JürgenFerrary
Mann geht auf ein offenes Haus zu

Wissen reicht nicht

19. März 2026 in Jürgens Gedanken by Kommentare deaktiviert für Wissen reicht nicht

In diesem Jahr war ich schon mit zwei Schulklassen im sogenannten Ostergarten der Friedenskirche. Der Ostergarten ist ein Erlebnis-Parcours mit mehreren Stationen mitten im alten Kirchsaal. Dort wird die Passions- und Ostergeschichte mit allen Sinnen erlebbar gemacht: Es gibt Szenen mit Schauspiel, passende Geräusche, Gerüche, Farben und liebevoll gestaltete Kulissen. Ein Höhepunkt ist ein mehrere Meter hoher „Berg Golgatha“. Die Kinder gehen von Station zu Station und tauchen Schritt für Schritt in die Geschichte von Jesus ein. Ich finde es beeindruckend, was diese eigentlich kleine Gemeinde auf die Beine stellt. Mit viel Herzblut und Kreativität schaffen sie einen Ort, an dem Menschen die Ostergeschichte erleben können. Und doch denke ich jedes Mal einen Gedanken. Wie schade wäre es, wenn jemand all das sieht, hört und erlebt – und es am Ende trotzdem nur wie ein Theaterstück bleibt. Eine interessante Geschichte. Ein schönes Erlebnis. Aber nicht mehr. Einer der Jünger von Jesus, Johannes, schreibt gleich am Anfang seines Evangeliums: „Allen aber, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden.“ (Johannes 1,12) Interessant ist, was dort nicht steht. Johannes schreibt nicht: Allen, die viel über Jesus wussten. Allen, die viele Bibelverse auswendig konnten. Allen, die religiöse Regeln perfekt einhielten. Er schreibt: Allen, die ihn aufnahmen. Dieses kleine Wort macht einen großen Unterschied. Gott hat in Jesus alles getan, was nötig ist. Er hat den Weg geöffnet. Er hat die Tür aufgestoßen. Aber durch diese Tür gehen muss jeder Mensch selbst. Glaube beginnt dort, wo Wissen persönlich wird. Ich habe neulich ein Video gesehen, in dem jemand erklärt, wie man einen High-Protein-Käsekuchen backt. Am Ende wusste ich genau, wie es funktioniert. Ich kannte das Rezept. Ich wusste, welche Zutaten man braucht. Ich habe sogar alles dafür eingekauft. Aber Hand aufs Herz: Nur weil mein Kopf das Rezept kennt und mein Kühlschrank die Zutaten enthält, steht noch lange kein fertiger Kuchen auf dem Tisch. Dafür muss ich Eier, Quark und die anderen Zutaten wirklich zusammenrühren, den Teig in die Form geben und den Kuchen backen. Erst dann kann ich probieren, ob er wirklich schmeckt. So ähnlich ist es auch mit dem Glauben. Du kannst viel über Jesus wissen – und ihm trotzdem nie persönlich begegnet sein. Du kannst mehrere Bibeln im Regal stehen haben – und trotzdem noch nie erlebt haben, dass Gott durch sein Wort zu dir spricht. Du kannst genau wissen, wie Beten funktioniert – und hast es vielleicht selbst noch nie wirklich ausprobiert. Wissen ist wichtig. Aber Wissen allein verändert kein Leben. Erst wenn wir Jesus „aufnehmen“, wird aus einer Information eine Beziehung. Es ist ein bisschen so wie beim Käsekuchen: Mein Kopf sagt vielleicht: Mit frischer Mango im Teig könnte der richtig gut schmecken. Aber sicher weiß ich es erst, wenn ich einen Bissen nehme. Genauso ist es mit Jesus. Erst wenn du ihn einlädst, erst wenn du ihm dein Vertrauen schenkst, wirst du entdecken, dass er wirklich lebt, dass er dich liebt und dass er dich zu einem Kind Gottes macht. Darum meine Frage heute: Bist du Beobachter oder Teilhaber? Bist du jemand, der viel weiß – oder jemand, der Jesus nachfolgt? Und übrigens: Diese Frage gilt nicht nur für Menschen, die mit Glauben wenig zu tun haben. Auch wir Christen geraten manchmal in die Versuchung, alles zu wissen, aber wenig zu leben. Wir sitzen auf der Couch unseres Glaubens und warten darauf, dass Gott schon irgendwie alles macht. Doch Glaube ist aktiv. Glaube sagt Ja. Glaube vertraut. Glaube geht Schritte. Glaube hört und redet mit Gott. Glaube nimmt Jesus immer wieder neu auf – mitten im Alltag. Herausforderung für heute: Frage dich heute einmal: Wo weiß ich viel über Gott – aber habe schon lange keinen Schritt mehr im Vertrauen gewagt?...

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Jesus im Gebet

Der Moment, in dem Jesus dabei war

17. März 2026 in Jürgens Gedanken by Kommentare deaktiviert für Der Moment, in dem Jesus dabei war

Es war ein Sonntag, und ich war gerade fertig mit dem Predigen. Der Ort war ungewöhnlich: Der Gottesdienst fand in einer Kneipe statt. Nach dem Gottesdienst bleiben viele noch zum Brunch. Man sitzt zusammen, redet über die Predigt, stellt Fragen. Genau das passierte auch an diesem Tag. Wir lachten viel am Tisch – bis einer der Gäste plötzlich sehr ernst wurde. Er sagte sinngemäß: „Ich bin schon lange Christ. Aber das mit der Vergebung bekomme ich nicht hin. Ich weiß, dass Gott mir vergeben hat. Und ich weiß, dass ich anderen vergeben soll. Aber ich kann es einfach nicht.“ Der Mann, der eben noch gelächelt hatte, schaute plötzlich auf seinen Teller. Man merkte sofort: Da ist etwas, das er schon lange mit sich herumträgt. Eine alte Wunde. Eine Last. Der Kopf wusste, was richtig wäre. Aber das Herz konnte es nicht. Ich glaube, viele von uns kennen dieses Dilemma. Es gibt Verletzungen, die so tief gehen, dass Vergebung wie eine fromme Theorie klingt – aber nicht wie eine echte Möglichkeit. Worte von Menschen, die uns bis heute nachhallen. Situationen, die sich in unsere Seele eingebrannt haben. Vielleicht kennst du das auch: Da sind Menschen, die du geliebt und bewundert hast – und irgendwann merkst du: Sie waren nicht die, für die du sie gehalten hast. Da ist ein Zuhause, das sich irgendwann gar nicht mehr wie Zuhause angefühlt hat. Da sind Menschen, von denen du dachtest, sie stehen auf deiner Seite – und plötzlich lassen sie dich fallen. Ich kenne solche Momente auch. Und ich habe lange versucht, meine Wunden zu verdecken. Mit Masken. Mit Anerkennung. Mit Dingen, die für einen kurzen Moment betäuben. Doch der Effekt hielt nie lange. Nach dem kurzen Kick kam immer das böse Erwachen. Die Wunden waren immer noch da. Und obwohl ich Christ war und wusste, dass Jesus heilt, fiel es mir schwer, dieses Angebot wirklich anzunehmen. Bis mir eines Tages eine Wahrheit klar wurde, die alles verändert hat. Als du verletzt wurdest, war Jesus dabei. Egal, ob du ihn damals schon kanntest oder nicht. Er hat die Worte gehört. Er hat gesehen, was passiert ist. Er hat deine Verletzung wahrgenommen. Wenn ich heute merke, dass eine alte Wunde in mir auftaucht, mache ich manchmal etwas ganz Einfaches: Ich schließe die Augen und erinnere mich an die Situation. Und dann stelle ich mir eine Frage: Wo ist Jesus in diesem Moment? Wie schaut er mich an? Was empfindet er für mich? Was würde er mir jetzt sagen? Manchmal passiert dann etwas Überraschendes. Ich merke, dass Jesus mir genau das zuspricht, was mir damals gefehlt hat. Wenn dir jemand signalisiert hat: Du bist wertlos. Dann sagt Jesus: Du bist unendlich wertvoll und bedingungslos geliebt.Wenn dir jemand gesagt hat: Du bist nicht gut genug. Dann sagt Jesus: Du bist gewollt. Niemand hat das Recht, dir deinen Wert abzusprechen.Wenn du dich allein gefühlt hast, als würde niemand für dich kämpfen, dann sagt Jesus: Du bist es wert, dass für dich gekämpft wird. Jesus möchte nicht nur vergeben, was geschehen ist. Er möchte auch die Erinnerungen berühren, die bis heute schmerzen. Und wenn wir beginnen, uns selbst mit seinen Augen zu sehen, passiert etwas Entscheidendes. Wir hören auf, uns durch die zerbrochene Brille anderer Menschen zu betrachten. Und plötzlich entsteht Freiheit. Freiheit, die sogar so weit gehen kann, dass wir denen vergeben, die uns verletzt haben. Nicht weil das Geschehene plötzlich okay wäre – sondern weil unsere Verletzungen uns sonst weiterhin an diese Menschen binden. Jesus löst diese Bindung. Wenn du dich so siehst, wie Gott dich sieht, wirst du entdecken, wer du wirklich bist. Es stellt sich heraus: Gott gibt dir nicht einfach einen neuen Namen. Er zeigt dir, wer du schon immer gewesen bist.Erwählt.Willkommen.Geliebt. Die Wahrheit ist: Du warst die ganze Zeit über gewollt. Herausforderung für heute: Jesus sagt: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt.“ (Johannes 14, 27) Vielleicht stehst du heute an einer inneren Weggabelung. Der eine Weg bedeutet: Du gehst weiter wie bisher – mit deinen alten Verletzungen, mit der zerbrochenen Brille, durch die du dich selbst siehst....

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