil deiner Geschichte werden. Lass mich mitziehen.
  • Lern von mir: Lerne, in meinem Tempo zu leben – nicht zu schnell, nicht zu langsam, sondern in meinem Rhythmus.

Wenn du mit Jesus unter einem Joch gehst, dann lernst du, im Gleichschritt mit ihm zu leben. Du rennst nicht mehr voraus, du bleibst nicht mehr stehen – du gehst Seite an Seite. Und plötzlich spürst du: Ich trage nicht mehr allein.“

Ich glaube, viele unserer Erschöpfungsmomente im Glauben kommen daher, dass wir geistlich „durchdrehen“ – entweder zu schnell oder zu langsam, oft aber ohne Jesus’ Rhythmus. Er aber ruft dich nicht in Stress, sondern in Sanftheit und Ruhe. Er ruft dich nicht in Druck, sondern in Beziehung.

Wenn du also das nächste Mal spürst, dass dir alles zu viel wird – deine Sorgen, deine Konflikte, deine Erschöpfung – dann bleib nicht stehen und bleib nicht allein. Mach das, was Jesus dir anbietet: Komm zu ihm. Er will nicht nur dein Retter sein, sondern dein Mitträger.

Herausforderung für heute: Überlege heute, welche Last du gerade mit dir herumschleppst – und sage sie Jesus ganz konkret. Vielleicht beim Spazierengehen oder abends vorm Einschlafen.
Und dann sprich laut (oder leise): „Jesus, ich nehme heute deinJoch. Trage du es mit mir.“

Mach es bewusst. Du wirst merken: Das verändert etwas.

Sei gesegnet!

„Geteilte Freude ist doppelte Freude – und geteiltes Leid ist halbes Leid“ (Sprichwort aus Schweden).

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