Es ist erstaunlich – und manchmal auch erschreckend –, wie kurz unser Gedächtnis sein kann. Eben noch erleben wir ein Wunder Gottes, eine Gebetserhörung, eine offene Tür. Und im nächsten Moment ist alles wie ausgelöscht. Zweifel übernehmen das Steuer.
Ein Paradebeispiel dafür ist das Volk Israel zur Zeit des Mose.
400 Jahre lebten sie unter unmenschlichen Bedingungen in der Sklaverei Ägyptens. Dann greift Gott ein. Zehn Plagen. Ein klarer Sieg. Freiheit. Und doch: Kaum ein paar Tage später stehen sie am Schilfmeer und schreien panisch: „Wir werden alle sterben!“ Sie hatten vergessen, was Gott getan hatte.
Gott teilt das Meer. Sie gehen hindurch. Ein unfassbares Wunder. Doch kaum sind sie auf der anderen Seite, beginnt das nächste Jammern: „Wir werden verdursten!“ Gott schenkt Wasser. Kurz darauf: „Wir werden verhungern!“ Gott schenkt Brot vom Himmel. Und wieder wird vergessen.
Die Bibel hält uns das schonungslos vor Augen: „Schon bald vergaßen sie die vielen Beweise deiner Güte und lehnten sich am Roten Meer gegen dich auf. Dennoch rettete er sie – um der Ehre seines Namens willen und um seine große Macht zu zeigen. Doch wie rasch vergaßen sie wieder, was er getan hatte, und warteten nicht auf seinen Rat“ (Psalm 106,7-8.13).
Wenn wir das lesen, schütteln wir leicht den Kopf. Wie konnten die nur?
Aber seien wir ehrlich: Wir sind oft nicht besser.
Sobald das Leben mir gegen das Schienbein tritt, meldet sich auch bei mir die innere Stimme:
Meint Gott es wirklich gut mit mir?
Hat er mich vergessen?
Habe ich etwas falsch gemacht?
Bin ich ihm vielleicht egal geworden?
In solchen Momenten weist uns König David einen anderen Weg: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ (Psalm 103,2).
Das ist kein frommer Appell, sondern geistliche Weisheit. Lobpreis verschiebt meinen Fokus. Weg von meinen Ängsten, hin zu Gott. Weg von dem, was fehlt, hin zu dem, was er bereits getan hat.
Wenn ich zurückblicke, sehe ich: Gott war da. Immer wieder. Türen haben sich geöffnet. Wege haben sich gezeigt. Seine Treue hat mich getragen – auch dann, wenn ich sie nicht gespürt habe. Warum sollte er heute plötzlich anders sein?
Und was, wenn ich wirklich Fehler gemacht habe? Wenn ich meinen eigenen Willen durchgedrückt und Gottes Stimme ignoriert habe? Dann gilt trotzdem diese Zusage: „Wenn wir untreu sind, bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen“ (2. Timotheus 2,13).
Gott ist nicht launisch. Seine Liebe hängt nicht an deiner Perfektion. Seine Verheißungen sind größer als deine momentanen Zweifel.
Vielleicht hat sich eine Zusage Gottes in deinem Leben noch nicht erfüllt, weil Gott dich vorbereitet. Nicht, um dich zu ärgern – sondern um dein Vertrauen zu stärken. Verzögerung bedeutet nicht Ablehnung. Oft bedeutet sie Reifung.
Kleine Herausforderung für heute: Nimm dir heute bewusst fünf Minuten. Schreib drei konkrete Dinge auf, bei denen du Gottes Hand in deinem Leben erkannt hast. Danke ihm laut dafür. Und entscheide dich, nicht zu vergessen, was er schon getan hat.
Gott hat dich nicht vergessen.
Und er wird auch jetzt treu bleiben.
Sei gesegnet!
„Dankbarkeit verwandelt das, was wir haben, in genug“ (Aesop).


