Gemeinschaft im Restaurant

Um Frieden kämpfen?

Jürgen Ferrary
22. April 2026

Als Jesus an Ostern am Kreuz starb, brachte er kein Opfer, das immer wieder erneuert werden muss. Manchmal denken wir genau so: Gestern habe ich Gnade erlebt, heute ist wieder alles auf null. Gestern hat Gott mir vergeben, heute muss ich mir seinen Frieden neu verdienen. Aber so ist es nicht.

Jesus ist nicht wie die Opfer des Alten Testaments, die ständig wiederholt werden mussten. Diese Opfer waren vorläufig. Sein Opfer ist endgültig. Ein für alle Mal hat er die Macht der Sünde gebrochen, das Böse besiegt und den Tod überwunden – auch wenn das für unsere Ohren vielleicht vertraut oder sogar abgegriffen klingt.

Wenn wir wirklich verstehen, was das bedeutet, verändert das unser Leben. Dann müssen wir nicht jeden Tag neu um inneren Frieden kämpfen. Wir müssen uns nicht anstrengen, um „friedlicher“ zu werden, und auch nicht krampfhaft versuchen, unsere innere Unruhe in den Griff zu bekommen. Wir dürfen uns beschenken lassen.

Denn genau danach sehnen sich Menschen überall auf der Welt: nach Frieden. Politiker verhandeln, schließen Verträge, setzen auf Diplomatie. Und doch bleibt die Welt unruhig. Konflikte flammen immer wieder auf. Warum? Weil dieser Frieden an Bedingungen geknüpft ist. Er hängt von Umständen ab – und die sind selten stabil.

Das Problem beginnt oft schon in uns selbst. Wir versuchen, Situationen zu kontrollieren, Reaktionen anderer vorherzusehen und uns innerlich abzusichern. Das kostet Kraft. Und es führt selten zu echtem Frieden.

Der Frieden, den Gott anbietet, ist anders. Er ist nicht abhängig von äußeren Umständen. Er entsteht nicht dadurch, dass alles gut läuft. Er hat seinen Ursprung in dem, was Jesus bereits getan hat.

Wenn ich mir bewusst mache, dass das Böse nicht mehr das letzte Wort hat, wenn ich darauf vertraue, dass Gott die Kontrolle nicht verloren hat und es gut mit mir meint, dann öffnet sich ein Raum in mir. Ein Raum, in dem sein Frieden wirken kann – tragend, stärkend, verändernd.

Ich habe Menschen erlebt, die mitten im Sturm ruhig waren wie ein Fels in der Brandung. Trotz schwerer Diagnose, trotz Konflikten, trotz Jobverlust oder existenzieller Unsicherheit. Gott verhindert nicht jedes Leid. Aber er lässt uns darin nicht allein. Er bringt seinen Frieden mit – auch in die Trauer, auch ins Loslassen, auch in die Ungewissheit.

Im Kolosserbrief heißt es: „Der Frieden, der von Christus kommt, regiere euer Herz und alles, was ihr tut!“ (Kolosser 3,15). Das Wort „regieren“ bedeutet hier so viel wie „Schiedsrichter sein“. Es beschreibt jemanden, der eine Entscheidung trifft, der Ordnung schafft, der klärt, was gilt.

Das ist ein starkes Bild. Wenn Angst und Frieden gleichzeitig in dir Raum einnehmen wollen, dann muss nicht deine Stärke entscheiden. Auch nicht deine Gefühle. Christus selbst hat diesen Frieden gesichert – und er darf das letzte Wort haben.

Zu oft versuchen wir, Frieden darzustellen, statt ihn zu empfangen. Wir lächeln tapfer, sprechen richtige Worte und hoffen, dass es irgendwann echt wird. Aber echter Friede entsteht nicht durch Fassade, sondern durch Vertrauen.

Die schwersten Momente fordern uns heraus, Gott über das Ergebnis hinaus zu vertrauen. Selbst wenn nicht alles so ausgeht, wie wir es uns wünschen, dürfen wir wissen: Er hält uns. Seine Kraft trägt, wenn unsere eigene nachlässt.

Friede ist keine Verleugnung der Realität. Er ist auch kein inneres Verstellen. Friede ist die Autorität Christi in deinem Leben, die dein Herz zur Ruhe bringt. Du bist nicht dazu berufen, Frieden zu produzieren – sondern ihn zu empfangen.

Herausforderung für heute: Wenn du heute Frieden brauchst, benenne das, was in deinem Inneren gerade laut ist. Und dann sage Jesus ganz leise: „Ich vertraue Dir, dass Du hier die Entscheidung triffst.“ Lass Seinen Frieden der Schiedsrichter sein.

Sei gesegnet!

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.“ – Viktor E. Frankl

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