Wenn du etwas loslassen musst

Jürgen Ferrary
9. Oktober 2026

Es gibt Dinge, an denen wir erstaunlich lange festhalten. Menschen, die längst nicht mehr Teil unseres Lebens sind. Erwartungen, die sich niemals erfüllt haben. Alte Verletzungen, die wir immer wieder aus der Schublade holen. Einen Plan, von dem wir überzeugt waren, dass er funktionieren müsste. Oder die Kontrolle, obwohl wir längst wissen, dass wir sie gar nicht haben.

Und manchmal sagt Gott nicht: „Kämpfe härter.“ Manchmal sagt er ganz leise: „Lass los.“

Das klingt einfacher, als es ist. Denn Festhalten gibt uns das Gefühl, noch etwas tun zu können. Wenn ich an der Vergangenheit festhalte, muss ich mich nicht mit der Zukunft beschäftigen. Wenn ich an meinem Plan festhalte, muss ich nicht akzeptieren, dass Gott vielleicht einen anderen Weg führt.Paulus schreibt in Philipper 3,13–14: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir liegt. Ich laufe auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen, für den Gott uns durch Christus Jesus bestimmt hat.“

Paulus sagt nicht, dass seine Vergangenheit bedeutungslos war. Er sagt: Sie soll nicht mehr bestimmen, wohin ich gehe.

Vielleicht ist genau das dein Problem: Du versuchst, vorwärtszugehen, während du gleichzeitig mit einer Hand an gestern festhältst.

Du kannst keinen neuen Weg gehen, wenn du dich ständig nach hinten festhältst.

Hebräer 12,1–2 sagt: „Lasst uns alles ablegen, was uns beschwert und uns vom Lauf abhält. Wir wollen den Wettlauf bis zum Ende durchhalten und dabei zu Jesus aufblicken.“

Alles ablegen, was beschwert. Was für ein Bild! Manchmal tragen wir Dinge durch unser Leben, die Gott längst nicht mehr von uns verlangt: Schuld, die vergeben wurde. Verletzungen, die wir immer wieder neu aufleben lassen. Erwartungen, die uns nur noch enttäuschen. Den Versuch, Menschen zu verändern, die wir nicht verändern können.

Loslassen bedeutet dabei nicht, dass dir etwas egal wird. Loslassen bedeutet: Ich gebe Gott das, was ich nicht mehr kontrollieren kann.

Prediger 3 erinnert uns daran, dass es für vieles eine Zeit gibt: eine Zeit zum Festhalten und eine Zeit zum Loslassen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren.

Vielleicht ist heute für dich die Zeit, etwas loszulassen. Nicht weil es schlecht war. Vielleicht war es sogar einmal sehr gut. Aber etwas kann richtig gewesen sein und trotzdem nicht für immer bestimmt sein.

Und manchmal hält unsere Hand das Alte so fest, dass sie gar nicht frei ist, das Neue zu empfangen.

Manchmal beginnt etwas Neues erst dort, wo du etwas Altes loslässt.

Deine Herausforderung für heute: Frag Gott heute ganz ehrlich: „Was halte ich fest, das ich dir eigentlich übergeben sollte?“ Schreib deine Antwort auf. Einen Menschen. Eine Erwartung. Eine Verletzung. Eine Angst. Deinen Plan. Dann bete: „Gott, ich kann es nicht einfach loslassen. Aber ich möchte lernen, es dir zu übergeben.“

Vielleicht musst du diesen Schritt morgen wiederholen. Und übermorgen noch einmal. Das ist kein Versagen. Loslassen ist manchmal kein einmaliger Moment, sondern eine tägliche Entscheidung.

Sei gesegnet!

„In jedem Ende liegt ein neuer Anfang.“ – Miguel de Unamuno

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