Mehr als ein Lied

Jürgen Ferrary
7. August 2026

„Wo hast du Gott zuletzt ganz besonders erlebt?“ Wenn ich Menschen diese Frage stelle, höre ich oft ähnliche Antworten: „Als Gott mein Gebet erhört hat.“ Oder: „Als sich endlich eine schwierige Situation gelöst hat.“ Manche erzählen von einem Wunder oder einer erstaunlichen Bewahrung. Das sind wunderbare Erfahrungen. Aber was ist, wenn das Wunder ausbleibt? 

Wenn sich die Situation nicht sofort verändert? Wenn Gott schweigt und wir seine Güte gerade nicht spüren? Heißt das, dass Gott dann weniger gut ist?

Zum Abschluss dieser kleinen Reihe über Gottes Güte möchte ich dir einen Gedanken weitergeben, der mich selbst überrascht hat. Wie können wir Gottes Güte ganz praktisch erleben? Meine Antwort wäre heute: Durch Anbetung.

Vielleicht denkst du jetzt sofort an Musik oder an den Lobpreis im Gottesdienst. Doch Anbetung ist viel mehr. Anbetung bedeutet, Gott bewusst den Platz zu geben, der ihm zusteht. Es bedeutet, den Blick weg von den eigenen Umständen und hin auf seinen Charakter zu richten.

Genau dazu lädt David ein: „Schmeckt und seht, dass der HERR gut ist! Glücklich ist der Mensch, der bei ihm Zuflucht sucht.“ (Psalm 34,9)

David sagt nicht: „Lest, dass Gott gut ist.“ Oder: „Diskutiert darüber.“ Er sagt: „Schmeckt und seht.“ Mit anderen Worten: Erlebt es selbst!

Gottes Güte will nicht nur verstanden werden. Sie will erfahren werden. Und genau dabei hilft Anbetung.

Wenn ich Gott anbete, werden meine Probleme nicht automatisch kleiner. Aber Gott wird wieder größer in meinen Gedanken. Das verändert die Perspektive. Ich merke das immer wieder bei mir selbst. Wenn ich nur auf meine Sorgen schaue, drehen sie sich wie ein Karussell in meinem Kopf.

Wenn ich dagegen bewusst anfange, Gott für seine Treue, seine Gnade und seine Liebe zu danken, verändert sich oft nicht sofort meine Situation – aber mein Herz.

Aus Angst wird Vertrauen. Aus Unruhe wird Frieden. Aus Klagen wird Dankbarkeit. Das liegt nicht daran, dass Anbetung Gott verändert. Gott ist gestern, heute und in Ewigkeit derselbe.

Anbetung verändert mich. Sie erinnert mich daran, wer Gott ist. Sie richtet meinen Blick neu aus. Sie öffnet mein Herz für seine Gegenwart.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum Menschen, die Gott regelmäßig anbeten, oft eine erstaunliche innere Ruhe ausstrahlen. Nicht weil sie weniger Probleme hätten. Sondern weil sie gelernt haben, auf den zu schauen, der größer ist als ihre Probleme.

Zwischen Gottes Güte und unserer Anbetung besteht deshalb ein wunderbarer Kreislauf. Je mehr ich Gottes Güte erkenne, desto mehr möchte ich ihn anbeten.vUnd je mehr ich ihn anbete, desto deutlicher entdecke ich seine Güte – oft gerade mitten im Alltag.

Vielleicht beginnt geistliches Wachstum deshalb nicht damit, dass wir uns mehr anstrengen.vSondern damit, dass wir Gott mehr bestaunen.vDenn wer Gott groß macht, erlebt oft, dass die eigenen Sorgen ihren beherrschenden Platz verlieren.

Herausforderung für heute: Nimm dir heute zehn Minuten Zeit, ohne Gott um irgendetwas zu bitten. Danke ihm einfach. Denk darüber nach, wer er ist. Lies einen Psalm laut. Höre ein Anbetungslied oder bete mit eigenen Worten.

Vielleicht wirst du entdecken, dass sich nicht sofort deine Umstände verändern – aber dein Herz. Denn dort beginnt oft das größte Wunder.

Sei gesegnet!

„Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie, wie wir sind“ — Anaïs Nin

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