Manche Menschen betreten einen Raum und übernehmen sofort das Mikrofon. Andere sorgen dafür, dass überhaupt jemand die Stühle hingestellt hat, der Kaffee fertig ist und sich der stille Gast in der letzten Reihe willkommen fühlt. Und wieder andere merken, dass jemand traurig ist, obwohl alle anderen längst weitergegangen sind. Drei unterschiedliche Menschen – und jeder von ihnen kann einen Unterschied machen.
Vielleicht schaust du auf andere und denkst: Der kann so gut reden. Die hat immer tolle Ideen. Der ist handwerklich begabt. Und ich? Was habe ich schon zu bieten? Genau bei diesem Gedanken möchte ich dich herausfordern: Du musst nicht jemand anderes werden, um von Gott gebraucht zu werden.
Petrus schreibt in 1. Petrus 4,10: „Gott hat jedem von euch Gaben geschenkt, mit denen ihr einander dienen könnt. Setzt sie gut ein, damit sich Gottes vielfältige Gnade durch euch zeigt.“
Lass dir das einmal auf der Zunge zergehen: Gott hat jedem Gaben geschenkt. Nicht nur den Pastoren, Musikern und Menschen, die vorne auf einer Bühne stehen. Nicht nur den besonders Mutigen, Klugen oder Frommen. Jedem! Vielleicht liegt deine Stärke darin, Menschen zum Lachen zu bringen. Vielleicht kannst du gut zuhören, Dinge reparieren, Streit schlichten, andere motivieren oder komplizierte Aufgaben organisieren. Was dir selbstverständlich erscheint, kann für jemand anderen genau das sein, was er gerade braucht.
Paulus erklärt in Römer 12,4–6, dass ein Körper viele Glieder hat, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Genauso gehören wir zusammen und haben verschiedene Gaben, die Gott uns nach seiner Gnade gegeben hat. Stell dir vor, dein Körper bestünde nur aus Augen. Du könntest alles sehen, aber keinen Schritt gehen. Oder er bestünde nur aus Händen. Das wäre auch nicht besonders praktisch. Gottes Idee für seine Gemeinde ist nicht Gleichmacherei, sondern Vielfalt, in der jeder seinen Platz findet.
Das bedeutet auch: Du musst nicht alles können. Du musst nicht predigen, wenn deine Stärke das Ermutigen ist. Du musst nicht die Leitung übernehmen, wenn du lieber zuverlässig im Hintergrund arbeitest. Und du musst dich nicht mit den Begabungen anderer vergleichen, während du deine eigenen übersiehst.
Vielleicht hast du deine Fähigkeiten bisher gar nicht als Gaben Gottes wahrgenommen. Du denkst, du bist eben geduldig. Du kannst halt gut zuhören. Du packst einfach mit an, wenn Arbeit anfällt. Aber was wäre, wenn genau darin etwas steckt, das Gott anderen Menschen zugutekommen lassen möchte?
Dabei geht es nicht darum, dir eine möglichst beeindruckende geistliche Identität zuzulegen. Es geht darum, das einzusetzen, was dir anvertraut wurde. Eine Gabe wird nicht dadurch wertvoll, dass möglichst viele Menschen sie bewundern. Sie wird wertvoll, wenn durch sie jemand gesegnet wird.
Du musst nicht alles können. Aber du darfst entdecken, was du beitragen kannst.
Herausforderung für heute: Frage zwei Menschen, welche Stärke sie bei dir sehen, die du selbst vielleicht für selbstverständlich hältst. Hör gut zu und überlege anschließend, wie du diese Fähigkeit in den nächsten Tagen ganz praktisch für einen anderen Menschen einsetzen kannst.
Sei gesegnet!
„Der Sinn des Lebens ist, seine Gabe zu finden. Der Zweck des Lebens ist, sie zu verschenken.“ – Pablo Picasso


