Sonne spiegelt sich im Fluss

Geformt für einen Auftrag

Jürgen Ferrary
15. November 2025

Stell dir unsere Gemeinde an einem ganz normalen Sonntag vor: voll, lebendig, laut, bunt. Menschen überall. Und inzwischen so voll, dass wir ein neues Gebäude brauchen. Ein größeres, passenderes.
Damit das funktioniert, gibt es ein detailliertes Skript: Welche Räume braucht die Kinderkirche? Wie viele Leute sitzen sonntags im Gottesdienst? Wie viel Platz braucht das Café? Kurz: Die Form folgt der Funktion. Das Gebäude muss dem dienen, was darin passiert.

Bei uns Menschen ist es genau andersherum: Die Funktion folgt der Form.
Erst wenn wir entdecken, wie Gott uns geschaffen hat, erkennen wir, was unser Auftrag in dieser Welt ist.

Denn Gott setzt keinen Menschen einfach zufällig hierher. Er hat dich nicht irgendwo auf dieser Erde abgestellt, damit du dich durch den Alltag schleppst, deine Runden drehst und am Ende sagst: „Das war’s wohl.“

Nein. Gott hat dich absichtlicheinzigartig und zielgerichtet erschaffen. Und solange du hier bist, gibt es mindestens eine Aufgabe, die nur du erfüllen kannst.

Ich erinnere mich gut an meine Zeit in einer englischsprachigen Gemeinde. Dort haben wir das SHAPE-Konzept von Rick Warren eingeführt. SHAPE steht für:

  • Spiritual Gifts (geistliche Gaben)
  • Heart (Herz/Leidenschaften)
  • Abilities (Fähigkeiten)
  • Personality (Persönlichkeit)
  • Experiences (Erfahrungen)

Das alles zusammen ergibt deine Form – dein Design – dein persönliches Werkzeugset.
Und das Spannende ist: Gott beruft nicht die Fähigen, sondern er befähigt die Berufenen.

Das war bei Mose so, bei Gideon, bei Nehemia und den Aposteln. Und es gilt genauso für dich.

Paulus schreibt: „Es gibt verschiedene geistliche Gaben, aber es ist ein und derselbe Geist, der sie uns zuteilt. Es gibt verschiedene Aufgaben, aber es ist ein und derselbe Herr. Und es gibt verschiedene Wirkungen, aber es ist derselbe Gott, der alles in allen wirkt“ (1. Korinther 12,4–6).

Viele Menschen landen in Jobs, die nicht zu ihnen passen. Nicht, weil sie dumm sind oder faul – sondern weil sie nie herausgefunden haben, wie sie eigentlich gemacht sind.

Ich kenne das. Als Gott mir sagte: „Geh an die Schule“, rief ich nicht sofort „Halleluja!“. Ein zweites Examen, ein kompletter Neuanfang… nicht gerade mein Traum. Aber heute? Ich fühle mich unglaublich wohl. Ich kann meine Gaben viel freier einsetzen – und das macht glücklich. Richtig glücklich.

Denn wenn du in deiner Form lebst, entsteht deine wahre Funktion. Dann spürst du, dass dein Leben Sinn hat. Und dass Gott etwas durch dich tut, was sonst niemand tun kann.

Herausforderung für heute: Nimm dir fünf Minuten – wirklich nur fünf – und bete ganz ehrlich: „Gott, was hast du mit meinem Leben vor? Welche Aufgabe, welchen Job, welche Ausbildung, welchen Dienst, welche Mission hast du für mich?“

Und dann: Höre. Vielleicht ist es nur ein Gedanke. Ein Impuls. Ein Gefühl. Aber nimm es ernst.

Sei gesegnet!

„Das Leben fragt dich nicht, was du werden willst – sondern wer du schon bist“ (George MacDonald).

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