Sütenlandschaft

Wenn Gott sich Zeit lässt – und du lernen musst zu vertrauen

Jürgen Ferrary
16. Januar 2026

Geduld gehört ganz sicher nicht zu meinen größten Stärken. Ich mag schnelle Ergebnisse. Auch im Gebet. Wenn ich bete, wünsche ich mir oft zweierlei: dass Gott zügig antwortet – und bitte möglichst auch sofort handelt. Doch mein Leben mit Gott hat mir etwas anderes beigebracht: Gottes Uhren ticken anders als meine. Fast immer. Und sein Zeitplan folgt selten meiner Ungeduld.

Das ist kein neues Phänomen. Die Bibel ist voll von Geschichten, in denen Gott Menschen einen Traum, einen Auftrag oder eine Verheißung gibt – und sie dann erst einmal warten lässt. Oft sehr lange.

Abraham sehnte sich nach Kindern. Gott versprach ihm Nachkommen, als er eigentlich schon zu alt dafür war. Und trotzdem musste er noch Jahre warten, bis sich die Verheißung erfüllte. Josef bekam von Gott große Träume – doch bevor sich jemand vor ihm beugte, führte sein Weg durch Verrat, Sklaverei und Gefängnis. Mose sollte das Volk in ein Land führen, in dem Milch und Honig fließen. Der Weg dorthin? Vierzig Jahre Wüste. Und Noah? Er baute Jahrzehnte lang eine Arche – ohne Regen in Sicht.

Wenn ich diese Geschichten lese, erkenne ich ein Muster: Gottes Verzögerungen sind selten Zufall. Sie sind oft Absicht.

Gott nutzt Zeiten des Wartens, um Menschen vorzubereiten. Jeder große Traum bringt Herausforderungen mit sich. Gott weiß das – und er weiß auch, ob wir innerlich schon bereit sind für das, was kommt. Die Israeliten wären einem direkten Krieg nach dem Auszug aus Ägypten nicht gewachsen gewesen. Die Wüste war kein Umweg, sondern ein Trainingsfeld.

Gott nutzt Verzögerungen auch, um Herzen zu prüfen. In 5. Mose 8,2 heißt es: „Der HERR ließ dich den langen Weg durch die Wüste gehen, um dich zu prüfen und um herauszufinden, was in deinem Herzen ist.“

Und genau hier wird es unbequem. Denn Verzögerungen bringen oft Angst hervor. Die Israeliten hatten genug Glauben, um aus Ägypten auszuziehen – aber nicht genug Glauben, um ins verheißene Land hineinzugehen. Die Kundschafterberichte machten ihnen Angst: zu starke Feinde, zu große Städte, zu viele Risiken (vgl. 5. Mose 1,28).

Angst ist gefährlich. Sie hält uns in der Wüste fest. Sie verlängert Verzögerungen. Und manchmal – das tut weh zuzugeben – sind Träume nicht gescheitert, weil Gott untreu war, sondern weil wir uns aus Angst nicht hinausgewagt haben.

Ich weiß das aus meinem eigenen Leben.

Das Gegenmittel zur Angst ist kein Aktionismus. Es ist Vertrauen. Der Blick auf Gott. Die bewusste Erinnerung daran, wer mitgeht. Gott spricht auch dir zu: „Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott“ (Jesaja 41,10).

Wenn sich dein Traum verzögert, dann heißt das nicht, dass Gott dich vergessen hat. Im Gegenteil. Vielleicht formt er gerade deinen Charakter. Vielleicht stärkt er deinen Glauben. Vielleicht bereitet er dich auf mehr vor, als du dir gerade vorstellen kannst.

Sei gesegnet!

„Geduld ist nicht die Fähigkeit zu warten, sondern die Fähigkeit, beim Warten die richtige Haltung zu bewahren“ (Joyce Meyer).

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