Als ich aufs Gymnasium kam, entschied ich mich bewusst für eine Schule in einem anderen Berliner Bezirk. Der Haken daran: Eine Monatskarte für den Bus war bei meinen Eltern eher die Ausnahme. Also stieg ich fast jeden Morgen aufs Fahrrad. Und ich hatte oft den Eindruck, der Wind hätte sich gegen mich verschworen. Morgens blies er mir ins Gesicht – und nachmittags auf dem Heimweg irgendwie schon wieder.
Bis heute weiß ich nicht, wie das physikalisch möglich war. Manchmal kam mir die halbe Stunde Heimweg wie eine kleine Ewigkeit vor. Aber eines wusste ich immer: Solange ich Gegenwind spürte, war ich unterwegs.
Mit unserem Glauben ist das oft ganz ähnlich: Wer Jesus nachfolgt, schwimmt nicht einfach mit dem Strom. Manchmal entscheidet man sich bewusst anders als die Mehrheit. Man bleibt ehrlich, obwohl Schummeln einfacher wäre. Man vergibt, obwohl alle zur Vergeltung raten. Man bekennt sich zu seinem Glauben, obwohl andere darüber lächeln.
Dann stellt sich schnell die Frage: Mache ich etwas falsch? Jesus gibt darauf eine überraschende Antwort. Nein. Vielleicht machst du gerade etwas richtig. Die letzte Seligpreisung lautet ja: „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.“ (Matthäus 5,10)
Bemerkenswert: Jesus beendet die Seligpreisungen nicht mit einem Versprechen von Erfolg, Beliebtheit oder einem bequemen Leben. Er bereitet seine Nachfolger auf die Realität vor. Denn wer so lebt wie Christus, wird nicht von allen gefeiert werden.
Jesus selbst sagt: „Wenn die Menschen euch hassen, dann vergesst nicht, dass man mich schon vor euch gehasst hat.“ (Johannes 15,18)
Dabei geht es nicht darum, absichtlich anzuecken oder Streit zu suchen. Manchmal machen Christen sich unbeliebt, weil sie rechthaberisch oder lieblos auftreten. Davon spricht Jesus nicht. Er spricht von Menschen, die „um der Gerechtigkeit willen“ leiden. Also deshalb, weil sie ihm treu bleiben.
Paulus bestätigt das mit einem nüchternen Satz: „Alle, die gottesfürchtig leben wollen in Christus Jesus, werden Verfolgung erleiden.“ (2. Timotheus 3,12)
Das ist keine Drohung. Es ist eine Beschreibung. Ein Glaube, der sichtbar gelebt wird, wird nicht immer Zustimmung finden. Ehrlichkeit kann Nachteile bringen. Integrität kann Karriereschritte kosten. Treue zu Jesus kostet manchmal den Applaus anderer.
Doch genau hier verändert Jesus unsere Perspektive. Er fordert uns nicht auf, Ablehnung zu suchen. Er fordert uns auf, treu zu bleiben. Die Apostel haben das erlebt. Nachdem sie wegen ihres Glaubens ausgepeitscht worden waren, heißt es: „Sie gingen voll Freude fort, weil sie für würdig gehalten worden waren, für den Namen Jesu Schmach zu leiden.“ (Apostelgeschichte 5,41)
Sie freuten sich nicht über die Schmerzen. Sie freuten sich darüber, dass sie Jesus treu geblieben waren. Darum richtet Jesus den Blick weg vom Gegenwind und hin zur Ewigkeit: „Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel.“ (Matthäus 5,12)
Leid ist nie leicht. Aber Leid hat für den Christen niemals das letzte Wort. Gott sieht jede mutige Entscheidung, jedes ehrliche Wort und jeden Nachteil, den wir aus Liebe zu ihm in Kauf nehmen. Keine Treue bleibt bei ihm unbemerkt.
Vielleicht ist der Gegenwind, den du gerade spürst, gar kein Zeichen dafür, dass du falsch unterwegs bist. Vielleicht zeigt er, dass du Jesus nachfolgst. Denn seine Anerkennung wiegt unendlich viel mehr als der Applaus dieser Welt.
Herausforderung für heute: Wo passt du dich aus Angst vor Ablehnung an? Bitte Gott heute um den Mut, ihm auch dann treu zu bleiben, wenn es unbequem wird. Denn am Ende zählt nicht, wie viele Menschen dir applaudiert haben, sondern ob du deinem Herrn treu geblieben bist.
Sei gesegnet!
„Ein Schiff im Hafen ist sicher. Aber dafür werden Schiffe nicht gebaut.“— John A. Shedd


