Du musst nicht immer im Rampenlicht stehen

Jürgen Ferrary
29. Oktober 2026

Es gibt diese Momente, in denen jemand anderes den Erfolg bekommt, für den du selbst hart gearbeitet hast. Ein Kollege wird gelobt, obwohl du mindestens genauso viel geleistet hast. Jemand anderes bekommt die Aufmerksamkeit, die du dir gewünscht hättest. Oder eine Idee von dir wird erst dann ernst genommen, als ein anderer sie ausspricht. Ganz ehrlich: Da kann der Neid schon einmal anklopfen. Und plötzlich geht es nicht mehr nur darum, was gut ist, sondern auch darum, wer dafür Anerkennung bekommt.

Johannes der Täufer hätte allen Grund gehabt, um seine Bedeutung zu kämpfen. Er hatte Menschen begeistert, zur Umkehr gerufen und viele zu sich gezogen. Doch nun kam Jesus, und immer mehr Menschen gingen zu ihm. Seine eigenen Jünger waren irritiert. Sie machten Johannes darauf aufmerksam, dass der Mann, den er getauft hatte, jetzt ebenfalls Menschen anzog.

Johannes hätte sich verteidigen können. Er hätte erklären können, wie wichtig seine Arbeit war, oder versuchen können, die Menschen zurückzugewinnen. Doch er erinnert seine Jünger daran, dass niemand sich selbst etwas nehmen kann, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist (Johannes 3,27). Und dann sagt er den bemerkenswerten Satz: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Johannes 3,30).

Das ist keine Aussage eines Menschen, der sich selbst für wertlos hält. Johannes weiß, wer er ist und welche Aufgabe er hat. Er ist nicht der Christus, sondern derjenige, der auf ihn hinweist. Seine Freude besteht darin, dass Jesus in den Mittelpunkt rückt. Johannes muss nicht der Star sein, um seine Aufgabe gut erfüllt zu haben.

Das ist eine befreiende Perspektive für unseren Alltag. Wir müssen nicht bei jeder Gelegenheit beweisen, wie gut wir sind. Wir müssen nicht immer das letzte Wort haben, die meisten Likes bekommen oder dafür sorgen, dass unser Einsatz gesehen wird. Unser Wert hängt nicht davon ab, ob wir gerade im Rampenlicht stehen. Er gründet darin, dass wir von Gott geliebt sind.

Natürlich bedeutet das nicht, dass du dich kleinmachen oder deine Begabungen verstecken sollst. Gott hat dir Fähigkeiten gegeben, und du darfst sie einsetzen. Du darfst dich über Erfolge freuen und Anerkennung annehmen. Aber du musst nicht ständig um deinen Platz kämpfen. Du musst nicht größer werden, damit dein Leben groß wird. Jesus darf größer werden.

Vielleicht bedeutet das heute, einem anderen ehrlich den Erfolg zu gönnen. Vielleicht lässt du jemandem den Vortritt, obwohl du selbst gern im Mittelpunkt gestanden hättest. Oder du tust etwas Gutes, ohne dass jemand davon erfährt. Das sind keine verlorenen Gelegenheiten. Es sind Momente, in denen du frei wirst von dem Zwang, dich ständig selbst beweisen zu müssen.

Johannes zeigt uns: Ein erfülltes Leben entsteht nicht dadurch, dass alle auf uns schauen. Es entsteht, wenn wir wissen, auf wen wir selbst schauen. Je mehr Jesus unser Denken, Reden und Handeln prägt, desto weniger müssen wir um unsere eigene Größe kreisen. Und genau darin liegt eine Freiheit, die kein Applaus schenken kann.

Deine Herausforderung für heute: Gönne heute einem anderen Menschen bewusst die Bühne. Ermutige ihn, lobe ihn ehrlich oder lass ihm den Vortritt – ohne dich selbst abzuwerten.

Sei gesegnet!

„Es ist erstaunlich, wie viel man erreichen kann, wenn es einem egal ist, wer den Ruhm dafür bekommt.“ – häufig Harry S. Truman zugeschrieben

Mehr Gedanken

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner
Warning