Die ersten Christen haben mit Sicherheit nicht alles besser gemacht als wir heute. Sonst gäbe es im Neuen Testament kaum so viele Briefe voller Korrekturen, Ermahnungen und Klarstellungen. Und doch lohnt sich ein Blick auf diese erste Generation von Christen.
Sie hatten nämlich zwei Vorteile: Zum einen gehörten viele von ihnen ursprünglich zum jüdischen Volk. Sie kannten die Bilder, Gleichnisse, Feste und Traditionen, aus denen Jesus sprach. Vieles, was wir heute erst mühsam erklären müssen, war für sie selbstverständlich.
Zum anderen lebten damals noch Menschen, die Jesus persönlich erlebt hatten. Menschen, die ihn predigen hörten, seine Wunder sahen und dabei waren, wenn er Kranke heilte oder Menschen von dunklen Mächten befreite.
Darum ist es spannend zu sehen, wie diese ersten Christen ihren Glauben lebten. In Apostelgeschichte 2,42–44 lesen wir: „Alle, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, ließen sich regelmäßig von den Aposteln unterweisen und lebten in enger Gemeinschaft. Sie feierten das Abendmahl[3] und beteten miteinander.“
Wenn man diese Verse liest, fallen drei Dinge besonders auf.
1. Sie wollten lernen
Die ersten Christen ließen sich regelmäßig unterweisen.
Das klingt zunächst unspektakulär, ist aber entscheidend. Wenn du in einem Bereich wachsen willst, suchst du dir meist jemanden, der dich anleitet: einen Trainer im Sport, einen Lehrer bei der Musik, einen Mentor im Beruf.
Warum sollte es im Glauben anders sein?
Auch im Glauben wachsen wir, wenn Menschen uns helfen, die Bibel zu verstehen, Fragen zu stellen und Schritte zu gehen. Selbst Profis im Sport haben Trainer – nicht weil sie schlecht sind, sondern weil sie besser werden wollen.
2. Sie lebten Gemeinschaft
Je voller unsere Terminkalender werden, desto mehr leiden oft unsere Beziehungen. Manchmal habe ich den Eindruck: So wie der Widersacher Gottes hofft, dass wir zu beschäftigt sind, um zu ruhen, hofft er auch, dass wir zu beschäftigt, zu abgelenkt oder zu erschöpft sind, um echte Gemeinschaft zu leben.
Doch genau das war ein Kennzeichen der ersten Christen: Sie lebten ihren Glauben nicht allein. Sie aßen zusammen, beteten zusammen, teilten ihr Leben.
Auch Jesus selbst lebte genau diesen Rhythmus. Immer wieder sehen wir ihn mit Freunden am Tisch sitzen, unterwegs sein, gemeinsam feiern. Gemeinschaft ist kein „Extra“ im Glauben. Sie gehört zum Kern.
3. Sie feierten
Dieser Punkt überrascht viele. Die ersten Christen feierten. Wenn man ehrlich ist, klingt das manchmal fremd. Viele Gottesdienste wirken eher traurig, ruhig und ernst – manchmal fast wie eine Pflichtveranstaltung, auch wenn fast alle Gottesdienste mit den Worten beginnen: „Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!“
Wir singen Lieder, die mit unserer Kultur nichts zu tun haben, sind artig und wollen bloß nicht auffallen (auch, was die Sachen angeht, die du anziehst), es wird selten bis nie gelacht und insgesamt hat man eher das Gefühl auf einer Beerdigung zu sein als auf einer Feier. Dazu kommt oft noch eine Sprache, dir wir nicht verstehen und Worte, die mit unserem alltäglichen Leben nicht viel zu tun haben – uns zumindest nicht nach vorne bringen (Stichwort Trainer).
Das mag den einen oder anderen verletzen, aber vielleicht ist genau diese Kultur ein Grund, warum immer weniger Menschen in Deutschland in den Gottesdienst kommen. Die Bibel hingegen ist voller Feiern.
Nachdem Gott Israel aus Ägypten befreit hatte, tanzte Miriam mit Tamburinen. Als Jesus geboren wurde, sangen Engel. Und bei einer Hochzeit in Kana verwandelte Jesus Wasser in Wein – damit das Fest weitergehen konnte.
Der geistliche Autor Richard Foster schreibt in seinem Buch Celebration of Discipline: „Feiern steht im Zentrum aller geistlichen Übungen. Ohne einen freudigen Geist des Feierns werden sie zu langweiligen Werkzeugen in den Händen moderner Pharisäer.“
Freude gehört also zum Glauben. Wenn wir feiern, erinnern wir uns daran, dass Gott gut ist. Dankbarkeit wächst. Unsere Seele bekommt neue Kraft. Oder wie es im Buch Nehemia 8,10 heißt: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke.“
Vielleicht ist genau das ein Schlüssel für unseren Glauben heute: lernen, Gemeinschaft leben – und feiern. Diese drei Rhythmen bringen nicht nur deinen Glauben nach vorne. Sie können deinem Leben eine neue Tiefe und eine neue Freude geben.
Kleine Herausforderung für heute: Überlege einmal: Welcher dieser drei Rhythmen fehlt in deinem Leben gerade am meisten?
Mehr lernen?
Mehr echte Gemeinschaft?
Oder mehr Freude im Glauben?
Wähle einen davon – und mach heute einen kleinen Schritt in diese Richtung.
Sei gesegnet!
„Freude ist nicht die Abwesenheit von Problemen, sondern die Gegenwart von Sinn“ (Viktor Frankl).


