Manchmal frage ich mich, warum die Bibel bestimmte Dinge so drastisch formuliert. Und ich komme immer wieder zu dem Schluss: weil sie drastisch sind. Eine dieser Stellen beschreibt die Folgen der Sünde. Wir neigen dazu, das abzuschwächen. Sätze wie „So schlimm ist das doch nicht“ liegen uns näher. Aber die Bibel spricht anders.
Im Epheserbrief heißt es: „Wegen unserer Sünden waren wir in Gottes Augen tot. Doch er hat uns so sehr geliebt, dass er uns mit Christus neues Leben schenkte“ (Epheser 2,4–5).
Tot. Nicht angeschlagen. Nicht ein bisschen verloren. Tot.
Das ist hart. Aber genau so stark ist das, was danach kommt: Gott ist barmherzig. Gott liebt. Und seine Liebe bleibt nicht Theorie. Jesus nimmt den Tod auf sich, damit wir leben können.
Das klingt vielleicht vertraut. Aber im Alltag leben wir oft ganz anders. Häufig gibt es zwei Richtungen: Entweder wir leben, als gäbe es Gott nicht, und wenden uns erst an ihn, wenn es brennt. Oder wir versuchen, uns seine Nähe zu verdienen. Wir strengen uns an, wollen beweisen, dass wir es ernst meinen.
Beides geht am Kern vorbei.
Gott hat nicht alles getan, um dann zuzusehen, wie wir uns den Rest erarbeiten. Er hat uns lebendig gemacht. Mehr noch: Er hat uns mit Christus auferweckt und uns mit ihm „gesetzt“. Das ist ein starkes Bild. Es beschreibt keinen Platz, den wir erreichen müssen, sondern einen, den wir bereits haben.
Der Epheserbrief führt diesen Gedanken weiter aus. Er spricht von Berufung, Hoffnung, Erbe und Kraft. Und nicht von irgendeiner Kraft, sondern von derselben Kraft, mit der Gott Jesus von den Toten auferweckt hat.
Wenn ich das lese, frage ich mich ehrlich: Wovon ist mein Alltag geprägt? Lebe ich aus dieser Hoffnung? Aus dieser Identität? Oder lasse ich mich von Umständen treiben?
In mir steckt oft noch dieser Reflex: Ich muss mehr tun. Mich mehr anstrengen. Beweisen, dass ich es ernst meine. Aber die Wahrheit ist: Ich könnte mich nie genug anstrengen, um mir diesen Platz zu verdienen. Und ich muss es auch nicht.
Und dann ist da noch die Frage nach der Kraft. Lebe ich aus Gottes Kraft – oder kämpfe ich allein?
Wenn dieselbe Kraft, die Jesus auferweckt hat, in mir lebt, warum versuche ich dann so oft, alles aus eigener Kraft zu regeln? Warum fühle ich mich, als würde ich auf verlorenem Posten kämpfen?
Vielleicht kennst du das.
Dann lass dir das neu zusagen: Du bist nicht gerade dabei, dir deinen Platz zu erarbeiten. Du lebst von einem Platz aus, der dir längst geschenkt ist. Du bist in den Sieg Christi hineingenommen. Nicht, weil du dich heute stark fühlst. Nicht, weil du alles richtig machst. Sondern weil Gottes Barmherzigkeit dich trägt.
Das verändert die Perspektive. Du kämpfst nicht mehr, um angenommen zu werden. Du lebst aus Annahme heraus. Du kämpfst nicht um den Sieg. Du lebst vom Sieg.
Herausforderung für heute: Nimm dir einen Moment und Lies heute Epheser 1, 17-21 Und dann werde ehrlich: Wo versuchst du gerade, dir etwas zu verdienen, das Gott dir längst geschenkt hat? Wo kämpfst du aus eigener Kraft, obwohl Gottes Kraft dir zur Verfügung steht? Triff heute bewusst die Entscheidung, das loszulassen. Bring es ans Kreuz – und tausche es ein gegen das, was er dir gibt: Berufung, Hoffnung, Kraft und Identität.
Du musst nicht erst leben lernen. Du bist lebendig gemacht worden.
Sei gesegnet!
„Es ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können.“ – George Eliot


