Mach dein Zelt größer – Glaube braucht Raum

Jürgen Ferrary
4. Januar 2026

Es gibt Glaubenshelden, die mich tief beeindrucken. Einer von ihnen ist Johann Hinrich Wichern. Ein einfacher Theologe – und doch ein Mann, der Geschichte geschrieben hat. Erst vor wenigen Wochen hatten die meisten von uns etwas in der Wohnung, das wir ihm zu verdanken haben: den Adventskranz.

Wichern gründete vor rund 200 Jahren das „Raue Haus“ in Hamburg, einen Zufluchtsort für arme und vernachlässigte Kinder. Dort erfand er den Adventskranz – als Zeichen der Hoffnung. Später kämpfte er für eine Reform des Gefängniswesens und setzte sich leidenschaftlich dafür ein, dass junge Menschen Zugang zum christlichen Glauben bekamen. Er wurde zum Begründer dessen, was wir heute Diakonie nennen.

Was machte diesen Mann so besonders? Sein unerschütterlicher Glaube.
Wichern kam nicht aus einem reichen Elternhaus. Sein Vater starb früh, mit 15 musste er Verantwortung übernehmen und als Privatlehrer zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Er lebte oft buchstäblich „von der Hand in den Mund“.

Er ging mutige Glaubensschritte – häufig ohne Sicherheiten, ohne Rücklagen. Er betete, vertraute und erlebte Gottes Versorgung. Genau nach so einem Glauben sehne ich mich: Ein Glaube, der Türen öffnet, der wagt, der rechnet mit Gott.

Stattdessen ertappe ich mich manchmal dabei, wie klein mein Glaube ist. Ich bete vielleicht noch für einen Parkplatz – möglichst leise und innerlich, damit es ja niemand hört. Und wenn er dann da ist, rede ich von „Zufall“ oder „Glück“.

Dabei ruft Gott uns zu etwas ganz anderem auf. Durch den Propheten Jesaja sagt er: „Vergrößere dein Zelt! Spann die Zeltdecken weiter aus! Spare nicht! Verlängere die Seile und schlag die Pflöcke fest ein“ (Jesaja 54,2).

Dieses Bild trifft mich. In ein kleines Zelt passt wenig hinein – in ein großes viele. Ich möchte mich nicht an einen kleinen Glauben gewöhnen. Kleiner Glaube macht Gott klein – und hält auch mich klein.

Dabei gibt es genug Dinge, die unseren Glauben schrumpfen lassen: Sorgen zum Beispiel. Wenn ich mehr auf meine Sorgen schaue als auf Gott, werde ich ihr Gefangener. Sorgen gehören nicht ins Herz, sondern vor Gottes Thron.

Oder Stürme. Jeder kennt sie: gesundheitlich, finanziell, beziehungstechnisch. Die Frage ist nicht, ob sie kommen – sondern wie wir reagieren. Als die Jünger im Sturm zu Jesus schreien, sagt er: „Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam?“ (Matthäus 8,26).

Oder Petrus auf dem Wasser: Er sinkt nicht, weil sich die Wellen verändern, sondern weil sich sein Blick verändert. Er schaut auf die Umstände – und nicht mehr auf Jesus. Genau das passiert auch uns.

Wenn dein Glaube wachsen soll, dann tu das Gegenteil von dem, was ihn klein macht. Vertraue Gott. Erweitere dein Zelt. Schlag deine Pflöcke weiter außen ein. Glaube braucht Raum zum Atmen.

Frag dich heute: Wo könnte ich einen Schritt mehr wagen? Wo halte ich mich noch zurück – aus Angst, aus Gewohnheit, aus Bequemlichkeit?

Gib deine Sorgen bei Gott ab (1. Petrus 5,7). Wage den nächsten Schritt. Du wirst erleben: Frieden wartet oft außerhalb der Komfortzone. Und Gott geht dort schon vor dir her.

Er wird dir den nächsten Schritt zeigen – wenn du bereit bist, ihn auch zu gehen. Und wenn Zweifel kommen, erinnere dich daran, was Gott in deinem Leben schon getan hat. Er war treu. Er ist treu. Und er wird treu bleiben.

Vergrößere dein Zelt. Dein Glaube darf wachsen.

Sei gesegnet!

„Wenn unser Glaube größer wird, wenn unser Vertrauen in Gottes Eingreifen und Seine Liebe zu uns stärker wird, dann machen wir nicht nur Ihn groß, sondern unser ganzes Leben wird verändert“ (Leo Bigger).

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