„Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm!“ Dieses kleine Kindergebet kannte ich lange, bevor ich überhaupt etwas mit dem christlichen Glauben anfangen konnte. Und weißt du was? Bis heute begegnet mir derselbe Gedanke immer wieder. Wenn ich mit Angehörigen eine Beerdigung vorbereite, höre ich oft den Satz: „Jetzt ist er (oder sie) im Himmel.“ Das sagen Menschen, die seit Jahrzehnten mit Jesus leben – aber genauso Menschen, die mit Kirche kaum etwas anfangen können.
Offenbar steckt in uns allen die Sehnsucht nach einer Heimat, die größer ist als dieses Leben. Auch Jesus spricht vom Himmel. Genauer gesagt vom „Himmelreich“ oder, wie man auch übersetzen kann, vom „Königreich der Himmel“.
Doch erstaunlicherweise meint er damit nicht zuerst den Ort, an den wir nach unserem Tod kommen. Jesus spricht von einer Herrschaft. Von einem König. Von einem Leben unter seiner Regierung.
Darum beginnt seine öffentliche Verkündigung, seine erste Predigt mit den Worten: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“ (Matthäus 4,17). Und genauso endet die letzte Seligpreisung: „… denn ihrer ist das Himmelreich.“ (Matthäus 5,10)
Das ist kein Zufall. Die erste und die letzte Seligpreisung bilden eine Klammer. Dazwischen beschreibt Jesus, wie Menschen leben, die zu seinem Reich gehören. Das Himmelreich beginnt also nicht erst nach dem Tod. Es beginnt dort, wo Jesus König wird.
Wer ihm sein Leben anvertraut, lebt zwar noch auf dieser Erde, aber nach den Maßstäben eines anderen Reiches. Darum verändert sich die wichtigste Frage unseres Lebens. Nicht mehr: „Was möchte ich?“ Sondern: „Was möchte mein König?“
Plötzlich werden andere Werte wichtig. Wir vergeben, obwohl Vergeltung einfacher wäre. Wir dienen, obwohl viele nach Einfluss streben. Wir lieben, obwohl Hass oft leichter erscheint. Wir bleiben bei der Wahrheit, auch wenn eine Lüge bequemer wäre.
Jesus fasst das so zusammen: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit“ (Matthäus 6,33). Das Reich Gottes ist dann nicht mehr ein Bereich unseres Lebens. Es wird zum Mittelpunkt unseres Lebens.
Das bedeutet allerdings nicht, dass alles leichter wird. Im Gegenteil. Die Werte des Himmelreiches passen oft nicht zu den Werten dieser Welt. Genau deshalb endet die Bergpredigt nicht mit Applaus, sondern mit der Aussicht auf Widerstand.
Doch Jesus schenkt gleichzeitig eine unglaubliche Verheißung: „… denn ihrer ist das Himmelreich.“ Nicht: Es wird ihnen eines Tages gehören. Sondern: Es gehört ihnen schon jetzt.
Paulus schreibt: „Unser Bürgerrecht ist im Himmel“ (Philipper 3,20). Das bedeutet: Unsere eigentliche Heimat prägt schon heute unser Denken, unsere Entscheidungen und unser Verhalten.
Wir warten nicht einfach nur auf den Himmel. Ein Christ wartet nicht darauf, irgendwann in den Himmel zu kommen. Er bringt schon heute ein Stück Himmel auf die Erde. Wo Jesus durch seinen Geist regiert, wird schon heute etwas von Gottes Reich sichtbar.
Vielleicht ist genau das die größte Herausforderung der Bergpredigt. Nicht nur auf den Himmel zu hoffen. Sondern so zu leben, dass Menschen schon heute etwas vom Himmel erahnen können. Durch unsere Barmherzigkeit. Unsere Ehrlichkeit. Unsere Friedensliebe. Unsere Treue.
Denn jedes Mal, wenn Jesus in einem Menschen sichtbar wird, blitzt ein Stück seines Reiches auf. Wer unter der Herrschaft Jesu lebt, trägt die Kultur des Himmels in eine Welt, die Gott oft vergessen hat.
Herausforderung für heute: Wenn Menschen dein Leben beobachten würden – kämen sie auf die Idee, dass Jesus dein König ist? Nicht wegen großer Worte, sondern wegen der Art, wie du mit Menschen umgehst, Entscheidungen triffst und deinen Alltag lebst.
Denn genau dort wird sichtbar, zu welchem Reich wir gehören.
Sei gesegnet!
„Die Zukunft hängt davon ab, was wir heute tun.“— Mahatma Gandhi


