Es gibt Menschen, die sitzen in einem vollen Café und fühlen sich trotzdem einsam. Sie haben Hunderte Kontakte im Smartphone, bekommen Nachrichten und Likes – und doch fehlt jemand, dem sie wirklich sagen können: „Mir geht es gerade nicht gut.“ Vielleicht kennst du das. Man funktioniert, erledigt seine Aufgaben, lächelt im richtigen Moment. Und wenn jemand fragt: „Wie geht’s dir?“, antwortet man automatisch: „Gut.“ Obwohl das manchmal die größte Unwahrheit des Tages ist.
Wir leben in einer Welt, die darauf ausgelegt ist, dass wir alles allein regeln können. Wir bestellen Essen per App, arbeiten im Homeoffice, streamen Filme und erledigen Bankgeschäfte vom Sofa aus. Aber nur weil wir vieles allein erledigen können, bedeutet das nicht, dass wir dafür geschaffen sind, allein zu leben.
Schon auf den ersten Seiten der Bibel sagt Gott: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“ (1. Mose 2,18) Das steht nicht erst im Kapitel über Ehe. Es ist ein grundlegender Gedanke über uns Menschen. Wir sind Beziehungswesen. Wir brauchen andere Menschen – und andere Menschen brauchen uns.
Vor allem aber sind wir dazu geschaffen, in Beziehung mit Gott zu leben. Er ist der Erste, bei dem wir keine Rolle spielen müssen, keine Maske tragen brauchen und einfach ehrlich sein dürfen. Aus dieser Annahme heraus können wir auch anderen Menschen ohne Fassade begegnen.
Der Prediger schreibt in Prediger 4,9–10: „Zwei sind besser als einer, denn sie können mehr erreichen. Wenn einer fällt, hilft ihm der andere wieder auf. Doch wer allein ist und fällt, ist übel dran, weil niemand da ist, der ihm wieder aufhilft.“
Was für ein ehrliches Bild! Jeder fällt irgendwann. Manchmal stolpern wir über unsere eigenen Entscheidungen, manchmal wirft uns das Leben zu Boden. Und dann ist es entscheidend, ob jemand da ist, der uns aufhilft.
Gott hat uns nicht dafür geschaffen, das Leben allein zu meistern – ob in der Ehe, in Freundschaften oder in der Gemeinde, überall dort, wo Leben ehrlich geteilt wird. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Menschen zu kennen. Es geht darum, Menschen zu haben, bei denen du nicht ständig eine Rolle spielen musst.
Paulus beschreibt die Gemeinde in 1. Korinther 12 als einen Körper mit vielen verschiedenen Teilen. Auge, Hand, Fuß – jeder ist anders, aber keiner ist überflüssig. „Der Körper besteht nicht aus einem einzigen Teil, sondern aus vielen“ (1. Korinther 12,14).
Das bedeutet: Du bist nicht nur jemand, der Hilfe empfängt. Du bist auch jemand, durch den Gott anderen helfen möchte.
Vielleicht denkst du: „Ich habe selbst genug Probleme. Was soll ich anderen schon geben?“ Mehr, als du glaubst. Ein offenes Ohr. Ein ermutigendes Wort. Ein Anruf. Ein gemeinsames Essen. Manchmal ist deine Anwesenheit bereits ein Geschenk.
Galater 6,2 sagt: „Helft einander, eure Lasten zu tragen, und erfüllt auf diese Weise das Gesetz, das Christus gegeben hat.“
Gemeinschaft bedeutet nicht, dass wir keine Lasten mehr haben. Gemeinschaft bedeutet, dass wir sie nicht mehr allein tragen müssen.
Vielleicht ist es an der Zeit, eine Beziehung wieder aufzunehmen. Jemanden um Hilfe zu bitten. Oder selbst den ersten Schritt auf einen Menschen zuzugehen.
Deine Herausforderung für heute: Überlege: Wer braucht heute deine Nähe? Und bei wem könntest du selbst ehrlich sagen: „Ich könnte gerade jemanden gebrauchen“? Schreib dieser Person. Ruf an. Mach einen Spaziergang zusammen. Warte nicht darauf, dass immer die anderen den ersten Schritt machen.
Sei gesegnet!
„Das größte Glück im Leben besteht darin, geliebt zu werden, und das größte Glück ist, zu lieben.“ — George Sand


