Manche Menschen dürfen uns gern begegnen – solange sie nicht zu nahe kommen. Ein freundliches Gespräch ist okay, ein kurzer Blick auch. Aber bitte keine unangenehmen Fragen, keine Einmischung in unsere Gewohnheiten und schon gar keine Veränderungen in unserem Leben. Mit Jesus könnte es allerdings passieren, dass aus einem kurzen Besuch etwas ganz anderes wird.
Zachäus wollte Jesus sehen. Mehr zunächst offenbar nicht. Er war klein, die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht, also kletterte er auf einen Baum. Zachäus war ein Zöllner, reich geworden durch ein System, in dem viele ihre Landsleute ausbeuteten. Bei den Menschen war er deshalb nicht besonders beliebt. Doch Jesus sah ihn dort oben und blieb stehen. Dann sagte er: „Zachäus, steig schnell herab! Denn heute muss ich in deinem Haus einkehren!“ (Lukas 19,5).
Was für eine Überraschung! Zachäus wollte Jesus beobachten – Jesus aber wollte ihm begegnen. Und zwar nicht aus sicherer Entfernung, sondern mitten in seinem Alltag, in seinem Haus und in seinem Leben. Jesus wartete nicht, bis Zachäus erst seine Vergangenheit aufgeräumt und seinen Ruf wiederhergestellt hatte. Er lud sich bei ihm ein, bevor sich etwas verändert hatte.
Das ist Gnade: Jesus nimmt dich an, bevor du dein Leben in Ordnung gebracht hast. Aber diese Gnade ist keine Einladung, einfach so weiterzumachen wie bisher. Die Begegnung mit Jesus lässt Zachäus nicht kalt. Er erklärt, dass er die Hälfte seines Besitzes den Armen geben und Menschen, die er betrogen hat, das Vierfache zurückzahlen will (Lukas 19,8). Aus der Begegnung wird eine konkrete Veränderung.
Jesus hat Zachäus nicht erst zur Wiedergutmachung aufgefordert, damit er ihn lieben konnte. Seine Liebe hat etwas in Zachäus ausgelöst, das Geld und Menschen plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lässt. Gnade nimmt uns an, wie wir sind, aber sie lässt uns nicht einfach, wie wir sind.
Vielleicht ist Jesus bei dir längst zu Gast. Du betest, liest in der Bibel oder gehst in den Gottesdienst. Doch gibt es Bereiche, in denen du ihn lieber vor der Tür stehen lässt? Deinen Umgang mit Geld? Eine Beziehung, in der du jemanden unfair behandelst? Eine Gewohnheit, von der du weißt, dass sie dir und anderen schadet? Oder eine Entschuldigung, die längst überfällig ist?
Jesus kommt nicht, um dich fertigzumachen. Er kommt, um dich frei zu machen. Du musst dich nicht selbst retten und auch nicht durch gute Taten Gottes Liebe verdienen. Aber du darfst dich von seiner Liebe verändern lassen. Manchmal beginnt das mit einem ehrlichen Eingeständnis, einer Rückzahlung, einer Entschuldigung oder einer Entscheidung, die längst dran ist.
Als Jesus seine Begegnung mit Zachäus zusammenfasst, sagt er: „Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ (Lukas 19,10). Genau darum geht es. Jesus sucht nicht die Menschen, die alles im Griff haben. Er sucht Menschen, die ihn hereinlassen.
Deine Herausforderung für heute: Lies die Geschichte von Zachäus in Lukas 19,1-10 und frage dann Jesus: „Welchen Bereich meines Lebens halte ich noch vor dir verschlossen?“ Und wenn dir etwas einfällt, dann geh einen kleinen, konkreten Schritt, um es zu verändern.
Sei gesegnet!
„Der erste Schritt zur Veränderung ist das Bewusstsein. Der zweite Schritt ist die Akzeptanz.“ – Nathaniel Branden


