Menschen am See

Mehr als Vergebung

Jürgen Ferrary
20. Mai 2026

Ein Satz, den ich einmal gelesen habe, hat sich tief in meine Seele eingebrannt: „Gott gab sich nicht damit zufrieden, dir zu vergeben und dich dann außerhalb seines Lebens zu lassen. Er versprach sich selbst.“ Dieser Gedanke hat mich lange beschäftigt. Was bedeutet das eigentlich? Ist damit Jesus gemeint? Aber Jesus war ja bereits gekommen, hatte vergeben, geheilt, erlöst.

Nein, da steckt noch mehr dahinter. Irgendwann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Schon Jahrhunderte bevor Jesus auf die Welt kam, lange vor Bethlehem, vor den Wundern, vor dem Kreuz und dem leeren Grab, sprach Gott durch den Propheten Joel: „Ich werde meinen Geist über alle Menschen ausgießen“ (Joel 3,1).

Ausgießen. Nicht ein paar Tropfen. Nicht ein kurzer Besuch Gottes. Nicht nur für besonders heilige Menschen oder religiöse Leiter. Gott spricht davon, seinen Geist über Menschen auszugießen. Diese Verheißung war kein spontaner Einfall nach Karfreitag. Pfingsten war nie Plan B. Gott hatte schon immer vor, den Menschen nicht nur zu vergeben, sondern ihnen sich selbst zu schenken.

Genau deshalb sagte Jesus zu seinen Jüngern: „Es ist besser für euch, wenn ich gehe. Sonst käme der Helfer nicht zu euch“ (Johannes 16,7). Das muss für die Jünger völlig verrückt geklungen haben. Wie sollte es besser sein, dass Jesus geht? Sie konnten ihn sehen, hören, anfassen. Und trotzdem sagt Jesus: Was kommt, wird noch näher sein.

Denn Gott wollte nicht nur neben den Menschen leben. Er wollte in ihnen wohnen.

Darauf weist auch der zerrissene Vorhang im Tempel hin. Dieser schwere Vorhang trennte das Allerheiligste vom Rest des Tempels – den Ort der unmittelbaren Gegenwart Gottes. Nur wenige Menschen durften ihn überhaupt betreten. Doch als Jesus starb, zerriss dieser Vorhang.

Der Weg zu Gott war frei.

Aber Pfingsten geht sogar noch weiter. Gott lädt uns nicht nur ein, zu ihm zu kommen. Er kommt selbst zu uns. Der Geist Gottes, der Leben schenkt, der Wunder wirkt und Jesus von den Toten auferweckt hat, wohnt durch den Glauben in uns.

Das bedeutet: Du musst dein Leben nicht aus eigener Kraft meistern.

Natürlich können wir weiter versuchen, alles allein hinzubekommen. Wir können rudern, kämpfen, uns abstrampeln und hoffen, irgendwie voranzukommen. Aber Gottes Geist möchte mehr sein als ein religiöser Zusatz in unserem Leben. Er möchte Wind in unseren Segeln sein.

Dieses Bild liebe ich. In einem Boot kannst du dich mit aller Kraft an die Ruder klammern. Oder du setzt das Segel und lässt den Wind dich tragen. Genau darum geht es an Pfingsten: Gott möchte dich erfüllen. Dich trösten. Dich leiten. Dir Mut schenken. Dich verändern. Nicht nur von außen, sondern von innen heraus.

Und das alles beginnt nicht erst, wenn du stark genug bist, geistlich genug oder fehlerfrei genug. Die Verheißung galt schon vorher. Vielleicht müssen wir deshalb neu lernen, Gottes Geist nicht nur theoretisch zu glauben, sondern ihm wirklich Raum zu geben.

Nicht mehr nur aus eigener Kraft zu leben, sondern aus seiner.

Herausforderung für heute: Wo versuchst du gerade noch, alles allein zu schaffen? Bitte Gott heute ganz bewusst darum, dich neu mit seinem Geist zu erfüllen und dir zu zeigen, wo du anfangen darfst, mehr auf seine Kraft als auf deine eigene zu vertrauen.

Sei gesegnet!

„Man kann den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ – Aristotles
„Gott beruft nicht die Qualifizierten, sondern Er qualifiziert die Berufenen.“ – Reinhald Bonnke

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