Morgens, noch bevor ich mich an den Rechner setze, um meine Andacht zu schreiben, gehe ich meistens kurz auf den Balkon, um frische Luft zu schnappen. Und jedes Mal freue ich mich über meine Weinpflanze, die gerade kräftig austreibt. Den langen, kalten Winter über hatte ich Sorge, dass der kleine Steckling erfrieren könnte. Jetzt aber ranken sich die ersten Triebe bis fast zur Decke.
Noch trägt die Pflanze keine Früchte. Sie hat noch nie geblüht. Und trotzdem steckt bereits alles in ihr, was sie dafür braucht. Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis irgendwann reife Trauben an den Reben hängen.
Jeden Morgen erinnert mich dieser Wein an meine Beziehung zu Jesus.
Nicht nur daran, dass auch wir im Glauben wachsen sollen oder Früchte tragen dürfen. Sondern vor allem daran, dass Gott schon jetzt etwas in uns sieht, das noch nicht vollständig sichtbar geworden ist. Und ich glaube, dass er sich über uns noch viel mehr freut, als ich mich über meinen kleinen Wein freue.
Denn durch Jesu Tod und Auferstehung hat bereits etwas Neues begonnen.
Die Auferstehung ist keine schöne Theorie für religiöse Menschen. Sie ist ein reales Ereignis. Jesus ist wirklich auferstanden. Das bedeutet: Das neue Leben hat schon angefangen. Die Ewigkeit ist nicht nur etwas, das irgendwann nach unserem Tod beginnt. Durch Jesus ist der Himmel mitten in diese Welt hineingebrochen.
Immer dann, wenn Gott Gebete erhört, wenn Menschen Heilung erleben, wenn Hoffnung neu aufblüht oder Gottes Frieden mitten im Chaos spürbar wird, blitzt etwas von diesem neuen Leben auf. Kleine Vorschauen auf das, was einmal vollständig kommen wird.
Paulus schreibt: „Tatsächlich aber ist Christus als Erster von den Toten auferstanden. So können wir sicher sein, dass auch die übrigen Toten auferweckt werden.“ (1. Korinther 15,20).
Der Erste. Nicht der Einzige.
Das bedeutet: Wir warten nicht auf eine ungewisse Zukunft. Wir leben bereits in einer Geschichte, deren Wendepunkt schon geschehen ist. Die Auferstehung Jesu war nicht nur ein Beweis dafür, dass Gott Macht über den Tod hat. Sie war der Beginn einer neuen Schöpfung.
Und trotzdem spüren wir noch die Spannung.
Unser Körper kann trotz aller Hoffnung krank werden. Ein Herz, das längst zu Gott gehört, kann trotzdem zweifeln oder Angst haben. Wir erleben Wunder – und gleichzeitig Tränen. Wir erleben Gottes Nähe – und manchmal auch schmerzhaftes Warten.
Aber genau darin liegt das Bild meines Weinstocks. Die Fülle ist bereits angelegt, auch wenn sie noch nicht vollständig sichtbar ist.
Der Wein muss sich nicht anstrengen, um irgendwann Trauben hervorzubringen. Das Leben steckt bereits in ihm. Und genauso steckt durch Jesus bereits neues Leben in dir, auch wenn du manches davon noch nicht vollständig sehen kannst.
Ich habe einmal den Satz gehört: „Der Schmerz ist nicht das Ende. Er ist der Klang einer Verheißung, die ihrer Erfüllung entgegenwächst.“ Das trifft es so gut.
Wir leben zwischen Anfang und Vollendung. Zwischen Kreuz und Ewigkeit. Zwischen dem ersten Aufbrechen der Knospen und der kommenden Ernte. Aber die Richtung steht fest.
Der Himmel hat schon begonnen.
Herausforderung für heute: Wo in deinem Leben siehst du vielleicht nur kleine Knospen und noch keine Früchte? Wo musst du dich daran erinnern, dass sich deine Geschichte bereits gewendet hat – auch wenn sich die Szene noch nicht verändert hat? Bitte Gott heute darum, dir neu zu zeigen, dass er bereits wirkt – auch dort, wo du Wachstum oder Veränderung noch kaum erkennen kannst.
Sei gesegnet!
„Geduld ist das Vertrauen darauf, dass die Dinge wachsen, auch wenn man sie noch nicht sehen kann.“ – Leo Tolstoy


