Der Keyboarder meiner Band hat große Pläne. Morgen verlässt er das Land – für fünf Monate. Er will wandern. Allein. Mich fasziniert diese Idee. Für viele von uns wäre das wahrscheinlich nichts: so lange unterwegs, ohne festen Plan, ohne Alltag. Und doch steckt darin etwas, das viele Menschen neu entdecken.
Sich Zeit nehmen. Allein sein. Unterwegs sein. Spätestens seit dem Buch Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling hat der Jakobsweg wieder Hochkonjunktur.
Als ich jung war, habe ich bei den Pfadfindern an mehreren Marathonläufen teilgenommen. Wir liefen durch Wälder und über Felder, bergauf und bergab. Und immer wieder gab es Momente, in denen man plötzlich ganz allein war.
Nur du, der Weg – und deine Gedanken. Das war nicht nur körperlich herausfordernd. Es tat auch der Seele gut.
Denn Stille ist etwas, das wir heute kaum noch kennen. Sobald ein Moment der Ruhe entsteht, greifen viele von uns automatisch zum Handy. Oder wir schalten Musik ein, Podcasts, Nachrichten – irgendetwas, das die Stille füllt.
Aber genau in dieser Stille passiert etwas Entscheidendes: Wenn du allein bist – und vielleicht auch allein mit Gott –, dann hörst du deine Gedanken wieder. Du erinnerst dich daran, wer du bist. Und du beginnst, Gott Raum zu geben, zu dir zu sprechen.
Selbst Jesus suchte diese Zeiten. Im Markusevangelium 1,35 (ZB) heißt es: „Und in der Frühe, als es noch finster war, stand er auf, ging hinaus und begab sich an einen einsamen Ort, und dort betete er.“ Wenn selbst Jesus solche Zeiten brauchte – wie viel mehr wir.
Auch der Sabbat, den Gott seinem Volk gab, war kein Versuch, Menschen einzuschränken. Im Gegenteil: Er war ein Geschenk. Eine Erinnerung daran, dass wir nicht dafür geschaffen sind, ununterbrochen zu funktionieren.
Ruhe gehört zu unserem Leben. Und Stille ist oft der Ort, an dem Gott uns begegnet. Wenn du dir bewusst Zeit mit Gott nimmst, dann sprich ehrlich mit ihm. Erzähle ihm, was dein Herz bewegt. Deine Sorgen, deine Fragen, deine Kämpfe. Bitte ihn um Wegweisung, um Frieden, um Heilung.
Manchmal hilft es sogar, Dinge aufzuschreiben. Verletzungen, Ängste oder Schuld. Manche Menschen legen solche Zettel bewusst ans Kreuz im Gebet oder verbrennen sie symbolisch – als Zeichen dafür, dass sie diese Last Gott überlassen.
Denn oft kann Gott nur das heilen, was wir auch beim Namen nennen. Ein wichtiger Teil des Gebets ist außerdem Dankbarkeit. Sie verändert unseren Blick. Weg vom Mangel – hin zu dem, was Gott uns bereits geschenkt hat.
Der Psychologe Robert Emmons sagte einmal: „Du kannst nicht dankbar und unglücklich zugleich sein.“ Dankbarkeit richtet unser Herz neu aus. Sie erinnert uns daran, dass Gott längst am Werk ist.
Baue diese beiden Rhythmen in die Struktur deines Lebens ein. Ehrliche Gespräche mit dem, der dich geschaffen hat, können dein Leben neu ausrichten, deinen Glauben beleben und deiner Seele neue Kraft schenken. Solche Zeiten sind wie ein Spalier im Garten: Sie geben deinem Leben eine Struktur, an der es wachsen kann.
Kleine Herausforderung für heute: Schaffst du es, dir heute ein paar Minuten bewusst freizuschaufeln – ohne Handy, ohne Musik, ohne Ablenkung? Vielleicht bei einem kurzen Spaziergang. Vielleicht in einem ruhigen Zimmer. Setz dich hin. Atme tief durch. Sprich mit Gott – oder hör einfach nur zu. Und erlebe, was passiert, wenn Stille Raum bekommt.
Sei gesegnet!
„In der Stille liegt die Kraft“ (Konfuzius zugeschrieben).


