Nachdem Jesus gekreuzigt worden war, fühlte sich für seine Freunde alles wie eine Achterbahn an: Herzschmerz, Verwirrung und tiefe Verzweiflung. Was hätten sie also anderes tun sollen, als in ihr altes Leben zurückzukehren, in das Vertraute? Einige von ihnen waren Fischer gewesen – also gingen sie zurück zu ihren Booten. Und genau dort begegnet ihnen Jesus wieder. An dem Ort, an dem alles begonnen hatte.
Die Freunde hatten die ganze Nacht nichts gefangen, als sie am Ufer einen Mann sahen. Doch sie erkannten ihn nicht. Auch nicht, als er sie – wie damals vor drei Jahren – fragte, ob sie nichts gefangen hätten. Er fordert sie auf, die Netze auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen. Und wieder geschieht das Wunder: Die Netze füllen sich so sehr, dass sie fast zerreißen.
Doch es bleibt nicht dabei. Als sie ans Ufer kommen, sehen sie, dass Jesus längst ein Feuer vorbereitet hat. Frühstück wartet auf sie. Stell dir das vor: Nach einer frustrierenden Nacht, voller Zweifel und Rückzug, kommst du an Land – und da ist Jesus. Kein Vorwurf. Kein „Warum hast du versagt?“. Sondern ein Feuer. Brot. Fisch. Einladung.
Er begegnet ihnen in ihrer gewohnten Umgebung und bietet ihnen genau das an, was sie brauchen: Nahrung, Gegenwart und Liebe. Für Petrus muss dieser Moment besonders intensiv gewesen sein. Er hatte Jesus dreimal verleugnet und trug schwer an dieser Schuld. Doch Jesus kommt ihm nicht mit Anklage entgegen. Stattdessen ruft er: „Freunde!“ (Johannes 21,5). In diesem einen Wort liegt Annahme.
Und Petrus? Er wartet nicht einmal, bis das Boot anlegt. Er springt ins Wasser und schwimmt zu Jesus.
Später heißt es: „Kommt her und esst!, sagte Jesus. Keiner von den Jüngern wagte zu fragen: Wer bist du? Aber sie wussten: Es ist der Herr.“ (Johannes 21,12)
Kurz danach passiert dann etwas Entscheidendes. Jesus spricht Petrus persönlich an: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Dreimal stellt er diese Frage. Dreimal antwortet Petrus. Und dreimal gibt Jesus ihm einen Auftrag. Dreimal Versagen trifft auf dreifache Wiederherstellung.
Was für eine Szene. Jesus spricht nicht zuerst über Schuld, sondern über Liebe. Nicht über Vergangenheit, sondern über Zukunft. Petrus wird nicht auf sein Versagen reduziert – sondern neu berufen. Das ist mehr als Vergebung. Das ist Wiederherstellung.
Und genau das betrifft auch uns. Wir alle kennen Momente von Scham, Schuld oder innerem Rückzug. Momente, in denen wir denken, wir hätten es vermasselt. Doch die Begegnung am See zeigt: Jesus sucht uns genau dort auf. Nicht erst, wenn wir alles im Griff haben – sondern mitten in unserem Scheitern.
Seine Liebe nennt uns „Freunde“, selbst wenn wir uns unwürdig fühlen. Der Weg von Petrus macht deutlich: Versagen disqualifiziert uns nicht – es kann der Ort sein, an dem Gottes Gnade am tiefsten greift. Unsere Schwäche wird nicht zum Endpunkt, sondern zum Ausgangspunkt für Neues.
Vielleicht hält dich heute etwas zurück – Schuld, Zweifel oder die Angst, nicht zu genügen. Dann erinnere dich an dieses Bild: Jesus steht am Ufer. Das Feuer brennt. Er hat längst vorbereitet, was du brauchst.
Und er lädt dich ein.
Vielleicht ist heute der Moment, neu zu antworten. Nicht perfekt. Aber ehrlich.
Sei gesegnet!
„Unsere größten Fehler können die Orte werden, an denen wir Gott am tiefsten begegnen“ (Henri Nouwen).


